(24.1.15) – Um gleich den richtigen Akzent zu setzen: Wie lange kann und will sich die Bundesregierung die dezidierte Misswirtschaft in Euroland gefallen lassen? Wie lange muss man noch ertragen, wie gegen Verträge – von Maastricht angefangen – und gegen die guten Sitten in der Finanzwirtschaft einer Reihe europäischer Staaten verstoßen wird? Wie lange brüskiert Berlin noch Weisheit und Wissenschaft seiner Intelligenz in deutschen Instituten und Universitäten, die stets den richtigen Rat parat hatten und haben? Wie lange will die Bundesregierung noch gegen die Interessen des eigenen Landes verstoßen? Wie lange müssen deutsche und andere rechtschaffene Europäer zusehen, welche Schindluderei mit der gemeinsamen europäischen Währung getrieben wird und der Teufel schlapp vorangetriebener Umstrukturierungen in einem Dutzend Ländern mit den Belzebuben erheuchelter Hilfspakete und nun auch einer halsbrecherischen „Geldschwemme“ vertrieben wird.
Soll doch niemand behaupten: Deutschland profitiert vom Euro, von der Misswirtschaft, die mit der gemeinsamen Währung nach wie vor und zunehmend krasser getrieben wird. Die Exporte laufen wegen des brillanten Angebots so und so.
1,2 Billionen Euro locker zu machen unter dem Vorwand auf diese Weise Wachstum anzustoßen, ist Öl in ein verzehrendes Feuer staatlicher Misswirtschaften zu schütten, für deren Verluste dann jene herangezogen werden, die mit Treu und Glauben ihre Währung, ihre Zentralbank, ihre Stabilitätspolitik dem vermeintlichen Gemeinwohl im Aufbau Europas aufgegeben haben und nun mit dem Steueraufkommen drin hängen. Andere waren nur daran interessiert, den nach dem verlorenen Krieg mühsam erarbeiteten Wettbewerbsvorteil der Bundesrepublik abzuschöpfen. Merkwürdigerweise hat der 2. Weltkrieg auch einen Betrag dieser oben genannten Größenordnung gekostet. Und dummerweise hat es Berlin in den vergangenen Jahren nicht verstanden, haltbare Koalitionen zu knüpfen in Sachen EZB, Geldwertsicherung und Wirtschaftswachstum. Schmusekurs hilft da nicht weiter, macht sogar lächerlich.
Wie in allen europäischen Auseinandersetzungen der vergangenen 100 Jahren hatte Deutschland wegen oft schlechter Führung niemals die richtigen Verbündeten. Es fehlt stets an diplomatischer Reife unserer Staatslenker, während andere Länder auch Kriege verloren haben, letztlich aber am Tisch der Sieger saßen. Da sind die Romanen einfach Spitze.
Glücksfall: Da bekommt Deutschland von Russland die Wiedervereinigung geschenkt. Das hätte für hundertjährige Freundschaft und mehr ausgereicht. Aber nein, da muss in der Ukraine herumgebohrt werden, um diesen Staat in die EU zu lotsen. Jetzt hat die Ukraine ihren Bürgerkrieg und es geht in der Welt deswegen der Katzenjammer um: Das haben wir nicht gewollt. Es ist aber das Ergebnis falscher strategischer Überlegungen. Die neuerdings formulierten, halbherzigen Angebote für eine riesige Wirtschaftszone vom Atlantik bis zum Pazifik sind bisher nur Luftrederei.
Gewollt haben alle auch nicht die Eurokrise, die durchaus nicht überwunden ist sondern nur mit Papiergeld vorläufig zugedeckt wird. Solides Haushalten wird nicht nur vernachlässigt sondern lächerlich gemacht. Es wird allerhöchste Zeit, dass Mario Draghi abgelöst wird. Er hat sich um Europa nicht verdient gemacht, auch wenn die Börsianer jubilieren, weil einmal mehr eine groß angelegte Umverteilung von unten nach oben stattfindet. Das haben die unverwüstliche Frau Nahles und ihre genossen noch gar nicht gemerkt. Ihr Staatssekretär Jörg Asmussen kann es ihr, wenn nötig, verdeutschen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte einmal in Davos gesagt: Der Euro hat einen Geburtsfehler. Da müsste man also Korrekturen vornehmen, die aus Fehlentscheidungen schon in den 90er Jahren resultieren. Aber als Allererstes muss nun ein Deutscher an die Spitze der Europäischen Zentralbank gesetzt werden! Der tapfere Jens Weidmann ist gefordert. Asmussen muss für das Finanzministerium reserviert bleiben. Auf den „Neuen“ wartet die Herkulesarbeit, die 1,2 Billionen Euro wieder zügig einzusammeln. Viel Glück dabei!
Christoph Wehnelt

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