Bern (15.1.15) – Das hat die Finanzwelt überrascht. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat völlig überraschend den Mindestkurs des Franken von 1, 20 zum Euro aufgehoben, damit heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst und Fachleute in Grübeln gebracht.
Wie etwa Dirk Aufderheide, Chief Currency Strategist Active der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM):
„Das ist ein überraschender Schritt der SNB. Die Zentralbank hat erkennen müssen, wie schwer es ist eine solche Marke zu halten und nun das Ende mit Schrecken statt den Schrecken ohne Ende gewählt. Denn die SNB ist schon seit langem einer der größten Eurokäufer und hat das Geld unter anderem in Euro-Staatsanleihen investiert. Angesichts der zu erwartenden EZB-Politik hätte die SNB das zu stark zunehmenden Preisrisiken der Währungsreserven fortsetzen müssen. Sie hätte aber auch eine sanftere Abkehr wählen können, etwa über eine Bindung an einen Währungskorb. Der völlige und abrupte Rückzug erscheint aktuell kontraproduktiv für die EZB.“
„Es ist auch ein Befreiungsschlag der SNB. Sie kann sich nun wieder auf ihr geldpolitisches Mandat und die Makroökonomie konzentrieren.“
„Die Frage ist nun, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Der strake Ölpreisverfall zusammen mit `flash crash`-Aufwertung des Franken birgt eine sehr große Deflationsgefahr. Die Schweizer Unternehmen verlieren stark an Wettbewerbsfähigkeit. Und in der Finanzindustrie könnte es einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt haben. Auf das Vertrauen in Zentralbanken eine Anlagestrategie aufzubauen, ist hochproblematisch. Und natürlich stellt sich nun die Frage: Wie vertrauenswürdig sind Zentralbanken?“
Sören Hettler, Devisenanalyst der DZ BANK meint: SNB gibt zur Begründung des Schrittes an, dass sich die Gegebenheiten seit Einführung deutlich verändert hätten und der Franken insgesamt nur noch „hoch bewertet“ ist – vor allem aufgrund des stärkeren Dollars.
Dies dürfte nur die halbe Wahrheit sein. So hat der Druck auf die EUR-CHF-Untergrenze in den letzten Wochen aufgrund der fortgesetzten Euro-Schwäche zugenommen und die Notwendigkeit von weiteren Interventionen von Seiten der SNB verschärft,
Die Schweizer Währungshüter scheinen demnach die Reißleine gezogen zu haben, bevor ihre Kollegen in Frankfurt ein breit angelegtes Staatsanleiheankaufprogramm auf die Beine stellen, könnte diese doch den Euro-Abwertungsdruck verstärken. Es bestand die Gefahr, dass die SNB immer weiter intervenieren muss und einen Devisenberg anhäuft, den sie kaum hätte abtragen können.
Die bislang gute Reputation der SNB dürfte durch den jüngsten Schritt erheblichen Schaden genommen haben.
In den nächsten Tagen und Wochen sollte der EUR-CHF-Kurs unter Druck bleiben und das aktuelle Niveau halten oder sogar unterschreiten.
Keith Pilbeam, Professor für Finanzwissenschaften an City University: London (15.1.15) – Nach dem Anstieg des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro, prognostiziert Prof. Keith Pilbeam „enorme Verluste“ für die Händler. Lesen Sie seine Kommentare, die Sie gerne zitieren dürfen: „Dies ist eine sehr bedeutende Entwicklung und viele Investoren werden große Verluste machen, von denen einige echte Schwierigkeiten bereiten werden.“
„Einen Tag wie heute haben wir im Devisenmarkt seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen, und viele Menschen sind völlig überrascht worden.“
„Einige könnten große Gewinne machen, aber andere, wie Hedge-Fonds-Investoren, könnten sehr hohe Verluste machen und gezwungen sein, Vermögenswerte zu verkaufen.“
„Kurzfristig wird es erhebliche Störungen der Finanzmärkte geben und in den nächsten Tagen erwarten uns weitere Turbulenzen.“
„Auf längere Sicht könnte es signifikante Veränderungen in der Wahrnehmung der internationalen Märkte geben.“

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