Frankfurt/Main (20.2.15) – Die Volksbanken und Raiffeisenbanken bleiben ein begehrter Geschäftspartner für Anleger und Kreditnehmer: Die Kundeneinlagen sind insgesamt auf 147,6 Mrd. Euro (+2,9 %) gewachsen. Das Kreditvolumen liegt bei 119 Mrd. Euro (+4,4 %). Dieses Wachstum zeugt von einem erneut dynamischen Kundengeschäft – deutlich über der Entwicklung im Gesamtmarkt. Das Plus bei den Kundenkrediten von 5 Mrd. Euro konnte aus dem Einlagenzuwachs von 4,2 Mrd. Euro finanziert werden. Die Bilanzsumme im 13 Bundesländer umfassenden Verbandsgebiet legte um 3 % auf 197,2 Mrd. Euro zu. Nach 12 Fusionen stieg der Bilanzsummendurchschnitt der 287 Kreditgenossenschaften um 7,8 % auf 690 Mio. Euro.

„Die Verdopplung des Fusionstempos gegenüber 2013 dokumentiert einerseits den wachsenden Druck auf die Erträge durch die Niedrigzinspolitik der EZB und andererseits die Kosten der anhaltenden Regulierungswelle. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken können diese Herausforderungen nur durch ein fortgesetztes Wachstum im Kundengeschäft mit Kostendisziplin und konsequentem Risikomanagement bewältigen“, kommentierte Verbandspräsident Michael Bockelmann.

„Bittere Wahrheit: Sparen lohnt nicht mehr.“

Vor allem im Kreditgeschäft sieht Bockelmann die Chance für angemessene Margen. Die Entwicklung im Jahr 2014 hat den Trend zu langfristigen Finanzierungen bestätigt. Deren Anteil am Kreditvolumen liegt inzwischen bei 85,4 % (+0,3%). 2006 hatte dieser Wert noch 81 % betragen. Bei den Einlagen hält der Trend zu kurzfristigen Kundengeldern unvermindert an. Die Zuwächse konzentrieren sich allein auf diese Gelder, während Spar- und Termineinlagen rückläufig sind. Die täglich fälligen Sichteinlagen wuchsen um 8 %. Bei einem Volumen von 88 Mrd. Euro liegt ihr Strukturanteil an den Einlagen jetzt bei 59,6 %. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt besonders deutlich den Umbruch im Verhalten der Sparer: 2006 lag der Anteil bei nur 36 %. „Die bittere Wahrheit angesichts einer EZB-Zinspolitik auf dem Rücken der Verbraucher lautet: Sparen lohnt nicht mehr. Mit allen Konsequenzen für die Altersvorsorge in einer älter werdenden Gesellschaft“, unterstrich der Verbandspräsident. Der Vermögensaufbau durch weitgehend risikoloses Sparen sei nicht mehr möglich.

Betriebsergebnis nahezu konstant

Die anhaltende Niedrigzinsphase schlägt auch auf das Betriebsergebnis der Volksbanken und Raiffeisenbanken durch. Bockelmann: „Für unsere Banken wie auch Finanzdienstleister in anderen Branchen bedeutet es eine immer größere Herausforderung, die Gelder ihrer Kunden so anzulegen, dass sie sicher sind und zugleich Erträge erwirtschaftet werden.“ Für 2014 erwartet der Verband einen Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung auf 1,07 % der durchschnittlichen Bilanzsumme (dBS). In absoluten Zahlen entspricht das einem Minus von 54 Mio. Euro. Damit bleibt das ordentliche Betriebsergebnis praktisch konstant bei 2,1 Mrd. Euro.

Mitgliederzuwachs als Vertrauensbeweis

Bockelmann setzt sich für einen Verbraucherschutz mit Augenmaß ein. Maßstab für alle Regulierungen zum Verbraucherschutz müsse sein, dass sie dem Wohl des Kunden wirklich dienten. Bockelmann fordert eine praxisnahe Reform: „Kunden sollten selbst entscheiden können, ob sie ein Beratungsprotokoll wollen. Der Gesetzgeber sollte auf die Mündigkeit der Bürger setzen.“ In diesem Zusammenhand sei bei den Kreditgenossenschaften auch der ungebrochene Zustrom an Mitgliedern zu sehen. 2014 habe im Verbandsgebiet erneut ein Plus von über 81.000 (+2,0 %) auf mehr als 4,2 Mio. Mitglieder gebracht. „Wenn immer mehr Kunden Mitglied werden wollen, dann ist das nicht zuletzt ein Zeichen für eine intakte Beratung und Betreuung. Dass so viele Menschen an `ihrer´ genossenschaftlichen Bank teilhaben wollen, zeigt, wie groß das Vertrauen ist und wie stark das Bedürfnis nach einem persönlichen Ansprechpartner.“

„Bei uns hat die Dienstleistung ein Gesicht.“

Der Genossenschaftsverband arbeitet mit den Partnern in der FinanzGruppe an strategischen Projekten für den Markt. Bockelmann verwies als Beispiel auf die wachsende Bedeutung des Mobile Banking. Die genossenschaftliche Beratung in der Bankfiliale werde aber ein wesentlicher Strategie-Bestandteil bleiben. Auch im digitalen Zeitalter setzten die Volksbanken und Raiffeisenbanken auf die Filialen als Stätten der Begegnung und auf Menschen, denen die Kunden vertrauen. „Wir werden nie ein anonymer Abwickler von Finanztransaktionen sein. Bei uns hat die Dienstleistung ein Gesicht.“