Frankfurt/Main (11.12.14)/PK – Es ist noch ‚mal gutgegangen. Die Furcht, die Ukraine-Krise könnte die deutsche und europäische Wirtschaft völlig ausbremsen, diese Furcht hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die zur großen Sparkassen-Familie zählende DekaBank verbreitet verhaltenen Opitmismus. Jedenfalls ihr Chefvolkswirt Ulrich Kater. Beim Blick auf die deutsche, europäische und weltweite Wirtschaft sieht sich Kater „positiv überrascht“. Für Europa gibt er sich „vorsichtig optimistisch“.
Der Zustand der europäischen Wirtschaft ist besser als sein Ruf. Zwar steht die massive Unterauslastung der Industrie einer Normalisierung weiterhin im Weg, aber der Konjunkturausblick verbessert sich. Zu diesem Ergebnis kommt die Deka-Gruppe in ihrem Konjunktur- und Kapitalmarktausblick 2015/2016. Der Umfang der Erholung dürfte für 2015 mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent noch relativ gering ausfallen. Für 2016 erwartet das Wertpapierhaus der Sparkassen mit 1,7 Prozent eine Fortsetzung der moderaten Erholung.
„Konjunkturzyklen waren gestern. Heute wird das wirtschaftliche Geschehen in den Industrieländern entscheidend von Kreditzyklen beeinflusst“, resümiert Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank auf dem diesjährigen Prognosefrühstück des Wertpapierhauses der Sparkassen. Während ein übermäßiger Aufbau von Kreditvolumina in den Zeiten vor der Finanzkrise dem Wirtschaftswachstum Rückenwind gab, habe sich der Kreditzyklus nunmehr gedreht. Jetzt müssten private Haushalte, Unternehmen oder Staatshaushalte entschuldet werden. „Wir erwarten für Euroland nicht den japanischen Weg: Europa ist offener gegenüber strukturellen Reformen, selbst wenn sie etwas länger dauern. Es mag sein, dass Euroland zurzeit als der kranke Mann der Weltwirtschaft gilt. Aber der kranke Mann wird wieder aufstehen“, so das Fazit von Kater. Das extreme Niedrigzinsumfeld werde allerdings unter diesen Umständen noch jahrelang aufrecht erhalten bleiben.
Für Frank Hagenstein, Chefanlagestratege der Deka Investment, werden der Wechsel in der US-Geldpolitik sowie die regionalen Wachstumsunterschiede entscheidend für die Marktgeschehnisse im kommenden Jahr sein. Für 2015 zeigt sich Hagenstein verhalten optimistisch und erwartet, dass sich die Aufwärts-bewegung an den Aktienmärkten insgesamt fortsetzen wird. Gleichwohl geht er von einer deutlich höheren Volatilität an den europäischen und globalen Aktienmärkten aus, verbunden mit einem stärkeren Favoritenwechsel. Das Niedrigzinsumfeld habe vielen Segmenten spürbaren Rückenwind verliehen, der im kommenden Jahr nachlassen werde.
Fällt die Wachstumserholung deutlicher aus, dürften im Jahr 2015 davon auch zyklische Werte profitieren. Die momentan anhaltende Hausse führt der Chefanlagestratege weniger auf die konjunkturelle Entwicklung, als vielmehr auf die günstigen Bewertungen vieler europäischer und deutscher Aktien zurück. Im derzeitigen Umfeld empfiehlt Hagenstein Aktien von Unternehmen, die aufgrund ihrer soliden Bilanzen mit einer langfristig zuverlässigen Dividendenpolitik überzeugen. Firmen mit stärkeren Schwankungen in ihren Ausschüttungen sollten hingegen gemieden werden.
Eine höhere Volatilität prognostiziert Hagenstein auch für die Anleihemärkte. „Aufgrund der massiven Liquiditätsschwemme der Notenbanken und der damit verbundenen starken Renditekompression sinkt die Aussicht auf attraktive Renditen“, so der Chefanlagestratege. Empfehlenswert bleiben auch im kommenden Jahr europäische High-Yield-Anleihen. Hier dürften die Ausfallraten nahe den historischen Tiefständen verharren.
Einen Vorteil sieht die Deka in Folge der stark expansiven Notenbanken dennoch: „Währungstrends können heute besser abgegriffen werden. Die Notenbanken leiten jetzt oftmals einen Großteil der Investoren mit ihren klaren Äußerungen in eine bestimmte Richtung“, so Hagenstein abschließend.
Daneben sieht Hagenstein in den wieder höheren Risikoaufschlägen für Hartwährungsanleihen der Schwellenländer Investitionschancen. Deshalb gehören auf Euro und US-Dollar lautende Anleihen wieder zu den gesuchten Anlagen.
Weltwirtschaft: Wachstumstreiber USA
Die Prognose des Chefvolkswirts der DekaBank für das globale Wirtschaftswachstum fällt mit 3,5 Prozent (2015) bzw. 3,8 Prozent (2016) durchaus positiv aus. Einmal mehr erweisen sich die Vereinigten Staaten als Konjunkturtreiber; das Land erlebt 2015 mit einem BIP-Zuwachs von 3,0 Prozent das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Bei der Betrachtung der globalen Wirtschaft wird eine zunehmende Differenzierung der Regionen deutlich.
Zwar schreite die Entwicklung der Emerging Markets weiter voran, allerdings gehe der Trend weg von rohstoffproduzierenden Ländern. 2015 werde China – trotz leicht sinkender Wachstumsraten (2015: 7,1 Prozent) – die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen. Japan hingegen wird aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr (+0,5 Prozent) nicht zu einem nachhaltigen Wachstum finden, weil die notwendigen realwirtschaftlichen Strukturreformen nicht greifen.
Fragiler Aufschwung
Während das Wachstum für den Euroraum insgesamt langsam, aber stetig in Gang kommt, bröckelt das Vertrauen in die deutsche Volkswirtschaft. Zwar sei das wirtschaftliche Fundament kräftig und ein Wachstum von 1,3 Prozent für 2015 und 2,0 Prozent für 2016 nennenswert. Aber die demografischen und weltwirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft würden auch in Deutschland noch nicht überzeugend angegangen. Europa und Deutschland benötigten eine Kombination aus koordinierten angebots- und nachfrageseitigen Impulsen, um die mäßige wirtschaftliche Dynamik im Euroraum weiter zu stärken.

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