DZ Bank: Aktien-Crash in China – Bemühungen der Regierung zum Scheitern verurteilt
Frankfurt/Main (15.7.15) – Die chinesische Regierung versucht jetzt, mit Hilfe eines für westliche Verhältnisse unkonventionellen Maßnahmenkatalogs, den Crash noch in den Griff zu bekommen. Zu den durchgeführten Maßnahmen gehören massive Aktienkäufe durch Banken, Pensionsfonds und staatliche Institutionen, das Verkaufsverbot für größere Aktienpakete, zahlreiche Beschränkungen für den Handel, das Verbot von Neuemissionen sowie ein strafrechtliches Vorgehen gegen „böswillige“ Leerverkäufer.
Der Eingriff der chinesischen Regierung in den Aktienmarkt ist in seiner Ausprägung ungewöhnlich, an sich aber nichts Neues. Schon seit Jahrhunderten versuchen Regierungen, Spekulationsblasen am Aktienmarkt in den Griff zu bekommen. Während des Crashs der „Southsea Bubble“ im Jahr 1720 in England wurde der Handel mit Futures und Optionen verboten, gleiches geschah u.a. in den USA nach dem Crash von 1929, für den Leerverkäufer („Short-Seller“) verantwortlich gemacht wurden. Auch in Deutschland wurden ab 2008 Shortverkäufe temporär untersagt. Sowohl 1929 als auch 2008/2009 wurden „Short Seller“ von der Öffentlichkeit für den Crash mitverantwortlich gemacht, wobei diese Kausalität irreführend war und von den wahren Ursachen ablenken sollte.
Die Chinesen folgen nun dem Vorbild der japanischen Regierung. Diese zwang Anfang der 90er Jahren die heimischen Banken dazu, Milliardenbeträge in den Aktienmarkt zu investieren, um die Kurse nach dem Crash von 1989 stabil zu halten. Dies hatte zur Folge, dass die Banken enorme Bestände an – sehr teuer eingekauften – Aktien in den Bilanzen hielten und sich nicht um die Bereinigung der faulen (Immobilien-)Kredite kümmern konmnten. Obwohl die Bank of Japan in den folgenden Jahrzehnten am Kapitalmarkt und bei den Banken Aktien kaufte, steht der Nikkei-Index heute noch rund 50% unter seinem Allzeithoch aus dem Jahre 1989, die erlittenen Verluste von damals wurden niemals ausgeglichen.
Alle vergangenen Verbote der Regierungen hatten eins gemeinsam: Sie konnten den Fall der Märkte nie stoppen. Aktienmärkte sind keine Lehmfiguren, die von einer Regierung willentlich geformt werden können. Vielmehr reagieren die Märkte wie Wasser: Sie finden immer ihren Weg, unabhängig davon, wer versucht, sie zu kontrollieren.
Wir gehen davon aus, dass sich nun das, was an Gier übergeschossen ist, in den kommenden Monaten wieder normalisieren wird. Die Bewertung der Aktien wird sich wieder ihren Weg nach unten bahnen. Diese ist selbst nach dem Crash um knapp 35% noch alles andere als günstig. So lange die chinesischen Börsen noch geöffnet bleiben, werden die Anleger versuchen, Anteile zu verkaufen. Dies wird insbesondere bei denjenigen Anlegern der Fall sein, die auf Kredit spekuliert haben und nun Nachforderungen seitens der Kreditgeber stehen. Hier ist aktuell noch unklar, wieviel vom Fremdkapitalanteil (Hebel) aus den Märkten herausgespült wurde.
Wenn Aktienmärkte fallen, ergeben sich für antizyklische Anleger immer hervorragende Opportunitäten. Diese werden in China jedoch maßgeblich auf Einzelwertbasis zu finden sein, für die wir keine flächendeckende Coverage anbieten. Breite Käufe von chinesischen Aktien oder Indizes verbieten sich aufgrund weiter zu erwartender Kursverluste. Anleger, die aktuell noch in China investiert sind, sollten dementsprechend noch Verkäufe in Erwägung ziehen.
Quelle: DZ Bank

Stay In Touch