
Deutschlands Wirtschaft verliert an Wettbewerbsfähigkeit, Spanien und Portugal holen hingegen auf, urteilte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank beim Konjunkturfrühstück am Freitag Morgen. – Foto: PK
Frankfurt/Main (8.5.15)/PK – Deutschlands konjunkturelle Zugkraft schwindet, Spanien und Portugal holen stattdessen auf. Die USA durchleben ein Zwischentief und in China entsteht gerade eine Immobilienblase. Die Geldflut der EZB fließt weiterhin in die Finanzmärkte und befeuert die (Aktien)-Kurse. Noch eine Zeitlang jedenfalls. Dieses Konjunktur-Bild hat heute Vormittag Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, gemalt und bei dieser Gelegenheit – aus aktuellem Anlaß – die Folgen eines etwaigen „Brexit“ (des Ausstiegs von UK aus der EU) als undramatisch bezeichnet. Vorausgesetzt es käme, so Krämer, zu einer „sauberen Scheidung“ zwischen Groß-Britannien und der EU. In diesem Fall entstünde ein Verhältnis wie es derzeit zwischen dem Nicht-EU-Mitglied Schweiz und der EU bestehe. Allerdings verlöre die EU mit Groß-Britiannien ein „starkes“ Mitglied.
Voller Sorgen blickt Krämer derzeit auf Italien, lobt aber im gleichen Atemzug Spanien und Portugal. Während sich in Italien ein Reformstau gebildet habe, gewönnen Spanien und Portugal an Wettbewerbsfähigkeit. Die wiederum sieht der Commerzbank-Chefvolkswirt in Deutschland – relativ – sinken. Deutschland falle im EU-Maßstab auf’s Mittelmaß zurück.
Dank des schwachen Euro (zum US-Dollar) habe Italien im 1. Quartal dieses Jahres seine Exporte in die USA kräftig aufgebläht. Und zwar um rund 40 Prozent. Die Exporte in Länder der Euro-Zone traten hingegen auf der Stelle. Nach Rußland exportierten italienische Unternehmen in dieser Zeit sogar ein Drittel weniger. Unverkennbare Folgen der verhängten EU-Sanktionen gegenüber Rußland.
Von der wachsenden Kritik an der ungezügelten Geldpolitik der EZB unter ihrem Präsidenten Mario Draghi hält Krämer wenig. Freilich „tobe“ sich die durch das Anleihekaufprogramm erzeugte extrem hohe Liquidität derzeit noch an den Finanzmärkten aus und verfehlte damit das eigentliche Ziel der EZB, mehr Investitionen und damit mehr Wirtschaftswachstum anzuregen. Nach einer Untersuchung der Commerzbank nutzen nur wenige Banken die gewonnene Liqudität dazu, mehr Kredite bereitzustellen.

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