F&C Investments: Europa der große Gewinner einer Euro/US-Dollar-Parität

Frankfurt/Main (23.4.15) – Im folgenden Interview kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft F&C Investments und Co-Fondsmanager des F&C Euro Macro Global Bond Fund, die bevorstehende Euro/US-Dollar-Parität.

Innerhalb von zwölf Monaten ist der Euro von 1,39 US-Dollar auf mittlerweile 1,07 US-Dollar abgestürzt. Sie rechnen in naher Zukunft sogar mit der Euro/US-Dollar-Parität. Wer profitiert von dieser Entwicklung am stärksten?

Bell: „Die anhaltende Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar ist ein Gewinn für Europa: Die Beschäftigten profitieren, da der schwache Euro ihre Arbeitsplätze sichert, die Anleger profitieren, da ihre Vermögenswerte steigen, und die Regierungen profitieren, weil der schwache Euro ihnen Rückenwind gibt, um Reformen umzusetzen. Das Erreichen der Euro/US-Dollar-Parität bewerte ich aber nur noch als einen wichtigen symbolischen Anlass, der für Schlagzeilen sorgt. Die viel wichtigere fundamentale Entwicklung hat schon lange vorher begonnen. Sollte die US-Notenbank Federal Reserve beginnen, die Zinsen anzuheben, wird der Euro weiter fallen.“

 Und wie wirkt sich der schwache Euro auf die internationalen Kapitalmärkte aus?

Bell: „Der schwache Euro hat nicht nur die Kurse am europäischen Aktienmarkt nach oben getrieben, sondern auch die extrem niedrigen europäischen Zinssätze in den Rest der Welt exportiert.“

 Welche Risiken sind mit einem schwachen Euro verbunden?

Bell: „Meiner Meinung nach sind die Risiken eines schwachen Euros aus volkswirtschaftlicher Sicht vernachlässigbar: Europa muss dringend für mehr Wachstum sorgen; die Inflation ist außerordentlich gering. Die Schwäche des Euro hat nicht etwa zu einem Vertrauensverlust gegenüber europäischen Vermögenswerten geführt – ganz im Gegenteil.“

Wo sehen Sie den fairen Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar?

Bell: „Unter dem Aspekt der Wettbewerbsfähigkeit erscheint der Euro als günstig bewertet. Allerdings sind relative Preise nur eine der Messgrößen, die betrachtet werden müssen. Im Hinblick auf die relativen Zinssätze ist der Euro teuer: Warum sollten Anleger einen negativen Euro-Zinssatz in Kauf nehmen, wenn sie leicht einen über Null liegenden US-Zinssatz plus die Wahrscheinlichkeit einer weiteren US-Dollar-Aufwertung haben können? Meine Antwort als Investor lautet, dass wir in unserem F&C Euro Macro Global Bond Fund schon seit geraumer Zeit eine Hedge-Strategie gegen einen schwachen Euro fahren. Diese hat seit dem vergangenen Sommer rund 20 Prozent der Fonds-Assets ausgemacht, und seit Jahresbeginn haben wir diesen Anteil nochmals auf ein Drittel erhöht.“