Stuttgart (3.7.15) – Der Technologiekonzern Apple hat zur Jahresmitte seine Position als wertvollstes Unternehmen der Welt verteidigt – und seinen Vorsprung sogar deutlich ausgebaut: Der Börsenwert des Unternehmens betrug zur Jahresmitte 723 Milliarden US-Dollar – das sind 75 Milliarden US-Dollar mehr als Ende vergangenen Jahres. Damit baute Apple seinen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Suchmaschinen-Giganten Google und dem Softwarekonzern Microsoft (361 bzw. 357 Milliarden US-Dollar) weiter aus. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert des iPhone-Herstellers entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung der Länder Portugal, Finnland und Griechenland zusammen.

Acht der zehn teuersten Unternehmen kommen derzeit aus den Vereinigten Staaten, zwei Unternehmen kommen aus China – europäische Konzerne sucht man unter den Top 10 vergebens. Wertvollstes europäisches Unternehmen ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis auf Platz elf. Das teuerste deutsche Unternehmen folgt erst auf Rang 62: Der Pharmakonzern Bayer ist aktuell 116 Milliarden US-Dollar wert – das sind 2,5 Milliarden US-Dollar mehr als Ende vergangenen Jahres.

Mit fünf Unternehmen unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt kann Deutschland zur Jahresmitte seinen vierten Rang im Länderranking behaupten – hinter den USA, China und Großbritannien. Volkswagen landet mit einem Börsenwert von 110 Milliarden US-Dollar auf Platz 65. Auf Platz 79 folgt Daimler (98 Milliarden), auf Platz 93 Siemens (89 Milliarden). SAP belegt mit einem Börsenwert von 86 Milliarden US-Dollar Platz 98.

Die Mehrheit der in den Top 100 notierten Aktiengesellschaften (58 Prozent) konnte in den vergangenen sechs Monaten den eigenen Marktwert steigern: Der Börsenwert der 100 teuersten Unternehmen der Welt kletterte seit Jahresbeginn um zwei Prozent auf 16,3 Billionen Dollar. Der Börsenwert der fünf deutschen Unternehmen legte weniger stark zu: um ein Prozent auf 500 Milliarden US-Dollar.

Die Marktturbulenzen seit der Eskalation der Griechenland-Krise haben allerdings auch in den Top 100 Spuren hinterlassen: Der Gesamtwert der 100 teuersten Unternehmen der Welt sank in den vergangenen zwei Wochen um 300 Milliarden US-Dollar von 16,6 auf 16,3 Billionen US-Dollar. Besonders hart traf es die fünf deutschen Konzerne, bei denen der Wertverlust  22 Milliarden US-Dollar bzw. 4 Prozent betrug.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die die Marktkapitalisierung der 100 bzw. 300 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht.

Die aktuelle Schwäche Europas im Ranking – in den Top 100 können sich nur 28 europäische Unternehmen platzieren – führt Thomas Harms, Partner bei EY, zum einen darauf zurück, dass die europäische Wirtschaft in den vergangenen Jahren kaum gewachsen und für Investoren daher wenig attraktiv gewesen sei: „Europa hat lange unter den Nachwehen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009 gelitten. Die Wirtschaft kommt erst langsam wieder in Schwung, und nun führt die Griechenland-Krise wieder zu unsicheren Konjunkturaussichten – gleichzeitig  fahren viele US-Konzerne Rekordgewinne ein“. Zudem führe der Wertverlust des Euro (und des russischen Rubel) zu schlechteren Platzierungen der Unternehmen aus dem Euro-Raum bzw. Russland. „Die Schwäche der europäischen Unternehmen im Ranking resultiert auch aus dem gesunkenen Eurokurs – die an europäischen Börsen gelisteten Konzerne verlieren im internationalen Vergleich an Wert, während der starke US-Dollar US-Konzerne aufwertet“.

Schwacher Euro gibt Wachstumsschub

Auf der anderen Seite aber mache der schwache Euro europäische Konzerne zu attraktiveren – weil günstigeren – Investitionszielen für ausländische Anleger, so Harms. Zudem profitieren aktuell die europäischen Unternehmen, die stark außerhalb des Euroraums engagiert sind, von der Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung: „Ein niedrigerer Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen. Und Unternehmen aus den Euro-Ländern können ihre Produkte auf außereuropäischen Märkten günstiger anbieten und so Marktanteile gewinnen. Unterm Strich dürfte der niedrigere Eurokurs den europäischen Unternehmen in den kommenden Monaten daher einen kräftigen Schub geben“, so Harms. Das lasse mittelfristig steigende Börsenkurse erwarten – auch und gerade für die deutschen Konzerne. Zuerst müsse allerdings eine Lösung für die Schuldenkrise in Griechenland gefunden werden. „Die aktuelle Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands und damit der Eurozone ist Gift für die europäische Wirtschaft – sie belastet das Verbrauchervertrauen und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen“.

Die US-Konzerne leiden hingegen aktuell unter dem starken Dollar, so Harms: „Der Höhenflug des Dollar führt dazu, dass die Geschäfte mit dem Ausland für US-amerikanische Unternehmen teurer werden. Das drückt den Umsatz und die Gewinnaussichten – was sich auch auf den Börsenwert auswirken dürfte“. Es spreche also einiges dafür, dass Europa Ende dieses Jahres wieder stärker im Ranking der teuersten Unternehmen der Welt vertreten sein werde – sofern die Eurozone es schafft, das Griechenland-Problem zu lösen.

Ölkonzerne verlieren an Börsenwert

Gegen den weltweiten Positivtrend an den Börsen haben vor allem Ölkonzerne aufgrund des Preisverfalls beim Öl in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. So liegt die Zahl der Energieunternehmen im Top 100 Ranking aktuell nur noch bei acht – vor einem halben Jahr waren es noch zehn, ein Jahr zuvor sogar 13.

Dominiert wird das Top 100-Ranking von Herstellern nichtzyklischer Konsumgüter, wozu etwa Lebensmittel, Gesundheits- oder Reinigungsprodukte zählen (32 Unternehmen). Auch die Finanzbranche ist mit 20 Unternehmen stark vertreten.

Chinesische Unternehmen gewinnen stark an Bedeutung

In den vergangenen Monaten haben vor allem chinesische Konzerne im Ranking stark an Bedeutung gewonnen: Unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt sind aktuell zwei Unternehmen aus dem Reich der Mitte. Und im Ranking der 300 teuersten Unternehmen der Welt finden sich 42 chinesische Unternehmen – vor einem halben Jahr waren es 31, ein Jahr zuvor nur 24. Damit sind aktuell drei Mal so viele chinesische Unternehmen im Ranking vertreten wie deutsche – aktuell zählen 13 Konzerne aus Deutschland zu den 300 teuersten Unternehmen der Welt.

Hauptgrund für den Bedeutungsgewinn Chinas ist der Börsenboom in China, der die Bewertungen der chinesischen Konzerne in die Höhe treibt. Zudem bleibe China – trotz der nachlassenden Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft – ein für Investoren sehr interessanter Wachstumsmarkt, so Harms: „Chinesische Unternehmen werden weltweit eine immer größere Rolle spielen“.

USA dominieren bei Zukunftstechnologien

Trotz des starken US-Dollars, der für US-Konzerne auf den Weltmärkten von Nachteil ist, sieht Harms die US-Wirtschaft im Vergleich zur Konkurrenz in Europa strukturell weiter gut aufgestellt: „In Europa dominiert weiter die Old Economy: Industrie- und Rohstoffkonzerne. In den USA hat sich die IT-Branche zur Leitbranche entwickelt.“ Mit Apple, Microsoft und Google belegen zur Jahresmitte drei US-Technologieunternehmen die ersten drei Plätze im Ranking der wertvollsten Unternehmen der Welt. Von den neun Technologiekonzernen, die sich im weltweiten Top-100-Ranking platzieren konnten, stammen sechs aus den USA, zwei aus Asien und nur eines – SAP – aus Europa. Dass Europa bei diesem Thema so schlecht aufgestellt sei, dürfte sich zu einem erheblichen Nachteil für die europäische Wirtschaft entwickeln, warnt Harms: „Die Digitalisierung entwickelt sich zum alles beherrschenden Trend und stellt die Geschäftsmodelle von Unternehmen und ganzen Branchen in Frage. Gerade US-Konzerne treiben die Digitalisierung der Wirtschaft derzeit aggressiv voran und bestimmen damit die Spielregeln, die zukünftig für die gesamte Wirtschaftswelt gelten“.

Quelle: Ernst & Young