Düsseldorf (20.1.15) – Das Aktienjahr 2015 könnte bereits jetzt unter der Prämisse stehen: „Risiko bedeutet, dass mehr Dinge geschehen können, als am Schluss passieren werden“ (E. Dimson). Anleger sollten folglich bei ihren Entscheidungen alle denkbaren Eventualitäten berücksichtigen. Diese alle konkret zu benennen, ist eine rein philosophische Diskussion. Denn es sind ausgerechnet die im Vorfeld unwahrscheinlichsten Szenarien, die auf das Endergebnis die größten Auswirkungen haben.
Wenngleich die positive Stellungnahme von Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zum umstrittenen Anleihekaufprogramm (OMT) der Europäischen Zentralbank (EZB) einige Leitplanken aufzeigt, so bleibt es dabei: die Notenbanken nehmen heute eine besondere, dominierende und auch sehr gefährliche Rolle ein. Von der amerikanischen FED über die britische BoE und die japanische BoJ bis hin zur europäischen EZB besitzen diese Institutionen mittlerweile eine Machtfülle, die sowohl von Investoren als auch von Politikern dankbar angenommen wird.
Über die Jahre hat sich nun jedoch bei vielen Marktteilnehmern eine starke Gewöhnung an die unkonventionellen Maßnahmen der Notenbanken eingeschlichen. Dementsprechend gab es in der Vergangenheit vor allem eine simpel anmutende und erfolgversprechende Anlagestrategie: Kaufen, sobald sich neue Probleme abzeichnen und die Kurse fallen – die nächsten Aktionen der Notenbanken werden es schon richten! Selbst die ökonomisch waghalsigsten Risiken gingen am Ende meist in satten Kursgewinnen auf und zogen die Gesamtheit der Märkte immer weiter nach oben – gemäß dem Prinzip ‚Investieren mit Netz und doppeltem Boden‘.
Das Spiel ist noch nicht ausgereizt
Doch wird diese Devise auch in 2015 zum Anlageerfolg führen? Vieles deutet darauf hin, dass das Spiel noch nicht ausgereizt ist. Noch sind keine Anzeichen einer kurz vor dem Platzen stehenden Blase auszumachen. Durch die vergleichsweise vorhersehbaren Auswirkungen der Notenbankpolitik könnte in den kommenden Quartalen die Saat für weitere Auswüchse an den Kapitalmärkten gelegt werden. Denn wenn sich Anleger ihrer Sache relativ sicher sind, sind sie oftmals bereit, mit enormen Summen zu wetten – selbst wenn der Gewinn ohne zusätzlichen Hebel zunächst klein erscheint. Damit erwächst ein ‚Fehlverhalten‘ der Notenbanken für 2015 zu einem großen Risikofaktor für Investoren. Alle Verantwortlichen sind sich der potenziellen Folgen eines Kurswechsels bewusst – was einen ebensolchen wiederum unwahrscheinlicher werden lässt.
Deswegen empfehlen wir vorsichtigen Optimismus als Grundstrategie für Aktieninvestments in 2015. Die realwirtschaftliche Umgebung ist solide, das globale Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich bei rund 3,5 Prozent liegen und ein Abrutschen in die Rezession dürfte selbst die noch immer schwächelnde Eurozone abwenden können. Für europäische Unternehmen sollte der niedrige Euro zusätzlichen Rückenwind bieten. Der mehr als halbierte Ölpreis ist zudem mit einem riesigen Konjunkturprogramm gleichzusetzen.
Konstruktives Umfeld für US- und Growth-Aktien
Die USA haben wieder zu alter Stärke gefunden. Daraus leitet sich auch die derzeit hohe Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes ab. Das Niveau darf im Vergleich zur eigenen Historie als anspruchsvoll bezeichnet werden. Dennoch finden wir im Rahmen globaler Portfolios noch viele interessante Titel, sodass auch in 2015 der US-amerikanische Aktienmarkt einen wichtigen Bestandteil international diversifizierter Portfolios ausmachen sollte.
Bei vielen Value-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) jenseits von 20 sind in den kommenden Jahren nur sehr bescheidene Kapitalrenditen zu erwarten. Daher sollten im Jahresverlauf tendenziell Umschichtungen im Aktienportfolio von teuren Qualitätstiteln hin zu günstigeren Alternativen vorgenommen werden – auch wenn dies psychologisch kein einfaches Unterfangen ist.
Viel Überraschungspotential bei Rohstoff- und Schwellenländeraktien
Im Hinblick auf Branchen gibt es derzeit kaum klare Favoriten. Für risikofreudigere Investoren und als Portfolioergänzung erscheinen uns jedoch Aktien aus dem Rohstoffbereich für eine positive Überraschung in 2015 bestens positioniert zu sein: Der Sektor notiert nach einer längeren Schwächephase rund 40 Prozent unter den Höchstständen aus dem Jahr 2011; hauptsächlich, weil die Rohstoffpreise in den letzten Monaten stark gefallen sind. Allerdings wurden auf Unternehmensseite Überangebote reduziert und Effizienzprogramme zur Kostenreduzierung umgesetzt. Man darf nicht außer Acht lassen, dass das Gros der Firmen trotz widriger Umstände durchweg profitabel gewirtschaftet hat. Die Bewertungen sind hierdurch auf ein attraktives Niveau gefallen, was sich etwa in einem für 2015 erwarteten KGV von 11,9 und einer Dividendenrendite von 3,9 Prozent widerspiegelt.
Die hohe Rohstoffabhängigkeit ist ein wesentlicher Grund für die niedrigen Bewertungen einiger Schwellenländer. Das verzerrt den Blick auf reichlich vorhandene Investmentchancen. Ein durchschnittliches KGV von 13 in den aufstrebenden Ländern – im Vergleich dazu beträgt das KGV beim MSCI World 19 – verspricht gute Aussichten. Anleger sollten jedoch auf eine ausgewogene Allokation hinsichtlich Länder- und Branchenrisiken achten.
Netz und doppelten Boden gibt es nur im Zirkus
Neben ‚Fehlverhalten‘ der Notenbanken sind Störfeuer im neuen Jahr hauptsächlich durch eine weitere Eskalation geopolitischer Krisen oder durch Fiskalprobleme in manchen Ländern zu erwarten. Zwischenzeitlichen Kursrückgängen sollte man jedoch konstruktiv gegenüberstehen und diese für Umschichtungen oder mögliche Neukäufe nutzen.
Die Ausgangssituation an den Märkten – insbesondere mit Blick auf die Aktivitäten der Notenbanken – darf nicht als Freifahrtschein für beliebig riskante Investments in 2015 (miss)verstanden werden. Netz und doppelter Boden finden sich weiterhin nur im Zirkus. Dennoch bietet sich für Aktien derzeit ein nicht zu unterschätzendes Umfeld. Die Bäume müssen nicht immer gleich in den Himmel wachsen, aber attraktive Renditen sind in 2015 fast nur noch von Dividendenpapieren zu erwarten. Vielleicht das Hauptrisiko im kommenden Jahr hinsichtlich einer aktienfreundlichen Positionierung: diese Entwicklung wird von vielen Marktteilnehmern erwartet. Und wenn alle Investoren in die gleiche Richtung schauen, lehrt uns die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie eine gewisse Vorsichtshaltung einzunehmen. Da diese Überzeugung in den Anlegerdepots aber eher zögerlich umgesetzt wird, sollte noch entsprechend Raum für steigende Kurse vorhanden sein – zumal die Bewertungen in der Breite als fair eingestuft werden können und das Zinsumfeld kurstreibende Aktienrückkäufe und Firmenübernahmen weiter stützen sollte.
Von Walter Sommer, Geschäftsführender Gesellschafter von GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner
Über GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner
GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner ist einer der traditionsreichsten und größten unabhängigen, inhabergeführten Vermögensverwalter in Deutschland. Gegründet im Jahr 1986, verwaltet das Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitern heute ein Vermögen von insgesamt ca. 1,8 Mrd. €. Am Stammsitz Düsseldorf werden vermögende Privatkunden in klassischer Vermögensverwaltung sowie institutionelle Kunden betreut, die Fonds des Unternehmens werden in Luxemburg verwaltet. Um dem Ansatz eines langfristig-orientierten und risikobewussten Vermögensmanagements Rechnung zu tragen, bietet GS&P Grossbötzl, Schmitz und Partner seinen Kunden nur eine fokussierte Produktpalette in den Anlageklassen Aktien, Renten sowie Geldmarktprodukte an und verzichtet vollständig auf komplizierte bzw. unverständliche Finanzprodukte.

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