Kleinheubach (18.7.15) – Nach einem starken Jahresbeginn hat die Volatilität an den Kapitalmärkten im Zuge der Griechenlandkrise zuletzt deutlich zugenommen – und zwar nicht nur bei Aktien. „Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe schwankte zuletzt fast so stark wie der DAX“, sagte Jens Wilhelm, im Vorstand der Union Asset Management Holding AG zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien, bei einer Presseveranstaltung. „Sogar der sichere Hafen bot also keinen Schutz vor stürmischer See.“ Auch für das zweite Halbjahr rechnet er mit einem schwankungsanfälligen Umfeld. „Nachdem der Grexit in letzter Sekunde abgewendet werden konnte, sorgen nun die Kapitalmarktturbulenzen in China und die bevorstehende Zinswende in den USA für Verunsicherung.“ Insgesamt blickt Wilhelm dennoch optimistisch ins zweite Halbjahr: „Die Fundamentaldaten sind deutlich besser als die durch Griechenland zuletzt getrübte Stimmung vermuten lässt.“
Ein wesentlicher Grund für den Optimismus ist der Zustand der Weltwirtschaft, die sich – trotz diverser Störfeuer – weiter auf Wachstumskurs befindet. So erwartet der Vorstand von Union Investment in den USA ein durch den Konsum getragenes Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Andeutungen Taten folgen lässt und die Zinsen ab September regelmäßig – wenn auch in kleinen Schritten – erhöht. „Damit sollte die gut laufende US-Konjunktur zurechtkommen, denn der geldpolitische Mantel ist für das aktuelle Wachstum weit geschnitten“, sagte Wilhelm. „Die große Herausforderung für die Fed besteht darin, kommunikative Unfälle zu vermeiden, die die Märkte verunsichern.“
In der Eurozone erwartet Wilhelm ein Wachstum von 1,4 Prozent. „Erstmals seit Langem ziehen die Investitionen in der Eurozone wieder an. Anders als in den USA ist hier nicht allein der Konsum für das Wachstum verantwortlich“, so der Kapitalmarktstratege. „Genau beobachten müssen wir mögliche Auswirkungen der Kapitalmarktturbulenzen in China auf die weltweite Volkswirtschaft. Die Ansteckungsgefahren sollten sich allerdings in Grenzen halten.“
Vom Niedrigzins- zum Niedrigrenditeumfeld
An den Rentenmärkten rechnet Wilhelm – trotz der aktuellen Turbulenzen – mit einer moderaten Fortsetzung des jüngsten Trends zu höheren Renditen. „Die Inflationsraten in der Eurozone werden im zweiten Halbjahr abermals leicht steigen, die Deflationssorgen dürften damit vom Tisch sein. Außerdem können höhere Zinsen in den USA auch hierzulande die Renditen nach oben ziehen.“ Dennoch ist für den Anlagestrategen zumindest in der Eurozone kein Ende des Niedrigzinsumfelds in Sicht. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen könnten bis Anfang 2016 auf 1,2 Prozent zulegen, die von US-Treasuries auf über drei Prozent steigen.
Rentenanleger stecken dennoch weiter in einem Dilemma und müssen sich neu orientieren. „Für zinstragende Anlagen sind die Aussichten gedämpft, aber es gibt auch hier noch interessante Investitionsmöglichkeiten“, erläuterte Wilhelm. Es kommt darauf an, vermehrt abseits bekannter Wege nach Alternativen Ausschau zu halten. „Je ausgetretener der Pfad, umso eher werden Renteninvestoren ins Stolpern geraten“, so Wilhelm. „An der Internationalisierung der Rentenanlage führt kein Weg mehr vorbei. Regionale Zinsunterschiede sind auch nach Wechselkurssicherung vielfach noch attraktiv.“
Aktien und Immobilien mehr denn je unverzichtbare Renditebausteine
Attraktive Anlagechancen sieht der Kapitalmarktstratege in europäischen Aktien sowie in Immobilien. Bei den Gewinnen der europäischen Unternehmen rechnet er mit positiven Überraschungen. „Die vergangene Berichtssaison war schon ein Schritt in die richtige Richtung. Im zweiten Halbjahr werden wir feststellen, dass die Analysten die Effekte des schwachen Euro in ihren Schätzungen noch nicht vollständig berücksichtigt haben. Wir erwarten in der Eurozone ein deutlich zweistelliges Gewinnwachstum.“ Die Kursentwicklung wird Wilhelm zufolge zwar holpriger sein als noch zu Beginn des Jahres, doch nach der durch die Griechenlandkrise ausgelösten, überfälligen Korrektur lohnt sich ein Einstieg wieder. „Die Griechenlandkrise war ein guter Grund für die Anleger, um Gewinne mitzunehmen. Insgesamt führt der Weg des geringsten Widerstands am Aktienmarkt, insbesondere in der Eurozone, nach oben“, ist Wilhelm überzeugt.
Neben den Aktien sind auch Offene Immobilienfonds für den Anlagestrategen ein wichtiger Renditebaustein. „Da die Kaufpreise für Immobilien wegen der extrem hohen Nachfrage immer weiter steigen, gilt es hier kontrolliert mehr ins Risiko zu gehen, ob über Internationalisierung oder Nutzungsarten“, so Wilhelm.
Chancen vor allem in breiter Diversifikation und aktiver Asset Allocation
Der Anlagestratege rechnet künftig generell mit geringeren Renditen nicht nur bei Rentenpapieren. „Die Zinsen sind nicht nur wegen der expansiven Notenbankpolitik niedrig – das hat auch strukturelle Gründe“, gab Wilhelm zu bedenken. Dabei spielen auch Aspekte wie die demografische Entwicklung, das Auslaufen des Rohstoffbooms und geopolitische Krisen eine Rolle. „Da der Wachstumspfad in der Welt nach der Finanzmarktkrise flacher geworden ist, wird weiterhin viel mehr gespart als investiert“, begründete Wilhelm den längerfristigen Trend zu niedrigeren Renditen.
„Viele klassische Wege der Kapitalanlage funktionieren unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr“, resümierte Wilhelm. Anlegern rät er daher, sich nach neuen Wegen zu mehr Rendite umzuschauen. „Es gibt weiter Chancen an den Kapitalmärkten – aber die Zeit der einfachen Lösungen ist vorbei. Der Schlüssel zum Anlageerfolg liegt in der Bereitschaft, mehr Risiko einzugehen, breiter zu diversifizieren und zwischen Assetklassen aktiver zu allokieren, wie dies zum Beispiel bei Multi-Asset-Lösungen der Fall ist.“
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Rekordabsatz im ersten Halbjahr – Absatz im institutionellen Geschäft verdoppelt – Aktien und Immobilien mehr denn je unverzichtbare Renditebausteine
Kleinheubach (18.7.15) – Union Investment hat beim Nettoneugeschäft das stärkste Halbjahresergebnis in der Unternehmensgeschichte erzielt. Mit 13,9 Mrd. Euro konnte der gute Vorjahreswert (1. Halbjahr 2014: 6,9 Mrd. Euro) verdoppelt werden. Die Assets under Management sind im Vergleich zur Jahresmitte 2014 um 15,3 Prozent von 218,8 Mrd. Euro auf 252,3 Mrd. Euro gestiegen. „Auf der Suche nach Rendite und einer ausgewogenen Vermögensstruktur gewinnen Fonds bei Anlegern an Attraktivität. Das spiegelt sich im dynamisch wachsenden Neugeschäft und im Bestand wider“, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstands-vorsitzender von Union Investment, im Rahmen einer Presseveranstaltung in Kleinheubach.
Der Nettoabsatz des institutionellen Geschäfts hat sich mit 9,4 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum (4,5 Mrd. Euro) mehr als verdoppelt. Die Assets under Management, die Union Investment für institutionelle Kunden verwaltet, erreichten mit 142,3 Mrd. Euro (120,6 Mrd. Euro) einen neuen Höchststand. Gefragt waren im ersten Halbjahr 2015 vor allem Produkte mit größeren Renditechancen wie Hochzins- oder Wandelanleihen, Verbriefungen und Nachranganleihen. Darüber hinaus gewannen Aktienstrategien und Immobilieninvestments an Relevanz. Zudem suchten Investoren zunehmend internationale Anlagestrategien, um von den globalen Zins- und Wachstumsunterschieden zu profitieren. „Institutionelle Kunden nutzen im Niedrigzinsumfeld jede sich bietende Renditequelle, um ihre Anlageziele zu erreichen. Die Devise lautet: mehr Flexibilität und mehr Risiko – aber kontrolliert“, stellte Reinke fest. „Entsprechend verwalten wir in Wertsicherungskonzepten derzeit ein Volumen von 22 Mrd. Euro und profitieren von unserer Erfahrung, die wir in 20 Jahren Wertsicherung aufgebaut haben.“
Auf besonderes Interesse stießen zudem nachhaltige Lösungen. Mittlerweile hat sich ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit bei Investoren etabliert. „Neben ethischen Aspekten geht es darum, Megatrends wie Klimawandel, Demografie und die Globalisierung im Risikomanagement und bei Anlageentscheidungen abzubilden“, führte Reinke aus. Dies gilt vor allem für Stiftungen, Pensionskassen und Kreditinstitute. Bereits 58 Prozent aller institutionellen Anleger berücksichtigen bei ihren Investmententscheidungen Nachhaltigkeitskriterien. So konnte Union Investment den Bestand an nachhaltig gemanagten Fonds auf 10,0 Mrd. Euro (7,2 Mrd. Euro) steigern. „Damit sind wir in Deutschland der führende Fondsanbieter für nachhaltige Geldanlagen“, konstatierte Reinke. „Insgesamt erfahren wir im institutionellen Geschäft einen enormen Zuspruch. Wir führen dies auf unsere Leistungsstärke im Risikomanagement und unser Angebot chancenorientierter Lösungen zurück“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Privatkundengeschäft mit dynamischem Wachstum
Der seit 2013 anhaltend positive Nettoabsatz im Privatkundengeschäft hat sich im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 4,5 Mrd. Euro (2,4 Mrd. Euro) ebenfalls nahezu verdoppelt. Absatzfavoriten waren einmal mehr die nun seit fünf Jahren bestehenden sechs PrivatFonds. Ihnen flossen im ersten Halbjahr netto 2,9 Mrd. Euro (2,0 Mrd. Euro) zu. Mittlerweile verwaltet Union Investment in diesen Anlagelösungen ein Vermögen von 11,6 Mrd. Euro (6,3 Mrd. Euro). Auch die beiden seit einem Jahr angebotenen UniKonzept-Fonds, die eine regelbasierte Steuerung umsetzen, erfreuten sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einer wachsenden Beliebtheit und konnten ein Neugeschäft von 1,5 Mrd. Euro verbuchen.
Immer mehr Anleger erkennen zudem die Chancen des ratierlichen Fondssparens für einen nachhaltigen Vermögensaufbau. So wuchs die Zahl der Verträge in den letzten zwölf Monaten um 19,7 Prozent auf 1.099.000 (918.000). Dieses Wachstum bestätigt den steigenden Stellenwert von Fondssparplänen bei Union Investment. „Gefreut hat uns insbesondere, dass vier von fünf Euro der neuen Gelder in Substanzanlagen wie Aktien-, Misch- und Immobilienfondssparpläne geflossen sind“, ergänzte Reinke. Insgesamt stieg die Zahl der Fondssparpläne in den letzten fünf Jahren um 46 Prozent, und die Volumina haben sich von 2,1 Mrd. Euro auf 6,9 Mrd. Euro mehr als verdreifacht.
Stabil entwickelte sich auch das ratierliche Geschäft mit der Riester-Rente. Hier investierten die Sparer im ersten Halbjahr 614 Mio. Euro (633 Mio. Euro). „Riester-Sparer konnten im Durchschnitt mit der UniProfiRente seit 2002 nach Abzug der Kosten eine jährliche Rendite von 7,1 Prozent erwirtschaften“, erläuterte Reinke.
Als weiteres Diversifikationsinstrument waren die Offenen Immobilienfonds von Union Investment gefragt. Ihnen flossen in den ersten sechs Monaten 1,5 Mrd. Euro (0,9 Mrd. Euro) netto zu. „Die rege Nachfrage nach unseren Offenen Immobilienfonds zeigt, wie groß das Interesse an Substanzwerten als Teil einer ausgewogenen Anlage ist“, sagte Reinke. „Der Erfolg im Privatkundengeschäft gründet zum einen in unserer Strategie, sich mit wenigen Lösungen auf die wesentlichen Anlagethemen der Kunden zu konzentrieren und zum anderen in der engen Verzahnung mit unseren Partnern in der genossenschaftlichen FinanzGruppe“, erklärte Reinke.
Asset Manager im Niedrigzinsumfeld mit besonderer Verantwortung
Ungeachtet der guten Entwicklung beim Fondsabsatz hat nach wie vor die Mehrheit der Deutschen wenig mit diversifizierter Geldanlage oder Fonds zu tun. So liegen unverändert rund 81 Prozent des Geldvermögens privater Haushalte in zinsbasierten Anlagen, die so gut wie keine Rendite mehr erwirtschaften. Finanzdienstleistern kommt deshalb die Aufgabe zu, für eine diversifizierte Vermögensstruktur zu werben und Anlegern Wege aufzuzeigen, wie sie risikokontrolliert in renditeträchtigere Anlageklassen investieren können. Dabei hat man noch einen weiten Weg vor sich: „Verglichen mit einem Marathonläufer sind wir gerade einmal aus dem Stadion raus“, sagte Reinke. Union Investment trägt dabei als genossenschaftliche Fondsgesellschaft insofern eine besondere Verantwortung, da viele genossenschaftliche Sparer zugleich auch Eigentümer ihrer Bank sind. „Deshalb müssen wir gemeinsam mit unseren Partnern in der genossenschaftlichen FinanzGruppe unsere Kunden bestmöglich dabei unterstützen, ihren hart erarbeiteten Wohlstand nachhaltig zu sichern und auszubauen“, schloss Reinke.

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