Frankfurt/Main (31.3.15) – Volkswagen konnte auch im vergangenen Jahr den Titel des Umsatzweltmeisters verteidigen: Der Wolfsburger Konzern setzte im vergangenen Jahr 202,5 Milliarden Euro um – drei Prozent mehr als im Vorjahr. Erzrivale Toyota ist ihm aber dicht auf den Fersen: Der japanische Konzern konnte den Umsatz um sieben Prozent auf umgerechnet 188 Milliarden Euro steigern und den Abstand zu Volkswagen so von 21 auf 14 Milliarden Euro verkürzen.
Beflügelt vom schwachen Yen konnten gerade die japanischen Autokonzerne ihre Umsätze im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark – insgesamt um acht Prozent – steigern. Die weltweit stärksten Zuwachsraten verzeichneten mit Mazda (plus 13 Prozent) und Nissan (plus elf Prozent) zwei japanische Autobauer.
Den stärksten Gewinnanstieg schaffte hingegen ein deutscher Autokonzern: Daimler steigerte den operativen Gewinn um 42 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Generell waren die deutschen Autobauer im vergangenen Jahr überaus erfolgreich unterwegs: Zusammen schafften Volkswagen, Daimler und BMW ein Umsatzplus von sechs Prozent. Ihr gesamter Gewinn (EBIT) stieg sogar um 20 Prozent auf 32,6 Milliarden Euro – im Schnitt stiegen die operativen Gewinne der 16 weltweit größten Autohersteller im vergangenen Jahr um vier Prozent –, während fünf der 16 Unternehmen sogar Gewinneinbußen hinnehmen mussten. Den höchsten Gewinn erwirtschaftete wie schon im Vorjahr Toyota (18,0 Milliarden Euro; Vorjahr: 17,3 Milliarden Euro), gefolgt von den drei deutschen Herstellern Volkswagen (12,7 Milliarden Euro), Daimler (10,8 Milliarden Euro) und BMW (9,1 Milliarden Euro).
Beim Absatzwachstum hatten die deutschen Hersteller die Nase vorn: Volkswagen (plus fünf Prozent), BMW (plus 8 Prozent) und Daimler (plus zehn Prozent) legten insgesamt um sechs Prozent zu und wuchsen damit stärker als die beiden französischen Autokonzerne (plus vier Prozent) und die japanischen und US-Hersteller (jeweils plus 3 Prozent). Der weltweite Pkw-Absatz stieg im vergangenen Jahr laut Branchenverband OICA um knapp 4 Prozent.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.
„Die deutschen Autokonzerne waren im vergangenen Jahr gut unterwegs: Sie legten bei Umsatz, Gewinn und Absatz überdurchschnittlich stark zu und profitierten dabei vor allem vom starken Wachstum in China, aber auch von der Erholung auf dem europäischen Markt“, kommentiert Peter Fuß, Partner bei EY. „Im neuen Jahr dürften die deutschen Konzerne aber beim Absatzwachstum kleinere Brötchen backen. Am Aufschwung des US-Marktes konnten sie schon in den vergangenen Jahren nur unterdurchschnittlich partizipieren, und in China deutet sich eine Abschwächung des Wachstums an. Immerhin kommt der westeuropäische Automarkt wieder in Gang. Zudem bringt die Euro-Schwäche positive Währungseffekte mit sich: Umsätze und Gewinne der deutschen Autobauer werden daher voraussichtlich im neuen Jahr abermals zulegen.“
BMW bleibt profitabelster Autokonzern der Welt
Wie schon im Vorjahr war BMW auch 2014 der profitabelste Autokonzern der Welt: Mit einer EBIT-Marge von 11,3 Prozent (Vorjahr: 10,5 Prozent) lag der bayerische Autokonzern deutlich vor Toyota (9,6 Prozent; Vorjahr: 9,8 Prozent) und Hyundai (8,5 Prozent; Vorjahr: 9,5 Prozent).
Auch die beiden anderen deutschen Autokonzerne konnten ihre operative Marge erhöhen: Volkswagen von 5,9 auf 6,3 Prozent und Daimler von 6,4 auf 8,3 Prozent. „Die deutschen Autobauer konnten im vergangenen Jahr die Früchte der Kostensenkungsmaßnahmen und einer breiten Modelloffensive ernten. Besonders bemerkenswert: Die Unternehmen haben nicht bei den Zukunftsinvestitionen gespart. Im Gegenteil: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen im Jahr 2014 um 6,5 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro“, betont Fuß.
Von den Margen der deutschen Autokonzerne können die französischen und – trotz des Booms auf dem Heimatmarkt – auch die US-amerikanischen Autobauer nur träumen: PSA und Renault rwirtschafteten zusammen eine operative EBIT-Marge von 2,6 Prozent. Ford, Fiat Chrysler und General Motors kamen auf eine gemeinsame EBIT-Marge von 2,7 Prozent. Und während der operative Gewinn der deutschen Autobauer im Gesamtjahr bei insgesamt 32,6 Milliarden Euro lag, erzielten die US-Hersteller zusammen nur ein EBIT von 9,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn der beiden französischen Autokonzerne lag bei 2,4 Milliarden Euro.
Und auch 2015 stehen die Zeichen gerade für die deutschen Autokonzerne auf Wachstum – dank billigem Öl und schwachem Euro: „Der relativ niedrige Ölpreis wirkt in vielen wichtigen Märkten wie ein Konjunkturprogramm und kurbelt dort die Nachfrage nach Neuwagen an“, sagt Fuß. Der schwache Euro biete zudem den Unternehmen aus dem Euroraum die Chance auf höhere Umsätze und steigende Marktanteile: „In diesem Jahr werden gerade die deutschen Autobauer mit ihrem hohen Auslandsanteil spürbar von positiven Währungseffekten profitieren – im Ausland erzielte Umsätze und Gewinne werden bei Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung aufgewertet. Zudem macht der gesunkene Euro deutsche Autos im Ausland günstiger, was den Verkauf ankurbeln dürfte.“
Deutsche profitierten 2014 vom Wachstum in Europa und dem Boom in China
Nach einer langen Durststrecke ging es im vergangenen Jahr auch in Westeuropa wieder aufwärts: Der Gesamtmarkt wuchs um fünf Prozent, das Wachstum der deutschen Autokonzerne lag ebenfalls bei fünf Prozent.
„Der westeuropäische Markt hat im vergangenen Jahr die Kurve gekriegt und bietet der Autobranche endlich wieder Wachstumsmöglichkeiten. Die deutschen Autokonzerne haben in den vergangenen Krisenjahren massiv Marktanteile in Europa gewonnen und dürften von der Erholung des europäischen Neuwagenmarktes in den kommenden Jahren überdurchschnittlich stark profitieren“, erwartet Fuß.
Schwach entwickelt sich hingegen Osteuropa, vor allem die Absatzkrise in Russland wird zunehmend zu einem ernsten Problem für die Autokonzerne, die in den vergangenen Jahren Milliarden in neue Werke in Russland investiert haben. „Die optimistischen Wachstumsprognosen für den russischen Markt sind hinfällig. Aus dem bis vor Kurzem noch vielversprechenden Wachstumsmarkt ist ein Krisenfall geworden. Dort bleibt nur, den Schaden zu begrenzen und auf bessere Zeiten zu hoffen“, kommentiert Fuß die Entwicklung.
Haupttreiber des weltweiten Absatzwachstums war auch im vergangenen Jahr wieder China: Die 16 analysierten Autokonzerne schafften in China ein Absatzplus von insgesamt 13 Prozent – die deutschen Autobauer legten sogar um 16 Prozent zu.
China: Wachstumstempo nimmt ab
China war in den vergangenen Jahren der wichtigste Wachstumstreiber der deutschen Autokonzerne. Im vergangenen Jahr entfielen 32 Prozent des weltweiten Absatzes von Volkswagen, BMW und Daimler auf das Reich der Mitte – 2013 waren es 30 Prozent, vor fünf Jahren sogar nur 18 Prozent. Zum Vergleich: Die US-Autohersteller verkauften im vergangenen Jahr 23 Prozent ihrer Fahrzeuge in China, bei den japanischen Herstellern liegt der Anteil Chinas am Gesamtabsatz sogar nur bei zwölf Prozent.
Besonders wichtig ist das bevölkerungsreichste Land der Erde für Volkswagen – der Wolfsburger Konzern verkauft in China 35 Prozent seiner Fahrzeuge. Deutlich niedriger liegt der Anteil bei BMW (22 Prozent) und Daimler (15 Prozent).
„Bislang war China eine Erfolgsgeschichte für die deutschen Autobauer – einen großen Teil ihres weltweiten Wachstums haben sie diesem einen Markt zu verdanken“, betont Fuß. Allerdings habe das massive Absatzwachstum in China auch eine Kehrseite: „Mit der steigenden Bedeutung des chinesischen Marktes für die deutschen Autokonzerne nimmt auch ihre Abhängigkeit von diesem durchaus schwierigen und risikobehafteten Markt zu. Denn auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Die Margen sinken, der Konkurrenzkampf wird intensiver. Zudem ist China selbstbewusst geworden und will die eigene Automobilindustrie voranbringen. Die Behörden achten darauf, dass die ausländischen Hersteller nicht übermächtig werden.“
Vor allem aber mehren sich die Zeichen, dass sich das Wachstum verlangsamt und zweistellige Zuwachsraten der Vergangenheit angehören könnten. So ist der chinesische Automarkt verhalten ins neue Jahr gestartet: Im Januar und Februar legten die Pkw-Verkäufe in China um 8,7 Prozent zu – im Vorjahr war der Markt im gleichen Zeitraum noch um 11,3 Prozent gewachsen. Die deutschen Autobauer steigerten ihren Absatz im bisherigen Jahresverlauf sogar nur um vier Prozent und wuchsen damit deutlicher weniger stark als der chinesische Gesamtmarkt.
Trotz eines möglichen Dämpfers in China betont Fuß: „Der chinesische Markt wird für die deutsche Automobilindustrie auch in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber bleiben. Die deutschen Autobauer haben gut daran getan, in den vergangenen Jahren die Weichen in Richtung Fernost zu stellen. Sie haben erhebliche Investitionen in China getätigt und weitere angekündigt. Denn China bleibt ein Wachstumsmarkt – auch bei gedrosseltem Tempo.“

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