Düsseldorf (24.7.15) – Im anstehenden Sommerschlussverkauf winken hohe Rabatte: Im Durchschnitt wollen die Einzelhändler Preisnachlässe von durchschnittlich 24 Prozent gewähren – im vergangenen Jahr war das Rabattniveau mit 23 Prozent etwas niedriger. Vor allem aber steigt die Zahl der Händler, die überhaupt Rabattaktionen durchführen wollen: In diesem Jahr machen 60 Prozent der Händler beim Sommerschlussverkauf mit – vor einem Jahr waren es nur 44 Prozent.

Schnäppchenjäger dürften vor allem bei Sportartikeln, Schuhen und Bekleidung fündig werden – im Schnitt rechnen die Händler dort mit Rabatten zwischen 22 und 25 Prozent. Im Bereich Unterhaltungselektronik sollen Preisnachlässe von durchschnittlich 21 Prozent gewährt werden, bei Haushaltswaren hingegen nur 16 Prozent.

Ein Grund für die steigende Bereitschaft, Rabatte zu gewähren, dürften die zunehmenden Zweifel an der Konsumlaune der deutschen Verbraucher sein: Immerhin 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Rückgang der Shopping-Laune der Deutschen – vor einem Jahr waren nur sechs Prozent pessimistisch. Der Anteil der Optimisten liegt aktuell bei 20 Prozent – nach 33 Prozent im Vorjahr. Zudem steigt der Anteil der Unternehmen, die die Konsumbereitschaft der deutschen Verbraucher als gering bezeichnen, von sieben auf 17 Prozent. Aktuell bewerten nur noch 36 Prozent der Händler die eigene Geschäftslage als „gut“ – vor einem Jahr waren noch mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) zufrieden.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Handelsbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Für die Studie wurden Anfang Juli 2015 insgesamt 120 leitende Manager führender deutscher Handelsunternehmen befragt.

„Die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland ist  immer noch überaus positiv – die Einkommen steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Minizinsen machen Sparen unattraktiv und verleiten zu Konsum auf Pump“, betont Thomas Harms, Partner bei EY. „Allerdings drückt die Griechenland-Krise die Verbraucherstimmung, und aus wichtigen Märkten – allen voran den USA und China – kommen derzeit vor allem schlechte Konjunkturnachrichten.  Starke Kursschwankungen an den internationalen Finanzmärkten deuten auf wachsende Konjunkturrisiken hin“. Vor diesem Hintergrund setze der Handel offenbar verstärkt auf Rabatte: „Ein starker Sommerschlussverkauf soll zusätzlichen Schwung für das womöglich deutlich schwierigere zweite Halbjahr geben“, so Harms.

Immer mehr Rabattaktionen

Rabattaktionen haben aber inzwischen längst nicht mehr nur zum Sommer- oder Winterschlussverkauf Konjunktur: 83 Prozent der Händler führen im Lauf des Jahres Rabattaktionen durch – 27 Prozent bringen es sogar auf mehr als fünf Aktionen pro Jahr (Vorjahr: 23 Prozent). Und der Trend zu mehr Rabatten hält an: 18 Prozent der Händler wollen zukünftig häufiger Preisnachlässe geben – nur neun Prozent wollen die Zahl der Rabattaktionen zurückfahren.

„Die Kunden werden auch in diesem Jahr wieder erfolgreich auf Schnäppchenjagd gehen können – zumal in diesem Jahr bei noch mehr Händlern Sale-Schilder in den Schaufenstern stehen werden“, so Harms. „Rabattaktionen machen bei hohen Lagerbeständen Sinn und können – sofern sie klug umgesetzt werden – auch die Kundenbindung erhöhen“. Genau diesen Weg schlagen immer mehr Händler – aktuell 32 Prozent – ein, wenn sie die Preisnachlässe nur ausgewählten Kunden gewähren, also beispielsweise Besitzern von Kundenkarten. Ebenfalls im Kommen sind Rabatte via Smartphone: 28 Prozent der Händler nutzen bereits Online-Coupons, weitere 25 Prozent planen entsprechende Aktivitäten – laut Harms ein gutes Instrument, Schnäppchenjäger als Neukunden zu gewinnen und gleichzeitig das eigene Image zu modernisieren.

Wachstum mit Tablets, Flatscreens & Co

Die wichtigsten Absatztreiber der kommenden Monate dürften Unterhaltungselektronik und Baumarktartikel sein – in diesen Segmenten erwarten 58 bzw. 46 Prozent der Händler steigende Verkaufszahlen. Auch für Sportartikel (38 Prozent) sehen sie gute Chancen. Das Sorgenkind bleibt der Buchmarkt, dem zwar 24 Prozent der Händler Wachstum prognostizieren – 25 Prozent rechnen allerdings mit rückläufigen Absatzzahlen.

Und längst nicht alle Vertriebsformen profitieren gleichermaßen von der aktuellen Konsumlust der Verbraucher – vor allem bei Kaufhäusern und stationären Fachgeschäften ist die Branche skeptisch. So sehen 48 Prozent der Unternehmen schlechte Perspektiven für Kaufhäuser – nur 16 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Lage in diesem Segment.

Ebenfalls überwiegend kritisch beurteilt werden die Chancen stationärer Fachgeschäfte: 38 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Lage der Fachgeschäfte verschlechtern wird, 24 Prozent rechnen mit dem Gegenteil. Ganz anders lauten die Prognosen für den Internethandel: Nur fünf Prozent der Einzelhändler sind pessimistisch, 87 Prozent erwarten eine Fortsetzung des Online-Booms im Einzelhandel.

Online-Investitionen steigen deutlich an

Um am weiteren Wachstum des Online-Handels zu partizipieren, wollen die Händler vor allem ihre E-commerce bzw. Omni-Channel-Aktivitäten weiter ausbauen: Um durchschnittlich 3,8 Prozent sollen die Investitionen in diesem Bereich im kommenden Jahr zulegen.

In das Sortiment soll 1,7 Prozent mehr investiert werden, für Neubauten, Umbauten und Renovierungen soll 1,4 Prozent mehr Geld zur Verfügung stehen.

„Der Handel braucht immer mehr IT-Lösungen und -know-how. Vor allem mobile Webshops gewinnen rasant an Bedeutung, weil der Kunde jederzeit und überall darauf zugreifen möchte“, erläutert Harms. „Die Entwicklung guter Smartphone-Apps hat deswegen oft höchste Priorität – teilweise noch vor den Lösungen für Standard-Onlineshops. Gerade im Hinblick auf die Omni-Channel-Lösungen ist es dann aber unerlässlich, dass das Warenwirtschaftssystem optimal vernetzt wird. Das heißt, wenn der Kunde auf seinem Smartphone ein Produkt sieht, muss gewährleistet sein, dass er es in der nächsten Filiale abholen oder anprobieren kann.“