Düsseldorf (16.2.15) – Vor knapp einem Monat hatte die Schweizer Nationalbank (SNB) den seit September 2011 geltenden Mindestkurs von 1,20 CHF gegenüber dem Euro aufgehoben. Der erste Gedanke vieler Beobachter und Anleger im Moment der Ankündigung war, dass die gewichtige Schweizer Exportindustrie dramatische Rückgänge zu erwarten hat. Allerdings lohnt sich ein genauerer Blick – denn es gibt positive Seiten eines starken Frankens. Durch die Folgen der SNB-Entscheidung stimmen bei vielen Schweizer Firmen ihre prognostizierten Erfolgsrechnungen der näheren Zukunft nicht mehr. Gerade für Unternehmen, die einen Großteil ihres Ertrages in Euro erwirtschaften, jedoch in Franken berichten, bedeutet die Entscheidung der SNB eine zusätzliche Belastung. Vor der Aufkündigung des Euro-Mindestkurses konnten die Unternehmen für jeden außerhalb der Schweiz erwirtschafteten Euro beständig mit circa 1,20 CHF rechnen und somit ihr Exportmodell entsprechend steuern. Aktuell notiert der Euro bei circa 1,06 CHF. Die Folge: Durch den gestiegenen Franken müssen eidgenössische Unternehmen derzeit einen Minderertrag von knapp 14% für den im EU-Ausland erwirtschafteten Umsatz hinnehmen.
Geringeren Erträgen stehen geringere Kosten gegenüber
Was von vielen Marktteilnehmern leicht übersehen wird: Viele Unternehmen dürften sich gegen Wechselkursrisiken im Vorfeld abgesichert haben. Zudem muss berücksichtigt werden, in welcher Höhe die Kostenseite in Euro belastet wird. In CHF fallen dann weniger Kosten an, was für Schweizer Unternehmen von Vorteil ist.
Die ersten Reaktionen der Anleger auf den sogenannten Franken-Schock zeigten: Viele Marktteilnehmer reagierten impulsiv, indem Schweizer Aktienwerte blind verkauft wurden. Doch je mehr die Investoren sich mit dem Thema beschäftigten und auf den Zusammenhang zwischen entstehenden Kosten und dem prognostizierten Ertrag auf der Euro-Seite stießen, desto merklicher stiegen in den vergangenen Tagen die Kurse vieler Schweizer Aktien wieder an.
Nestlé: Frankenaufwertung ohne signifikante Auswirkungen
Ein gutes Beispiel ist die Nestlé-Aktie. 98,4% der Erlöse des Unternehmens fallen außerhalb des Schweizer Währungsraumes an. Auf der Kostenseite sieht es allerdings ähnlich aus. Die Auswirkungen des Franken-Schocks auf die Ertragslage des Unternehmens summieren sich daher auf +/- 0. Die Aktie ist jedoch am 15. und 16. Januar um knapp 9% gefallen. Eine selten günstige Kaufgelegenheit. Heute notiert die Aktie fast wieder auf dem Stand vor der Ankündigung der SNB.
Schweizer Aktien bieten attraktive Dividendenrendite
Für die eidgenössischen Unternehmen sind die jüngsten Wechselkursschwankungen zwar ein Risiko. Allerdings werden Schweizer Firmen aufgrund des weiter gesunkenen Zinsniveaus in der Lage sein, sich günstiger als bisher zu refinanzieren – eine Entlastung auf der Kostenseite und damit eine Chance. Für Anleger heißt das, vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsniveaus verstärkt auf Dividendenrenditen zu achten. Diese sind gerade bei Schweizer Aktien attraktiv: Nimmt man die jüngst prognostizierten Ausschüttungen für die kommende Dividendensaison als Grundlage, so errechnet sich im SMI eine Rendite von 3,4%. Damit liegt der Schweizer Index deutlich vor den meisten anderen internationalen Indizes arrivierter Industrieländer.
Markt hat fairen Wert für Franken erarbeitet
Eines ist klar: Anleger dürfen sich nicht durch eine einseitige Sicht auf die Folgen des Franken-Schocks verunsichern lassen. Wer die Situation der Schweizer Unternehmen genauer analysiert, erkennt mögliche positive Seiten der SNB-Entscheidung. Der Markt hat sich nach den drastischen Wechselkursschwankungen inzwischen den fairen Wert für den Schweizer Franken erarbeitet. Sollten also in Zukunft keine weiteren Eskapaden der SNB folgen, finden Anleger bei Schweizer Aktien nach wie vor viel Wert und somit interessante Investments. Für uns stehen bei den Eidgenossen insbesondere Werte aus dem Bereich der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wie Nestlé oder Syngenta im Fokus.
Von Walter Sommer, Geschäftsführender Gesellschafter von GS&P Grossbötzl, Schmitz & Partner

Stay In Touch