DNCA: Weiterhin positive Aussichten für Südeuropa
Paris (17.7.15) – Im ersten Halbjahr haben die Fortsetzung der strukturellen Reformen und der staatlichen Konjunkturmaßnahmen, die gelockerte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der sinkende Ölpreis Südeuropas Volkswirtschaften gestützt. Die Besserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten erklärt die gute Performance dieser Zone. Im ersten Halbjahr stieg der italienische FTSE MIB um 18,1 Prozent und der portugiesische PSI 20 um 15,7 Prozent. Die politische Unsicherheit vor den Wahlen in Spanien zum Jahresende hat den spanischen IBEX 35 etwas belastet: Der Index stieg dadurch nur um 4,8 Prozent.
Griechenland macht nach dem Sieg von Syriza im Januar und den schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigern immer noch Sorgen. Nach der Abstimmung des griechischen Parlaments am 15. Juli über den Gesetzentwurf zu den EU-Sparmaßnahmen sind nun die Abstimmungen mehrerer europäischer Parlamente über das Hilfsprogramm in den kommenden Wochen entscheidend. Doch der Gesetzentwurf allein wird nicht alle Probleme lösen können: Nach wie vor scheint eine Umschuldung für Griechenland notwendig zu sein, und so mancher bezweifelt, ob das Land seine Ziele einhalten kann. In puncto Ansteckungsrisiko wirken allerdings mehrere Faktoren beruhigend: Die Spreads zwischen den Zinsen auf deutsche Staatsanleihen und auf Staatsanleihen der Peripherieländer steigen nicht, und der Euro hält sich seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar gut.
Größter Risikofaktor für Südeuropa ist aktuell die Politik. In Italien hat zwar Ministerpräsident Matteo Renzi immer noch die Mehrheit der Italiener hinter sich, jedoch könnte in Spanien die linksextreme Podemos-Partei bei den Parlaments- und Premierministerwahlen am Ende des Jahres am stärksten von den unpopulären Maßnahmen profitieren, die den Griechen verordnet wurden. Trotzdem dürften die Probleme, mit denen die Griechen konfrontiert sind, den Spaniern zu denken geben, die ja gerade nach Jahren der Krise endlich wieder einen Fuß auf die Erde bekommen. Es wäre daher durchaus möglich, dass die griechische Tragödie die einzelnen Regierungen dazu motiviert, die Wirtschaft politisch zu fördern und eine gerechtere Verteilung des Wachstums anzustreben – insbesondere mit Blick auf die jungen Menschen und die Arbeitslosen. Auch eine Forcierung der politischen und steuerlichen Integration zur Stärkung der Eurozone scheint denkbar.
Trotz aller Turbulenzen der vergangenen Wochen sind die südeuropäischen Märkte aus unserer Sicht weiterhin attraktiv – abgesehen von Griechenland, denn dort sehen wir kurzfristig keine Konjunkturaufhellung. Wenn sich die Zukunft Griechenlands deutlicher absehen lässt, könnten die Märkte erneut anziehen. Sie könnten sich dann wieder an den weiterhin steigenden wirtschaftlichen Fundamentaldaten und dem operativen Hebel orientieren, den die Unternehmen jetzt bieten, nachdem sie ihre finanzielle Situation und ihre Wettbewerbssituation verbessert haben. Die jüngsten Kursrückgänge bieten unseres Erachtens zahlreiche Kaufgelegenheiten, die günstiger bewertet sind als in den ersten Monaten des Jahres.
Autorin: Lucy Bonmartel, Fondsmanagerin Europa
Über DNCA
Die Investment Management-Gesellschaft DNCA wurde im Jahr 2000 von einem Spezialistenteam gegründet, das bei der Vermögensverwaltung für Privatkunden und institutionelle Investoren auf einen value-orientierten Ansatz setzt. DNCA verfügt derzeit über 73 Mitarbeiter in Niederlassungen in Paris, Mailand, Luxemburg und München. Die umfassende Expertise von DNCA bei europäischen Aktien (Long Only- und Absolute Return-Strategien), Diversified Management-Produkten, Wandelanleihen und Anleihen aus der Eurozone wird von der Fachpresse regelmäßig honoriert.

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