Frankfurt/Main (27.4.15)/PK – Bauern können offenbar auch gut rechnen. Denn selbst von den extrem niedrigen Zinsen, zu denen die Landwirtschaftliche Rentenbank ihre Kredite derzeit bereitstellt, lassen sich vorsichtige Landwirte nicht zu falschen Investitionen verleiten. Stimmen die Markbedingungen nicht, machen Bauern einen weiten Bogen um die Billig-Kredite der Rentenbank. Daher hält der Vorstandssprecher der Rentenbank, Horst Reinhard, den Ball flach und erwartet für 2015 „einen Rückgang“ bei den Programmkrediten der Rentenbank. Unter ihren Programmkrediten bündelt die öffentlich rechtliche Rentenbank alle ihre verbilligten Kredite, mit denen sie den Landwirten, sofern sie es denn wollen, hilft. Bereits im vergangenen Jahr gingen Deutschlands Bauern auf Nummer sicher. Wegen der niedrigen Agrarpreise, vor allem wegen gesunkener Milchpreise, investierten Bauern 2014 weniger ins klassische Geschäft. Daran dürfte sich nichts ändern.

Bitte alle einmal kurz ins Ipad lächeln: Horst Reinhardt, Vorstandssprecher der Rentenbank (stehend), rechts neben ihm Vorstandsmitglied Imke Ettori und Hans Bernhardt (3.v.r.). Das Bild entstand kurz vor Beginn der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main. – Foto: PK
Die Rentenbank wird hingegen vermutlich schon bald Neuland betreten. Denn wegen des extrem niedrigen Zinsniveaus besorgt sie sich bereits seit längerem am Kapitalmarkt Mittel, die bei Laufzeiten bis zu acht Jahren keine Zinsen mehr abwerfen, sondern „Negativ-Zinsen“ kosten. Das bedeutet, dass die Rentenbank, dank ihrer brillianten Bonität, am Kapitalmarkt Gelder aufnehmen kann und dafür keine Zinsen zahlen muss, sondern noch welche erhält. Dieser verrückte, durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verursachte Zustand, wird wahrscheinlich schon bald dazu führen, dass die Rentenbank ihrerseits Kredite mit „Negativ-Zins“ bereitstellen wird. „In Abstimmung mit den anderen Förderbanken sowie den Hausbanken bereiten wir uns ….darauf vor, auch negative Zinssätze in unserem Fördergeschäft einzuführen,“ kündigte Rentenbank-Chef Horst Reinhardt vielversprechend an. In den Genuß von „Negativ-Zinsen“ werden freilich nur die Hausbanken kommen, über die die Rentenbank ihre Kredite bereitstellt. Ob Bauern als „Endkunden“ auch in den Genuß von „Negativ-Zinsen“ kommen werden, erwartet Rentenbank-Chef Reinhardt hingegen nicht. Aber immerhin dürften die Zinsen der Rentenbank-Kredite unter die Marke von ein Prozent fallen: so tief wie noch nie.
Beim Blick auf 2014 sprach Rentenbank-Vorstandssprecher Reinhardt von einem erfolgreichen Jahr. In der Pressemitteilung der Bank heißt es dann weiter: „Im vergangenen Jahr erreichten wir mit 6,9 Mrd. Euro Neuzusagen bei unseren Programmkrediten fast den Förderrekord des Vorjahres“, so Horst Reinhardt, Vorstandssprecher der Rentenbank.
Im ersten Quartal 2015 lag das Neugeschäft bei den Programmkrediten mit 1,5 Mrd. Euro um 5,1 % über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Im Emissionsgeschäft konnte die Rentenbank mit 5,0 Mrd. Euro in den ersten drei Monaten schon fast die Hälfte ihres Mittelbedarfs für 2015 decken.
Programmkredite 2014: Windkraftfinanzierungen deutlich gestiegen
Die Entwicklung auf den Agrarmärkten führte 2014 trotz niedriger Zinsen zu einer rückläufigen Investitionstätigkeit in der Landwirtschaft. Als Folge sank die Nachfrage nach Programmkrediten der Rentenbank in den Fördersparten „Landwirtschaft“ und „Ländliche Entwicklung“. Dagegen stiegen die Neuzusagen in der Sparte „Erneuerbare Energien“. Mit insgesamt 6,9 Mrd. Euro (Vorjahr: 7,2 Mrd. Euro) erreichte die Rentenbank beim Neugeschäft mit ihren zinsgünstigen Programmkrediten fast das Rekordniveau des Vorjahres.
Die Förderfinanzierungen der Rentenbank für Investitionen in erneuerbare Energien stiegen kräftig auf 2,0 Mrd. Euro (1,6 Mrd. Euro). Schwerpunkt in dieser Sparte war die Finanzierung von Windkraftanlagen mit einem Anstieg auf 1,4 Mrd. Euro (0,8 Mrd. Euro). Darin sind Zusagen in Höhe von 0,8 Mrd. Euro (0,3 Mrd. Euro) im Rahmen des Förderprogramms „Bürger- und Bauernwindparks“ enthalten.
In der Fördersparte „Landwirtschaft“ finanzierte die Rentenbank schwerpunktmäßig klassische landwirtschaftliche Investitionen. Insgesamt sagte die Bank 2014 dafür 2,7 Mrd. Euro (2,8 Mrd. Euro) zu. Davon entfielen 1,1 Mrd. Euro (1,2 Mrd. Euro) auf Programmkredite zu besonders günstigen Konditionen, die u. a. von Junglandwirten in Anspruch genommen werden können. Für Gebäude, insbesondere Stallbauten, stellte die Bank 1,3 Mrd. Euro (1,5 Mrd. Euro) bereit, für Maschineninvestitionen 634,6 Mio. Euro (577,0 Mio. Euro) und für Flächenkäufe 625,1 Mio. Euro (571,4 Mio. Euro).
Darüber hinaus fördert die Rentenbank auch die ländliche Entwicklung, hauptsächlich durch die Finanzierung von kommunalen Infrastrukturmaßnahmen. Insgesamt sagte die Bank dafür 1,6 Mrd. Euro (2,1 Mrd. Euro) über ihre Programme „Räumliche Strukturmaßnahmen“, „Leben auf dem Land“ und im Rahmen von Globalrefinanzierungsvereinbarungen mit den Förderbanken der Bundesländer zu.
Emissionsgeschäft 2014: Banken erneut wichtigste Investorengruppe
Zur Refinanzierung ihres Fördergeschäfts nahm die Rentenbank im Berichtsjahr mittel- und langfristige Kapitalmarktmittel in Höhe von 10,9 Mrd. Euro (10,2 Mrd. Euro) an in- und ausländischen Kapitalmärkten auf. 48 % (46 %) des Mittelaufkommens entfielen auf Banken, für die die bankaufsichtsrechtliche Nullgewichtung der Rentenbank-Emissionen besonders wichtig ist. Daneben spielen Zentralbanken und andere offizielle Stellen eine bedeutende Rolle bei der Refinanzierung der Bank. Ihr Anteil erreichte mit 31 % nahezu den Vorjahreswert (33 %).
Der US-Dollar löste mit einem Anteil von 41 % (28 %) den Euro als wichtigste Emissionswährung ab, der 27 % (34 %) zum Mittelaufkommen beitrug. Den dritten Rang nahm mit 14 % (24 %) erneut der Australische Dollar (AUD) ein. Die Rentenbank war im „Kangaroo“-Markt mit einem ausstehenden Volumen von 11,6 Mrd. AUD am Jahresende die drittgrößte ausländische Emittentin.
Anteil der Programmkredite in der Bilanz weiter gestiegen
Die Bilanzsumme (HGB) stieg 2014 um 2,3 % auf 80,1 Mrd. Euro (78,3 Mrd. Euro). Da die Rentenbank ihre Kredite grundsätzlich wettbewerbsneutral über andere Banken vergibt, fielen auf der Aktivseite der Bilanz die Forderungen an Kreditinstitute mit 51,5 Mrd. Euro (50,0 Mrd. Euro) bzw. einem Anteil von 64,3 % (63,9 %) besonders ins Gewicht. Der Anteil der Programmkredite in der Bilanz stieg weiter, da das Neugeschäft die Fälligkeiten überstieg. Sie valutierten am Jahresende 2014 mit 36,9 Mrd. Euro (33,8 Mrd. Euro).
Das verbriefte Fördergeschäft, das in der Bilanz in der Position „Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere“ enthalten ist, betrug 19,0 Mrd. Euro (19,2 Mrd. Euro). Der Wertpapierbestand lag am Jahresende 2014 bei 20,2 Mrd. Euro (20,3 Mrd. Euro).
Auf der Passivseite der Bilanz bildeten die verbrieften Verbindlichkeiten mit 65,8 Mrd. Euro (61,4 Mrd. Euro) den größten Einzelposten. Darin waren Medium Term Notes in Höhe von 47,3 Mrd. Euro (46,4 Mrd. Euro) enthalten, 12,7 Mrd. Euro (11,0 Mrd. Euro) an Globalanleihen und 5,7 Mrd. Euro (4,0 Mrd. Euro) an Commercial Papers.
Die Eigenmittel (HGB) wuchsen in der Bilanz 2014 auf 4,3 Mrd. Euro (4,1 Mrd. Euro). Davon entfielen 2,6 Mrd. Euro (2,4 Mrd. Euro) auf den Fonds für allgemeine Bankrisiken.
Gewinnverwendung 2014: Bilanzgewinn für Förderzwecke
Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertung (HGB) erreichte 2014 242,7 Mio. Euro (248,7 Mio. Euro) und lag damit leicht unter dem Vorjahreswert. Dies war im Wesentlichen auf gestiegene Verwaltungsaufwendungen im Zuge höherer aufsichtsrechtlicher Anforderungen aber auch auf den leicht gesunkenen Zinsüberschuss zurückzuführen.
Nach Risikovorsorge und Bewertung stieg der Jahresüberschuss 2014 auf 55,0 Mio. Euro (53,0 Mio. Euro). Den nach Dotierung der Rücklagen verbleibenden Bilanzgewinn von 13,8 Mio. Euro (13,3 Mio. Euro) verwendet die Rentenbank ebenfalls für Förderzwecke. Er wird je zur Hälfte dem Zweckvermögen und dem Förderungsfonds zugeführt.
Für die Verbilligung ihrer Programmkredite setzte die Förderbank 2014 73,9 Mio. Euro (77,0 Mio. Euro) zu Lasten ihres Zinsergebnisses ein. Außerdem stellte die Bank 3,0 Mio. Euro (3,0 Mio. Euro) für Zuschüsse zum Programm „Forschung für Innovationen in der Agrarwirtschaft“ zur Verfügung.
Insgesamt summierten sich die für Förderzwecke bereitgestellten Erträge der Bank (Förderdividende) 2014 auf 90,7 Mio. Euro (96,3 Mio. Euro).
IFRS-Abschluss 2014: Operatives Ergebnis leicht gestiegen
Das operative Ergebnis des Geschäftsjahres 2014 nach IFRS stieg gegenüber dem Vorjahr leicht um 2,1 % auf 243,9 Mio. Euro (238,8 Mio. Euro). Die geringeren Aufwendungen für den Förderbeitrag und die gesunkene Zuführung zur Portfoliowertberichtigung kompensierten dabei den geringeren Zinsüberschuss und die gestiegenen Verwaltungsaufwendungen.
Das Konzerngesamtergebnis lag am Jahresende 2014 mit 126,4 Mio. Euro (704,6 Mio. Euro) deutlich unter dem Vorjahr. Der Rückgang ist vor allem auf den Bewertungsverlust im Ergebnis aus Fair Value- und Hedge-Bewertung in Höhe von 183,5 Mio. Euro (2013: Bewertungsgewinn 221,2 Mio. Euro) sowie die im geringeren Ausmaß gestiegene Neubewertungsrücklage zurückzuführen. Die Bewertungsverluste ergaben sich insbesondere aus der Einengung der Credit-Spreads bei den eigenen Emissionen. „Das Gesamtergebnis ist weiterhin von volatilen Bewertungsergebnissen geprägt und daher wenig aussagekräftig“, erläuterte Hans Bernhardt, der im Vorstand den Bereich Finanzen verantwortet.
Kapitalquoten auch nach CRR weit über den Anforderungen
Seit dem 1. Januar 2014 erfolgt die Berechnung der Kapitalquoten nach der Capital Requirements Regulation (CRR). Ein Vergleich zum Vorjahr ist daher nicht aussagekräftig. Mit 16,4 % bzw. 19,3 % lagen Ende 2014 sowohl die Kernkapitalquote als auch die Gesamtkapitalquote des Konzerns deutlich über den aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen nach CRR von 5,5 % bzw. 8 %.

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