
DZ-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kirsch (im Hintergrund stehend) war nach 2006 nun zum zweiten Mal im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die Finanzwelt hat sich seitdem dramatisch verändert. Wolfgang Kirsch blieb sich hingegen treu. Klingt langweilig, Kirsch war damit aber überaus erfolgreich. – Foto: PK
Frankfurt/Main (5.5.15)/PK – Wolfgang Kirsch ist ein vorsichtiger Banker. Der Vorstandsvorsitzende der DZ-Bank berichtete gestern Abend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten über einen guten Start ins neue Jahr. Die DZ-Bank, das Spitzeninstitut der gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken, habe von Januar bis März bereits etwa 750 Millionen Euro verdient und damit im ersten Viertel Jahr 2015 die Hälfte des angepeilten Gewinn-Ziels für 2015 erreicht. Doch Kirsch hielt den Ball flach, weiß er doch, wie schnell sich die Verhältnisse ändern, genauer gesagt: verschlechtern können. Daher wäre es seiner Meinung nach falsch und fahrlässig, das Ergebnis des 1. Quartals aufs gesamte Jahre hochzurechnen.
Dass Wolfgang Kirsch ein vorsichtiger Banker ist, hat ihm sicherlich dazu verholfen, die Wirren und Verwerfungen, die die Finanzkrise in den zurückliegenden acht Jahren verursacht hatte, unbeschadet überstanden zu haben. Kirsch kann sich rühmen, dass die DZ-Bank heute ein erstklassiges Return on Equity RoE erreicht, mit einem Top-Rating bewertet wird und damit nach den Worten von Kirsch „sehr solide dasteht.“
Wer über Wolfgang Kirsch spricht, spricht allerdings nicht nur über die DZ-Bank, sondern über ein mit der Bank eng verbundenes Finanz-Geflecht, zu dem unter anderem die Fondsgesellschaft Union Investment, die größte Bausparkasse Deutschlands, Schwäbisch Hall, und der Versicherungs-Riese R+V gehören. Alles super-solide Adressen, um die die DZ-Bank und die hinter ihr stehenden Volks- und Raiffeisenbanken europaweit beneidet werden. Dennoch grübelt Wolfgang Kirsch immer wieder darüber nach, „ob wir das richtige Geschäftsmodell“ haben. Bislang hat Kirsch diese Grundsatzfrage zwar stets bejaht, ohne allerdings selbstzufrieden zu werden. Denn die Digitalisierung verändert derzeit die Bankenlandschaft in unvollstellbarem Maß. Die DZ-Bank passe sich dieser Veränderung natürlich an, schlüpfe aber nicht in die Rolle des Avantgardisten, sondern gehe behutsam vor.
Dass die Europäische Zentralbank die Zinsen abgeschafft und uns in eine „Welt ohne Zinsen“ bugsiert habe, nervt Wolfgang Kirsch mehr und mehr. Es sei an der Zeit, allmählich auf die „negativen Effekte“ der Null-Zins-Geldpolitik der EZB hinzuweisen. Die EZB zu einer Kurskorrektur zu drängen, hält Wolfgang Kirsch aber bislang für falsch.
Zum Dauerbrenner, zur Frage, wann die DZ-Bank mit der WGZ-Bank nun endlich fusionieren werde, hatte Wolfgang Kirsch „nichts Neues“. Nach wie vor hofft er, dass die Fusion beider Spitzeninstitute der Volks- und Raiffeisenbanken bald erfolgen werde. Je früher desto besser. Wolfgang Kirsch, dessen Vertrag unlängst um weitere Jahre verlängert worden ist, möchte die erhoffte Fusion der DZ- mit der WGZ-Bank noch ein paar Jahre genießen können. Ob es ihm vergönnt sein wird, wird sich zeigen. In der Volks- und Raiffeisenfamilie und damit auch bei DZ- und WGZ-Bank mahlen die Mühlen etwas langsamer. Und das ist gut so.

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