GAM: Verkaufswelle bei Anleihen

Zürich (2.7.15) – Der in den vergangenen Wochen vollzogene Renditeanstieg bei Staatsanleihen von Kernländern der Eurozone – allen voran bei Bundesanleihen – wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Zu dieser Einschätzung kommt Tim Haywood, Head Fixed Income bei der Schweizer Fondsgesellschaft GAM.

„Es gibt sowohl in technischer als auch fundamentaler Hinsicht unübersehbare Parallelen zu der scharfen Korrektur japanischer Staatsanleihen Mitte 2003“, so Haywood. Damals hatte ein unerwartet schlechtes Auktionsergebnis bei langfristigen japanischen Staatspapieren den Markt erschüttert. „Doch das war nur ein vordergründiges Ereignis. Tatsächlich war zu seiner Zeit die US-Notenbank der fundamentale Treiber dieser Entwicklung, indem sie die Zügel in ihrer Geldpolitik angezogen hat“, erläutert der Zinsexperte.

Die Fed und Bank of England ziehen ihre geldpolitischen Zügel wieder an

Ähnlich wie damals signalisiere die Fed auch heute ein Ende ihrer bislang lockeren Geldpolitik, nachdem sich der Arbeitsmarkt in den USA erholt hat und die Löhne dynamisch steigen. Haywood erwartet, dass sie die Leitzinsen bald anheben dürfte, aber anschliessend nur sehr langsam weitere Zinsschritte vornehmen werde. „Und auch die Bank of England lässt einen Wechsel in ihrer Geldpolitik erkennen, nachdem sich die makroökonomischen Rahmendaten in der Eurozone zunehmend verbessern und die Inflation dort stabil auf moderatem Niveau bewegt.“

Sorgen um Griechenland dämpfen zunächst die Gefahr eines Renditeanstiegs

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird es zunächst nach Meinung des GAM-Experten zu einer Versschnaufpause am Kapitalmarkt kommen. „Vor dem Hintergrund eines möglichen Ausscheidens Griechenlands aus der Währungsunion wird die Risikoaversion vieler Investoren steigen, was die Nachfrage nach sicheren Anlagen treibt. Dazu setzt die Europäische Zentralbank ihr Anleiheaufkaufprogramm weiter um. Es spricht daher viel dafür, dass in den kommenden Sommermonaten die Renditen erst einmal seitwärts tendieren werden“, prognostiziert Haywood.