Frankfurt/Main (15.7.15)/PK – Wer derzeit über die Lage an den Finanzmärkten redet, muss natürlich die Griechenland-Krise ansprechen. Das hat auch der Brite Lorne Camphell heute Vormittag in Frankfurt getan. Lorne Camphell ist Leiter Equities Deutschland und Österreich der Schweizer Großbank Credit Suisse in Deutschland. Doch Griechenland kam nur kurz zum Zuge.

Lorne Campbell, Leiter Equities Deutschland & Österreich bei der Credit Suisse - Foto: PK

Sorgt sich um China: Lorne Campbell, Leiter Equities Deutschland & Österreich bei der Credit Suisse – Foto: PK

Denn die wichtigsten Einflüsse erhalten die Finanzmärkte derzeit aus ganz anderen Ecken der Welt: aus den USA, China und Europa, wenn man Griechenland ausklammert. Europäische Aktien hält Camphell derzeit für attraktiv. Beim Blick auf China hält er den Atem an, und in den USA rechnet der Banker mit einer Leitzinserhöhung im September dieses Jahres.

Nach Auffassung von Lorne Campbell sind europäische Aktien im internationalen Vergleich preiswert, zumal der schwache Euro für Gewinnrevisionen nach oben sorge. Vor diesem Hintergrund erwartet die Credit Suisse bis Jahresende einen Anstieg des Euro Stoxx 50 auf 4.000 Punkte. Auch deutsche Aktien profitierten vom schwachen Euro. Darüber hinaus seien die Risiken bei einem Grexit, einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, aller Wahrscheinlichkeit nach begrenzt. Die Anleiherenditen dürften tendenziell ansteigen, davon profitierten vor allem Technologiewerte und Bankaktien. Hingegen ist die Credit Suisse der Auffassung, Aktien der Branchen dauerhafte Konsumgüter, Versorger und Dividendenwerte eher unterzugewichten.

Bei der entscheidenden Frage, wann die US-Notenbank die Leitzinsen zum ersten Mal seit langem erhöhen wird, ist sich Lorne Camphell sicher: das wird im September geschehen. Dass die US-Notenbank unter ihrer Chefin Janett Yellen anschließend die Leitzinsen weiter rasch und in großen Schritten erhöhen werde, sei unwahrscheinlich.

Die Lage in China hält Lorne Camphell für besorgniserregend. „Also, das, was in den letzten vier, sechs Wochen in China los war, da brauchte man gute Nerven.“  In China hätten sich drei Blasen gebildet: zum einen sei die Verschuldung privater Haushalte atemberaubend hoch. Zum anderen sei die Investionsquote von rund 48 Prozent übertrieben und schließlich habe sich am Immobilienmarkt eine (Preis)-Blase gebildet. Von China gehe jedenfalls das größte Risiko für die Weltwirtschaft aus.