20012015_TROTTIER Laurent_Amundi_Foto_AmundiFrankfurt/Main (20.1.15)/PK – Vor Jahren gab’s nur Ökofonds-Anteile, inzwischen hat sich das Angebot sozial-ökologischer Geldanlage-Formen enorm aufgefächert, hat sich verästelt und verfeinert. Wem es bei seiner Geldanlage vor allem darum geht, den klimaschädlichen C02-Ausstoß einzudämmen oder vielleicht sogar zu mindern, dem bietet der – eigenen Angaben zufolge –  größte Vermögensverwalter Europas,  Amundi, seit einiger Zeit vielversprechende Angebote. Wie sie aussehen, hat Laurent Trottier, Global Head of Index Management & Smart Beta ( Foto: Amundi) heute in Frankfurt erläutert.

Amundi hat im Vorfeld der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Paris, bei der ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen als Nachfolge des Kyoto-Protokolls verhandelt werden soll, einen Vorstoß zur Dekarbonisierung bzw. zur klimafreundlichen Ausgestaltung von Portfolios gestartet. Dazu zählt neben der Verpflichtung, im Rahmen der Portfolio Decarbonization Coalition bis Ende 2015 100 Milliarden US-Dollar an Anlagegeldern zusammen mit Partnern CO2-effizient zu gestalten, die Entwicklung klimafreund-licher Investmentlösungen. Nachdem die klimafreundliche Ausgestaltung von Aktienportfolios den Auftakt bildete, folgten kürzlich auch entsprechend ausgerichtete Rentenstrategien.

Klimawandel wird an den Börsen vermehrt als finanzielles Risiko wahrgenommen

„Inzwischen setzt sich auch an den Kapitalmärkten die Erkenntnis durch, dass der Klimawandel neben ökologischen und gesellschaftlichen auch erhebliche finanzielle Risiken birgt“, erklärt Laurent Trottier, Global Head of Index Management & Smart Beta. „Investoren haben folglich dem CO2-Ausstoß von Un-ternehmen sowie deren Klimastrategien mehr Aufmerksamkeit zu schenken und solche Parameter in die Bewertungsmodelle einfließen zu lassen.“ Firmen, die viele Treibhausgase ausstoßen und über keine Strategien zu deren Reduktion verfügen, erleiden irgendwann Ertragseinbußen. Ihre Aktien werden lang-fristig schlechter abschneiden, so die Argumentation. Gebremst wurde die Berücksichtigung von Klimarisiken bisher durch drei Faktoren: Erstens materialisie-ren sich Klimarisiken über längere Zeiträume, während die Anlagemanager eher eine kurz- bis mittelfristi-ge Perspektive haben. Zweitens erfordert die Berücksichtigung dieser Risiken eine umfangreiche Experti-se und drittens gab es bisher kaum skalierbare Anlagelösungen, die den Ansprüchen einer großen Zahl von Investoren gerecht werden. So ist es beispielsweise für professionelle Investoren in der Regel weder attraktiv noch möglich, CO2-intensive Branchen völlig außen vor zu lassen, da dies eine erhebliche Ab-weichung zu den gängigen Vergleichsindizes mit sich bringt, an denen die Manager letztlich gemessen werden.

Klimafreundliche Investments versprechen eine Free Option

„Investoren wünschen sich mit Blick auf die bisher oft schleppend verlaufenden Klimaverhandlungen folg-lich Anlagelösungen, die ein Plus bringen, wenn neue Klimaziele festgeschrieben werden und der CO2-Ausstoß teurer wird“, so Trottier weiter. Andererseits sollte die Strategie auch kurz- und mittelfristig keine Nachteile nach sich ziehen, wenn der Verhandlungsdurchbruch doch noch länger auf sich warten lässt oder in geringerem Ausmaß vorangetrieben wird. Anlegern, die diese Free Option nutzen möchten, bietet Amundi sowohl neue Indexstrategien an, als auch die Möglichkeit, durch Umschichtungen bestehende Portfolios zu dekarbonisieren.

Absicherung gegen Klimarisiken im Fokus

Im Vergleich zu traditionellen Ökofonds, die beispielsweise in Clean-Tech-Aktien investieren oder uner-wünschte Branchen und Praktiken ausschließen bzw. umweltfreundliche Sektoren übergewichten, ver-folgt die neue Strategie das Ziel, sich gegen Klimarisiken abzusichern.

Lancierung der MSCI Low Carbon Leaders Indexfamilie

Um die Bedürfnisse der Investoren direkt einfließen zu lassen, haben Amundi, der schwedische Pensi-onsfonds AP4, der französische Fonds de Réserve pour les Retraites (FRR) und der Indexanbieter MSCI bei der Entwicklung neuer passiver Investmentstrategien zusammengearbeitet. Im Fokus standen dabei die Ziele, die Anlagestrategie mit Hilfe von Indexinvestments effizient klimafreundlicher auszurichten und die Anlagen gegen Klimarisiken abzusichern, ohne eine erhebliche Abweichung zu klassischen ver-gleichbaren Benchmarks zu riskieren. Das heißt, die neue globale MSCI Low Carbon Leaders Indexfami-lie kombiniert die Reduktion des CO2-Exposures mit einem geringen Tracking Error. Amundi verfügt über eine Lizenz, Produkte auf diese Indizes zu entwickeln.

Kombination aus geringem CO2-Exposure und niedrigem Tracking Error

Erstmals konzentriert sich die neue Indexfamilie an zwei wesentlichen Klima-Risikofaktoren: dem CO2-Ausstoß und den so genannten Stranded Assets1. Als CO2-intensive Aktien gelten folglich sowohl Titel mit hohen Treibhausgasemissionen als auch Papiere, deren Notierung stark von der Bewertung ihrer fossilen Rohstoffreserven abhängig ist. Diese Titel sind bei strengeren Umweltauflagen bzw. neuen Um-weltsteuern am stärksten betroffen.

Mindestens 50 Prozent geringere CO2-Emissionen und Intensität fossiler Rohstoffreserven

Die einzelnen Low Carbon Leader Indizes bieten für verschiedene Anlagerationen die Möglichkeit, die CO2-Emissionen und die Intensität hinsichtlich der fossilen Rohstoffreserven in den Unternehmensbilan-zen mindestens zu halbieren. Trotz der eher längerfristigen Ausrichtung der Low Carbon Strategien ha-ben diese bisher eine leicht bessere Wertentwicklung als ihre traditionellen Indizes gebracht.