Wiesbaden (5.1.15) – Seit Monaten sinken die Ölpreise – diese Entwicklung betrifft besonders die Einnahmen der ölexportierenden Länder, so auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Denn trotz einer zunehmenden Diversifizierung stammen zwei Drittel der Exporteinnahmen der VAE immer noch aus Erdöl- und Gaserlösen. „Sollten die Preise auf diesem niedrigen Niveau bleiben, könnte der Staatshaushalt in die Defizitzone rutschen“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Direktor des belgischen Kreditversicherers Credimundi. Auch das Wirtschaftswachstum schwächt sich voraussichtlich ab, nachdem es zwischen 2011 und 2013 noch einen soliden Jahresdurchschnittswert in Höhe von fünf Prozent erreichte. Dank hoher Überschüsse im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz haben die VAE in den letzten Jahren jedoch ein großes Vermögen aufgebaut, etwa in Form bedeutender Staatsfonds. Zudem verfügt das Land über eine gute Liquidität. So decken die Devisenreserven rund sechs Monatsimporte ab. Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Entwicklung durch eine anhaltende politische Stabilität begünstigt wird. Als die Turbulenzen seit Anfang 2011 die Region Naher Osten und Nordafrika erfassten, blieb die politische Lage in den VAE weitgehend stabil. Sie profitierten dadurch von Kapitalzuflüssen und einem Aufschwung im Tourismus, Immobiliensektor und Gastgewerbe. Aufgrund der Popularität der Herrscherfamilien, welche die Bevölkerung am Ölreichtum teilhaben lassen, kommt darüber hinaus keine wirkliche Opposition zustande.

Diversifizierungsbemühungen sollen Abhängigkeit vom Erdöl verringern

Die Abhängigkeit von den Öl- und Gaseinnahmen ist nach wie vor hoch. „Eine Diversifizierung der Einnahmenquellen ist daher von hoher Bedeutung, damit die schwankenden internationalen Ölpreise das Land nicht mehr so stark treffen“, so Witte. So hat der jüngste Einbruch der Ölpreise erneut gezeigt, wie volatil die Entwicklung an den Weltenergiemärkten sein kann. Die Rohölpreise sind nach einer langjährigen stabilen Entwicklung zwischen Juni und Dezember dieses Jahres um fast die Hälfte eingebrochen. Zudem sind die internationalen Ölpreise mittlerweile unter das Breakeven-Niveau für den Staatshaushalt und die Leistungsbilanz der VAE gefallen. Dennoch sind sie weniger vom Öl- und Gassektor abhängig als andere ölexportierende Länder der MENA-Region. So haben die anhaltenden Diversifizierungsbemühungen dazu geführt, dass sich das Land inzwischen zu einem bedeutenden regionalen Dienstleistungszentrum entwickelt hat – mit Schwerpunkten in den Bereichen Transport, Logistik, Finanzen und Tourismus.

Credimundi stuft das politische Risiko der Vereinigten Arabischen Emirate als niedrig ein (2 auf einer Skala von 1 bis 7), das Geschäftsrisiko wird als mäßig hoch bewertet (B auf einer Skala von A bis C).