Berlin (13.1.15) – Der deutsche Mittelstand ist hervorragend kapitalisiert: Mit einer Eigenkapitalquote von 22,3 Prozent im Mittel wird ein neuer Rekordwert erreicht. Die Steigerung des Eigenkapitals ist dabei in allen Betriebskategorien erfolgt. Auch Kleinunternehmen mit einer Umsatzgröße unter einer Million Euro verfügen mit 17,2 Prozent über ein solides Eigenkapitalpolster.
Zu diesen Ergebnissen kommt die heute in Berlin vorgestellte Studie „Diagnose Mittelstand 2015“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, für die die Bilanzdaten mittelständischer Unternehmen ausgewertet wurden.
Trotz einer hervorragenden Ausstattung mit Eigenkapital halten sich die Unternehmen aber bei den Investitionen zurück. Nur noch knapp 16 Prozent der Sparkassen-Experten geben an, dass ihre Kunden mehr Investitionsmittel abfragen. 45,8 Prozent der Firmenkunden aus dem Mittelstand haben weniger Investitionsmittel abgerufen als im Vorjahr. Über die Hälfte der Unternehmen investiert, um Maschinen und Anlagen zu ersetzen. Nur noch 19,7 Prozent der Firmen investiert, um zu expandieren. Das ist der niedrigste Wert seit 2010.
Die hauptsächlichen Gründe für die Zurückhaltung bei Investitionen sehen die Sparkassen-Experten in der Unsicherheit durch geopolitische Krisen und die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Euro-Zone. Schon jetzt ist die Umsatzrentabilität der mittelständischen Unternehmen rückläufig: 2013 betrug der Wert 6,4 Prozent nach 7,7 Prozent im Vorjahr.
Die Hoffnung, dass die außerordentlich guten Finanzierungs-bedingungen zu einem Investitionsschub führen, habe sich bisher leider nicht erfüllt, so DSGV-Präsident Georg Fahrenschon bei der Vorstellung der Studie heute in Berlin. „Niedrige Zinsen und immer mehr billiges Geld können allein keinen Investitionsaufschwung bewirken. Deswegen braucht die Euro-Zone auch keine weitere Ausweitung der Bilanz der Europäischen Zentralbank über den breit gestreuten Ankauf von Staatsanleihen“, sagte Fahrenschon. Stattdessen seien der Abbau von Schulden sowie Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in den einzelnen Euro-Ländern erforderlich. Fahrenschon: „Nur so kann das dringend notwendige Vertrauen der Unternehmer in die Leistungsfähigkeit Europas wieder gestärkt werden.“ Abermals gestiegen sind die Personalkosten der mittelständischen Unternehmen: Die höheren Tarifabschlüsse führten zu einer Steigerung der Personalaufwandsquote um 1,2 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent in der Trendrechnung für 2013.
Die 14. Auflage der Sparkassen-Studie „Diagnose Mittelstand“ zeigt, dass trotz der Zurückhaltung bei Investitionen und der verringerten Rentabilität viele mittelständische Unternehmen ihre Wachstums-chancen für 2015 optimistisch einschätzen. 65,8 Prozent der befragten Sparkassen-Berater für Firmenkunden sehen die aktuelle Lage der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr unverändert. 16 Prozent der Experten sehen sogar eine Verbesserung der Situation ihrer Geschäftspartner für das Jahr 2014. In der Summe halten die Experten der 416 deutschen Sparkassen ein Wirtschaftswachstum für 2015 von bis zu 1,5 Prozent für möglich.
Grundlage für die „Diagnose Mittelstand“ ist mit über 250.000 Bilanzen pro Jahr die größte derartige Sammlung von Jahresabschlüssen in Deutschland. Die Analyse der Sparkassen-Finanzgruppe gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Mittelstands. Ergänzt wird die Bilanzdatensammlung durch eine Expertenbefragung in den Sparkassen. Hierfür wurden im Oktober 2014 die Firmenkundenberater aller Sparkassen um ihre Bewertung der Geschäftslage mittelständischer Unternehmen gebeten.

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