Frankfurt/Main (16.12.14)/PK – Liegt’s an der Jahreszeit oder an seiner Grundeinstellung? Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat am Montagabend, mitten in der Adventszeit, jedenfalls versöhnliche Töne angeschlagen und sich als verbaler Brückenbauer bemüht, um den Graben zwischen ihm und dem EZB-Präsidenten Mario Draghi zuzuschütten. Über 60 Mitglieder des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten waren auf Einladung der Bundesbank ins Gästehaus gekommen, wo sie bei Maissüppchen und zartem Kalbsfilet von Jens Weidmann hauptsächlich das serviert bekamen, was sie ohnehin wussten.Brückenbauer: Bundesbankpräsident Jens Weidmann - Foto: Deutsche BundesbankBrückenbauer: Bundesbankpräsident Jens Weidmann – Foto: Deutsche Bundesbank

Er, Weidmann, lehne den von Mario Draghi befürworteten Kauf von Staatsanleihen (im Bankjargon Quantitative Easing=QE bezeichnet) der Euro-Länder weiterhin ab. Ach! So weit, so bekannt.
Als Bundesbankpräsident gehört Jens Weidmann dem EZB-Rat an, also dem höchsten Entscheidungsgremium der Geldpolitik in der Euro-Zone.Doch wie anders will die Europäische Zentralbank den Nährboden für flottes Wachstum in der Euro-Zone bereiten? Durch Abwarten, schlug Weidmann vor. Ob (erfolgreich und zielführend) die im zu Ende gehenden Jahr bereits eingesetzten Instrumente der Geldpolitik fruchten, müsse sich erst zeigen. Und erst dann, wenn sie sich als effektivlos erwiesen hätten, erst dann müsse über den Einsatz un-konventioneller Instrument, konkret über das QE-Programm, nachgedacht und eventuell darüber entschieden werden. Doch soweit sieht Weidmann die EZB noch längst nicht.Etwas hilf-, ja fast ratlos wirkte Weidmann als er eingestand, „unsere konventionellen Mittel sind erschöpft“. Vulgo: Die Europäische Zentralbank ist (fast) am Ende ihres Lateins, hat alle herkömmlichen geldpolitischen Instrumente ausgereizt. Und sieht sich daher genötigt, un-konventionelle, also eigentlich nicht vorgesehene Mittel, anzuwenden. Eben vielleicht auch den sehr umstrittenen Kauf von Staatsanleihen der Euro-Länder.
Jens Weidmann verriet, von welchen Überlegungen er sich im Streit um das QE-Programm leiten lasse. Zum einen von der Frage, ob ein QE-Programm überhaupt nötig sei, zum anderen welche positiven Wirkungen von diesem Programm eventuell ausgingen und schließlich, welche unliebsamen und unerwünschten Nebenwirkungen dieses Programm erzeuge.Während Jens Weidmann weiterhin und nach wie vor das QE-Programm ablehnt, sieht er sich in vielen anderen Fragen der Geldpolitik mit seinem Widersacher Mario Draghi einig. Wie etwa bei der Frage, wie es um die Konjunktur in der Euro-Zone bestellt ist oder bei der Frage, ob die Europäische Zentralbank auf Dauer die Versäumnisse der Politik – Sichtwort: Reformen – ausgleichen müsse. Natürlich nicht, wiederholte Jens Weidmann auch an diesem Abend. Also zum x-ten Mal.Auf die Frage, welche Länder der Euro-Zone ihn derzeit die größten Sorgen bereiteten, etwa Griechenland oder Italien, brachte Weidmann Spanien ins Spiel. Dort hätten die eingeläuteten Reform-Maßnahmen bereits erste Erfolge gezeitigt. Damit sei, so ließ Weidmann, durchblicken, Spanien ein Vorbild für all’ jene Länder mit Reformstau.Ausweichend, ja schon fast gelangweilt reagierte Weidmann auf die Frage, die die allermeisten deutschen Sparer umtreibt: Was tun in Zeiten negativer Einlagezinsen? Nur so viel: Das Phänomen negativer Real-Zinsen sei nicht neu. Und das von der Bundesbank erstellte Muster-Portfolio weise ordentliche Renditen auf. Freilich nur deshalb, weil es auch eine Menge Risiken enthält. Will Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deutsche Sparer etwa in höheres Risiko locken?