Commerzbank: Mit einer Million Mark im Trabi unterwegs – Erste Filiale in Halle eröffnete Hans-Dietrich Genscher am 30. Juni 1990

Frankfurt/Main (29.6.15) – Klaus-Peter Müller erinnert sich noch heute gerne an die Erlebnisse vor 25 Jahren. Der spätere Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank war als Leiter der „Zentralen Abteilung zur Vorbereitung des DDR-Geschäfts“ verantwortlich für den Aufbau der Commerzbank in den neuen Ländern. „Innerhalb weniger Monate mussten wir Filialen in allen größeren Städten der DDR aufbauen und dafür mehr als 1000 Mitarbeiter finden.“

Der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, ein gebürtiger Hallenser, eröffnete die erste Commerzbank-Filiale in der damaligen DDR am 30. Juni 1990 in Halle. - Foto: Commerzbank

Der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (vorne) , ein gebürtiger Hallenser, eröffnete die erste Commerzbank-Filiale in der damaligen DDR . – Foto: Commerzbank

Das tägliche Bankgeschäft mutete damals oft abenteuerlich an. Mit dem Trabant fuhr Müller beispielsweise zur Zweigstelle der Bundesbank in Gera, um frisches Geld zu holen. Gegen Vorlage seines Personal-ausweises und einer Visitenkarte erhielt er einmal eine Million Mark, die er dann im Auto zur Filiale brachte. „Ich habe mich in dem Trabi sicherer gefühlt als in jedem Mercedes, weil ja niemand darauf gekommen wäre, dass wir in diesem Auto eine Million Mark dabei haben.“

Ohne ostdeutschen Bankpartner fing die Commerzbank bei null an und baute ihre Filialen meist in Container-Pavillions auf. Die erste Geschäftsstelle eröffnete der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. Juni 1990 in Halle. Weitere Filialen an 50 Standorten folgten, so dass die Mitarbeiter zur Währungsunion am 1. Juli 1990, einem Sonntag, die ersten D-Mark-Beträge auszahlen konnten.

Am Ende des Jahres 1990 verfügte die Commerzbank auf dem ehemaligen Gebiet der DDR über 51 Geschäftsstellen mit 750 Mitarbeitern, die mehr als 100.000 Kunden betreuten. Der hohe persönliche Einsatz der Mitarbeiter und die Investitionen der Commerzbank rechneten sich nach kurzer Zeit. Im April 1991 erzielten die Filialen in den neuen Bundesländern erstmals ein positives Betriebsergebnis. In den letzten 25 Jahren hat die Commerzbank ihre Präsenz im Osten Deutschlands deutlich ausgebaut. „Die Zahl der Kunden ist von rund 450.000 im Jahr 1990 (Commerzbank und Dresdner Bank) auf aktuell 1,9 Millionen gestiegen und hat sich damit mehr als vervierfacht“, bestätigt Jenny Friese, Bereichsvorstand Privatkunden für die Vertriebsregion Ost. „Die Kunden werden heute von 2.300 Mitarbeitern in rund 220 Filialen und 16 Geschäftskunden-Beratungszentren von der Ostsee bis zum Erzgebirge betreut“, so Friese weiter. Nicht nur die Kundenzahl wurde gesteigert: Auch das Kreditvolumen hat sich in den östlichen Bundesländern von 8,5 Milliarden D-Mark im Jahr 1992 auf mehr als 11 Milliarden Euro per Ende 2014 erhöht.

Zugleich ist Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung eine beeindruckende Wirtschaftsentwicklung gelungen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, ein wichtiger Indikator für das Wirtschaftswachstum, hat sich zwischen 1991 und 2013 von 12.000 auf 24.000 Euro verdoppelt. Eine Voraussetzung für die positive Entwicklung waren die hohen Investitionen. Seit 1991 haben Unternehmen, Kommunen und private Bauherren rund 1,6 Billionen Euro in Ostdeutschland investiert.