Frankfurt/Main (19.2.15)/PK – Wenn es doch nur so einfach wäre. Verließe Griechenland die Eurozone und kehrte zur Drachme zurück, fielen über Nacht die Preise in Griechenland, das Elend der Griechen wüchse. Zumindest vorübergehend. Aber der durch den Ausstieg aus der Euro-Zone ausgelöste Preisverfall lockte Touristen an. Statt an der türkischen Riviera, erholten sich Urlauber an den Stränden griechischer Inseln. Nach eins, zwei Jahren hätte sich Griechenland vom Euro-Drachmen-Schock erholt. Und die Wirtschaft wüchse wieder. Wenn, ja, wenn alles so liefe wie es hartgesottene Marktwirtschafts-Ökonomen vom Schlage des Hans-Werner Sinn vorhersagen. Doch eine Garantie gibt es nicht. Denn ökonomische Gesetze, denen sich der Münchener Finanzwissenschaftler mit ostwestfälischen Wurzeln mit Haut und Haar verschrieben hat, wirken nicht wie Naturgesetze. Es kann auch immer schiefgehen.

Wollte eigentlich Biologie studieren, entschied sich dann aber für ein Studium der Volkswirtschaftslehre: Ifo-Präsident Professor Hans-Werner Sinn am Mittwochabend als Gast des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten – Foto: PK
An einem Ausscheren Griechenlands aus der Euro-Zone komme man jedenfalls nicht vorbei. Davon ist der Präsident des Münchener Ifo-Instituts überzeugt. Und diese Überzeugung spielt er nicht nur, sondern er lebt sie. Auch am Mittwochabend, als er zu Gast im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten war. Eines war ihm wichtig: „Nicht dass sie mich mißverstehen. Ich möchte keinen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone. Doch sie ist nötig.“ Nötig, damit Griechenlands Wirtschaft wieder halbwegs wettbewerbsfähig werden könne. Der Ausstieg aus der Euro-Zone solle, so orakelte Sinn, auch mit einer Option zur Rückkehr in die Euro-Zone verbunden sein. Für die Zeit des Drachme-Interregnums sollte man der griechischen Notenbank einen Sitz im EZB-Rat einräumen. Freilich ohne Stimmrecht.
Für Sinn steht fest: Nach der Staatspleite im Jahr 2012 stehe Griechenland nun vor dem 2. Konkurs. Bei den derzeitigen Verhandlungen gehe es nur noch um die Höhe des zu erwartenden Schadens. Im schlimmsten Fall, so ergaben Berechnungen des Ifo-Instituts, im schlimmsten Fall kämen bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone allein auf Deutschland knapp 80 Milliarden Euro an Belastungen zu. Getragen von den Steuernzahlern.
Dass Griechenland aus der Euro-Zone austreten werde, steht für Sinn fest. Freilich wisse er nicht, wann genau. Dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone folgte wegen der engen Verflechtung auch Zypern. Eine Kettenreaktion, geschweige denn ein Zerfall der Euro-Zone sei allerdings nicht zu befürchten.
An Griechenland seien in den zurückliegenden Jahren rund 250 Milliarden Euro geflossen, daher sei der immer wiederholte Vorwurf, Griechenland werde ausgetrocknet, völlig falsch. In welche Kanäle die Riesenmenge Geldes versickerte, ließ Sinn allerdings offen.
Sinn gilt als einer der profiliertesten Ökonomen Deutschlands. Bei den politisch Linken steht er als eingefleischter Marktbekenner eher rechts, den Ordoliberalen gilt er als links. Offenbar sitzt Sinn zwischen allen Stühlen. Das hätte sich der in Bielefeld Geborene alles ersparen können, hätte er sich seinerzeit dafür entschieden, Biologie statt Volkswirtschaft zu studieren. Denn Biologie fand er seinerzeit als Studienfach viel attraktiver. „Doch dann hätte ich nur Lehrer werden können. Und das wäre mir zu langweilig gewesen,“ räumte der Wirtschaftsprofessor mit dem markanten Kinn- und Backenbart ein. (Den Bart trägt er seit Studentenzeiten.)

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