Frankfurt/Main (19.3.15)/PK – Ob Sparkassen oder die genossenschaftlich organisierten Sparda-Banken: Der Tenor ist derzeit bei beiden Gruppen der gleiche. Nach einem guten Jahr 2014 drohen schwierigere Zeiten. Joachim Wuermeling, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken, nannte auf der Jahres-PK dafür drei Gründe, die irgendwie bekannt waren. „Die Erträge sinken wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen.“ Zum anderen stiegen die Kosten durch höhere Eigenkapitalforderungen und die gesetzliche Regulierung. Und schließlich erfordere die Digitalisierung des Bankgeschäfts gewaltige Innovationen.

Jahres-PK des Verbandes der Sparda-Banken. Im Hintergrund: Joachim Wuermeling, Vorstands-Vorsitzender (Mitte), flankiert von Isabelle Drexler und Vorstand Uwe Sterz – Im Vordergrund: Kaffee-Kanne und Erfrischungsgetränke, um Journalisten bei Laune zu halten. – Foto: PK
Georg Fahrenschon, der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, hatte eine Woche zuvor fast die gleichen Worte für die gleichen Sorgen gewählt, die die Sparkassen derzeit plagen. Auch wenn die Gene beider Bankengruppen, hier der Sparda-Banken, dort der Sparkassen, unterschiedlich sind, ihre Geschäftsmodelle ähneln sich so sehr, dass folglich auch ihre Probleme (fast) die gleichen sind.
So gilt, ähnlich wie für Deutschlands Sparkassen, auch für die zwölf dem Verband der Sparda-Banken angeschlossenen Häusern die Nähe zum Kunden als Herzstück des Geschäftsmodells, eines Modells, das sich in zurückliegenden Jahren nachweislich bewährt hat. Folglich urteilt Sparda-Banken-Verbands-Chef Wuermeling zwar nicht überschwänglich, aber mit einem sehr zufriedenen Unterton: „Die Sparda-Banken haben im vergangenen Jahr ihre Erfolgsgeschichte fortge-schrieben. Trotz des schwierigen Umfelds ist es uns gelungen, unsere Marktstellung zu behaupten.“ Und weiter: „Die guten Ergebnisse bestärken uns in unserer Strategie. Wir bekennen uns zum Konzept der Direktbank mit Filialnetz. Unsere Kunden messen der persönlichen Beratung weiterhin einen hohen Wert bei. Digital ist nicht immer ideal. Unser Filialnetz ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler unseres Geschäftsmodells. Wir arbeiten zudem an einer Omnikanal-Strategie, mit der wir den Genossenschaftsgedanken vollständig in die digitale Welt übertragen. Damit sind wir für die Zukunft gut gerüstet“, so Wuermeling.
Steigendes Kreditgeschäft
Die Sparda-Banken haben ihr Kreditgeschäft im vergangenen Geschäftsjahr weiter ausgebaut. Das Kreditvolumen wuchs um 1,6 Mrd. EUR bzw. 4,1 Prozent auf 40,3 Mrd. EUR. Der Aufwärtstrend bei den Kundeneinlagen hält ebenfalls an. Das Einlagenvolumen nahm um 2,3 Mrd. EUR bzw. 4,3 Prozent auf 56,4 Mrd. EUR zu. „Dies zeigt, dass Kunden die Sicherheit und die attraktiven Konditionen unseres Geschäftsmodells schätzen“, so Wuermeling. Aufgrund der Zuwächse bei Krediten und Einlagen verlängerte sich die Bilanzsumme um 2,6 Mrd. EUR auf 66 Mrd. EUR, ein Anstieg von 4,1 Prozent. Dabei sind die Sparda-Banken nicht nur als Gruppe gewachsen, sondern jede einzelne Sparda-Bank hat bei Bilanzsumme, Kundenkrediten und –einlagen zugelegt.
Aktion „Deutschlands Herzschlag“
Mit der Aktion “Deutschlands Herzschlag“ unterstützten die Sparda-Banken und STERN Online gemeinnützige Vereine mit Sachspenden. Herzschlag erfüllte Wünsche, überreichte aber kein Geld.Die Bewerbungsphase lief bis zum 31. Januar 2015. Bewerben konnten sich Vereine, die :
•sich sozial engagieren
•mindestens ein halbes Jahr bestehen
•ihre Gemeinnützigkeit nachweisen können
•ausschließlich in Deutschland wirken
Für die ausgewählten Vereine gab es neben der materiellen Hilfe, auch etwas, das mitunter sogar wichtiger ist: nämlich bundesweite Öffentlichkeit. Was dabei herauskam, zeigt die Aktionsseite „Deutschlands Herzschlag“ (www.stern.de/herzschlag).
Der Zinsüberschuss kletterte um 5 Prozent auf 1,07 Mrd. EUR, was angesichts des Niedrigzinsumfelds als Erfolg gewertet werden kann. Das Provisionsergebnis stieg um 4,1 Prozent auf 189,0 Mio. EUR. Der Zuwachs reflektiert vor allem das Wachstum bei der Vermittlung von Fonds und Versicherungen. Die Verwaltungskosten erhöhten sich um 4,6 Prozent auf 820 Mio. EUR. Der Anstieg beruht zu einem wesentlichen Teil auf den verschärften regulatorischen Anforderungen. Unter dem Strich erzielten die zwölf Sparda-Banken einen Jahresüberschuss nach Steuern von 147,6 Mio. EUR, eine Verbesserung um 2,7 Prozent.
3,55 Millionen Mitglieder
Im vergangenen Jahr hat die Bankengruppe netto weitere 55.500 Mitglieder ge-wonnen. Insgesamt zählen die Sparda-Banken per Ende 2014 rund 3,55 Mio. Mit-glieder. Die Omnikanal-Strategie spricht vor allem die jüngere Generation an, die als „Digital Natives“ besonders affin für digitale Kanäle sind. Die Zahl der Geschäftsstellen ist mit 433 unverändert. Die Mitarbeiterzahl ist um 34 auf 6.525 gestiegen. Beide Zahlen unterstreichen das Bekenntnis zum Filialnetz.
Zweistelliges Wachstum mit Fonds
Das Vermittlungsgeschäft entwickelte sich im vergangenen Jahr unter dem Strich positiv: Das vermittelte Bausparvolumen verminderte sich um 5,5 Prozent auf 2,47 Mrd. EUR. Allerdings war das vorangegangene Bausparjahr aufgrund von Tarifumstellungen für die Branche auch ein Rekordjahr. Demgegenüber wuchs das Volumen der vermittelten Fonds an den Kooperationspartner Union Investment um 13,8 Prozent auf 1,18 Mrd. EUR. Dem Partner DEVK wurde ein Versicherungsvolumen von 900,0 Mio. EUR vermittelt. Das entspricht einer Steigerung um 2,3 Prozent.
Belastung durch Regulierung
Sorge bereiten den Sparda-Banken weiterhin die regulatorischen Anforderungen. Allein auf nationaler Ebene gilt es, in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 18 regulatorische Maßnahmen umzusetzen. Das wird die Erfolgsrechnung der Sparda-Banken abermals belasten.
Auch die indirekte Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) macht den Sparda-Banken zu schaffen. „Unser Geschäftsmodell wird nicht individuell beurteilt, sondern Regeln für Großbanken werden eins zu eins auf kleine und mittlere Banken übertragen“, sagt Wuermeling. „Wir brauchen dringend einen Dialog. Denn bis jetzt gibt es keinen Ort, kein Gremium und keine Zeit für die indirekt beaufsichtigten Banken, um mit den Aufsehern der EZB über ihre spezifische Lage sprechen zu können“, betont Wuermeling. Die Sparda-Banken fordern eine Mittelstandspolitik für kleine und mittlere Banken, die mit Geringfügigkeitsgrenzen, Schwellenwerten und Ausnahmeregelungen diese Institute unterstützt.
Ausblick
Das neue Geschäftsjahr ist für die Gruppe der Sparda-Banken gut angelaufen. Kreditgeschäft und Einlagenvolumen sind in den ersten beiden Monaten des Jahres gestiegen.
„Unser Geschäftsmodell ist stimmig. Dank der richtigen Balance zwischen Investi-tionen und Kostendisziplin blicken wir zuversichtlich auf 2015. Wir halten an unseren Prinzipien fest: Das Girokonto bleibt kostenlos und Negativzinsen werden wei-terhin kein Thema sein“, sagt Wuermeling.

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