Stuttgart (29.12.14) – Unternehmen aus den USA bauen ihre Dominanz an den Weltbörsen aus: Acht der zehn teuersten Unternehmen der Welt stammen zum Jahresende aus den Vereinigten Staaten. Die Zahl der US-Unternehmen in den Top 100 der höchstbewerteten Unternehmen der Welt liegt heute bei 54 – vor einem Jahr waren es nur 47.
Mit Abstand am höchsten wird derzeit der Technologieriese Apple gehandelt: Der Börsenwert des Unternehmens betrug zum Jahresende 669 Milliarden US-Dollar, ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Damit baute Apple seinen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Ölkonzern Exxon Mobil und dem Software-Konzern Microsoft (beide knapp 395 Milliarden US-Dollar) weiter aus.
In diesem Jahr schoben sich zwei chinesische Konzerne in die Top 10. Der Ölkonzern Petrochina schaffte es auf Rang 6, die Industrial & Commercial Bank of China auf Rang 10. Knapp eine Platzierung unter den Top 10 verpasst hat der chinesische Börsenneuling Alibaba, der lediglich drei Monate nach seinem Börsendebüt mit einer Marktkapitalisierung von 261 Milliarden US-Dollar auf Rang 11 kletterte.
Dominiert wird das Top 100-Ranking von Herstellern nichtzyklischer Konsumgüter, wozu etwa Lebensmittel, Gesundheits- oder Reinigungsprodukte zählen (29 Unternehmen). Auch die Finanzbranche ist mit 21 Unternehmen stark vertreten. Herbe Einbußen musste hingegen die Energiebranche hinnehmen: Aktuell sind zehn Energieunternehmen in den Top 100 vertreten, vor zwei Jahren waren es noch 17 Unternehmen.
Europäische Unternehmen sucht man unter den Top 10 vergebens. Auch unter den Top 100 der wertvollsten Unternehmen der Welt ist Europa nur noch mit 28 Unternehmen vertreten – vor einem Jahr waren es noch 33. Ein wichtiger Grund für das schwache Abschneiden Europas ist – neben der enttäuschenden Konjunkturentwicklung in Europa – der Wertverlust des Euro und des russischen Rubel. Deutschland ist aktuell mit fünf Unternehmen in den Top 100 vertreten – Ende 2013 zählten noch sechs deutsche Unternehmen zu den teuersten Unternehmen der Welt.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht.
„Die Schwäche der europäischen Unternehmen im Ranking resultiert zum einen aus dem gesunkenen Eurokurs – die an europäischen Börsen gelisteten Konzerne verlieren im internationalen Vergleich an Wert, während der starke US-Dollar US-Konzerne aufwertet“, sagt Thomas Harms, Partner bei EY. Aber auch andere Faktoren spielten eine Rolle: „Die US-Wirtschaft hat sich in diesem Jahr stark entwickelt, während Europa nach wie vor unter einer schwächelnden Konjunktur und den politischen Krisen in Osteuropa und dem nahen Osten leidet.“
Deutsche und russische Unternehmen verlieren in den Top 300 an Bedeutung
Besonders stark gesunken ist die Bedeutung russischer Unternehmen: Nur noch zwei russische Unternehmen – Gazprom und Rosneft – können sich im aktuellen Ranking der 300 teuersten Unternehmen der Welt platzieren – vor einem Jahr waren es noch fünf. Der Börsenwert der beiden Energiekonzerne hat sich von 180 Milliarden US-Dollar auf 98 Milliarden US-Dollar fast halbiert, was in erster Linie auf den drastisch gesunken Wert des Rubels zurückzuführen ist.
Aber auch das Gewicht einiger Euro-Länder im Ranking ist in den vergangenen 12 Monaten gesunken – vor allem Deutschland verliert an den Weltbörsen an Bedeutung: Die Zahl der deutschen Unternehmen im Top 300-Ranking ging von 18 auf 14 zurück, während Frankreich nur ein Unternehmen im Ranking verliert und nun ebenfalls mit 14 Konzernen vertreten ist.
Von den 14 deutschen Unternehmen in den Top 300 konnte lediglich ein einziges (Merck) seinen Börsenwert in US-Dollar steigern – bei allen anderen sank die Marktkapitalisierung in US-Dollar. Das wertvollste deutsche Unternehmen zum Jahresende 2014 ist Bayer mit einem Börsenwert von knapp 116 Milliarden US-Dollar auf Rang 57, gefolgt von Volkswagen (106 Milliarden US-Dollar, Platz 69) und Siemens (101 Milliarden US-Dollar, Platz 74). Ebenfalls unter den Top 100 finden sich Daimler (91 Milliarden US-Dollar, Platz 88) und SAP (87 Milliarden US-Dollar, Platz 93).
„Das schwache Abschneiden Deutschlands im Ranking ist in erster Linie auf Währungseffekte zurückzuführen und daher zunächst einmal nicht kritisch zu bewerten“, betont Harms. Im Gegenteil: Der schwache Euro führe dazu, dass deutsche Konzerne zu attraktiveren – weil günstigeren – Investitionszielen für ausländische Anleger werden. In letzter Konsequenz berge dies aber auch die Gefahr, dass deutsche Konzerne zu interessanten Übernahmekandidaten werden könnten, so Harms.
Da für das kommende Jahr mit einer Zinswende in den USA und Großbritannien zu rechnen sei, dürfte der Euro in den kommenden Monaten weiter unter Druck geraten, erwartet Harms, was gerade den international tätigen deutschen Konzernen aber durchaus gelegen komme: „Ein niedrigerer Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen. Zudem können deutsche Unternehmen ihre Produkte auf außereuropäischen Märkten günstiger anbieten und so Marktanteile gewinnen. Unterm Strich dürfte der niedrigere Eurokurs den deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten eher helfen als schaden“, so Harms.
USA dominieren bei Zukunftstechnologien
Trotz des starken US-Dollars, der für US-Konzerne auf den Weltmärkten von Nachteil ist, sieht Harms die US-Konzerne derzeit sehr gut aufgestellt:
„Während in Europa traditionell die Industrie- und Rohstoffkonzerne dominieren, hat sich in den USA die IT-Branche zu einer Leitbranche entwickelt.“ Diese deutliche Vormachtstellung der USA in der IT-Branche sieht Harms mit Sorge. „Die Digitalisierung erfasst alle Branchen und Lebensbereiche – darin steckt noch ein enormes Wachstumspotenzial, nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch für ganze Volkswirtschaften. Die Anbieter der entsprechenden IT-Lösungen kommen allerdings derzeit in erster Linie aus den USA.“ Immerhin drei US-Technologieunternehmen können sich in diesem Jahr unter den Top 10 platzieren: Apple, Microsoft und Google.
Dass in den USA so viele relativ junge Technologie-Unternehmen zu Top-Konzernen aufsteigen können, hängt nach Harms‘ Einschätzung vor allem mit der ausgeprägten Gründungskultur, dem hohen gesellschaftlichen Ansehen des Unternehmertums sowie den besseren Finanzierungsbedingungen in den USA zusammen.
Chinesische Unternehmen gewinnen stark an Bedeutung
Neben den US-Konzernen haben sich im vergangenen Jahr auch die chinesischen Konzerne gut entwickelt. Im Ranking der 300 teuersten Unternehmen der Welt finden sich aktuell 31 chinesische Unternehmen – deutlich mehr als im Vorjahr (24 Unternehmen). China ist damit bereits heute mehr als doppelt so stark vertreten wie Deutschland. „China bleibt ein Wachstumsmarkt, und chinesische Unternehmen werden weltweit eine immer größere Rolle spielen.“ Harms betont allerdings, dass dies keineswegs eine Bedrohung für die deutschen Top-Konzerne darstelle. Im Gegenteil: „Ob Autohersteller, Chemiekonzerne oder Konsumgüterhersteller: Immer mehr deutsche Unternehmen profitieren erheblich von steigenden Absatz- und Umsatzzahlen auf dem chinesischen Markt.“ Ähnliches gelte für die USA, betont Harms: „Ohne das Wachstum in China und den USA stünden Deutschlands Top-Unternehmen heute deutlich schlechter da.“

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