Frankfurt/Main (23.4.15) – Dem deutschen Mittelstand steht ein erheblicher Generationswechsel bevor. Gut ein Drittel der Inhaber mittelständischer Firmen ist 55 Jahre oder älter. Mit dem Näherrücken des Ruhestandsalters stellt sich die Frage nach dem Fortbestand des Unternehmens. Wie KfW Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels jetzt erstmalig ermittelte, planen bis zum Jahr 2017 die Chefs von rund 580.000 mittelständischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. Das ist jeder sechste Mittelständler in Deutschland. Etwa 4 Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab.
Bei den Nachfolgeplanungen besteht eine leichte Präferenz für
familieninterne Lösungen. Laut KfW Research wollen derzeit 9 % der
kleinen und mittleren Unternehmen die Nachfolge innerhalb der Familie
organisieren, 7 % der Alteigentümer suchen extern. Hier kommen etwa
ein Verkauf an einen Mitarbeiter, ein anderes Unternehmen oder einen
Finanzinvestor in Frage. Betroffen vom anstehenden Generationswechsel
sind alle Segmente der mittelständischen Wirtschaft. Besonders häufig
bestehen Übergabepläne im Sonstigen Verarbeitenden Gewerbe – das sind
z. B. Unternehmen des Ernährungs- oder Holzgewerbes sowie Hersteller
von Metallerzeugnissen.
Nachfolgeplanungen dürften auch in Zukunft ein Top-Thema in den
Chefetagen des Mittelstands bleiben, denn dort kommt der
demografische Wandel im Zeitraffer an. Seit 2002 ist der Anteil der
über 55-Jährigen Unternehmensinhaber um 16 Prozentpunkte auf 36 %
gestiegen, in der Gesamtbevölkerung legte diese Altersgruppe um nur
vier Prozentpunkte auf 38 % zu. Das steigende Inhaberalter kommt
allerdings nicht erst zum Zeitpunkt der Nachfolgeplanung zum Tragen.
Bereits Jahre zuvor hat der Alterungsprozess erhebliche Folgen: Laut
KfW-Analyse ziehen sich Unternehmenschefs mit steigendem Alter sowohl
aus Investitionen als auch aus Innovationstätigkeit zurück. Von den
über 60-jährigen investieren nur noch 37 %, lediglich 38 % führen
Innovationen ein. Zum Vergleich: Bei den unter 40-jährigen
Unternehmenschefs liegt der Anteil bei 57 % bzw. 46 %.
Der Rückzug aus Investitionen und Innovationen verstärkt sich, wenn
kein geeigneter oder interessierter interner Nachfolger bereit steht.
Die Unternehmen werden nicht weiterentwickelt, die
Wettbewerbsfähigkeit leidet – der Wert des Unternehmens und seine
Chancen, erfolgreich am Markt zu bleiben, sinken. Bei
familieninternen Übergabeplanungen fällt das Investitionsverhalten
hingegen merklich engagierter aus.
„Der demografische Wandel wird die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen
Mittelstands mittelfristig stark beeinflussen, denn er bremst sowohl
Investitionen als auch Innovationen“, sagt Dr. Jörg Zeuner. „Wir
müssen jetzt gegensteuern und Anreize setzen, um langfristige Folgen
abzufedern!“ Eine Möglichkeit sei, die Investitionsbereitschaft
älterer Unternehmer zu stimulieren, z. B. indem sie an der Rendite
von Investitionen auch nach dem Eintritt in den Ruhestand beteiligt
werden. „Grundsätzlich wichtig ist es, dass ein Unternehmer seine
Nachfolge frühzeitig regelt. Besonders bei externen Nachfolgern sehen
wir aber einen kritischen Engpass. Deutschland fehlt der
Unternehmernachwuchs. Eine stärkere Vermittlung von ökonomischer
Bildung und Unternehmerkompetenzen wären ein wesentlicher Baustein.
Auch der Weg zur Gründung muss weiter erleichtert werden, damit wir
das vorhandene Potenzial mobilisieren.“ so Zeuner weiter.
Die vollständige Studie von KfW Research zum Thema „Demografischer
Wandel im Mittelstand“ sowie weiteres Pressematerial (u. a. Videos,
Fotos, Grafiken) finden Sie unter: www.kfw.de/demografie.
Quelle: KfW

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