Frankfurt/Main (30.7.15) – Die Ersparnisbildung im Euro-Währungsgebiet erhöhte sich, während die Nettosachvermögensbildung sank. Die Nettosachvermögensbildung ging im Fall der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften und privaten Haushalte zurück und wies beim Sektor Staat und bei den finanziellen Kapitalgesellschaften weiterhin ein negatives Vorzeichen auf. Infolgedessen nahm der Finanzierungsüberschuss des Euroraums gegenüber der übrigen Welt weiter zu.
Gesamtwirtschaft des Euro-Währungsgebiets
Die Nettoersparnis im Euro-Währungsgebiet, d. h. die Summe der Ersparnis der privaten Haushalte, der Kapitalgesellschaften und des Sektors Staat nach Abzug von Abschreibungen, erhöhte sich als prozentualer Anteil am verfügbaren Einkommen (netto); so lag sie im ersten Quartal 2015 bei 4,8 %, verglichen mit 4,5 % im entsprechenden Vorjahrszeitraum. Die Nettosachvermögensbildung im Euroraum ging zurück (2,0 % nach zuvor 2,3 %, gemessen am verfügbaren Einkommen (netto)), da das Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen durch den Rückgang der Vorräte und die Zunahme der Abschreibungen mehr als ausgeglichen wurde. Die Nettovermögenstransfers gegenüber der übrigen Welt blieben im Großen und Ganzen stabil. Dementsprechend erhöhte sich der Finanzierungsüberschuss des Eurogebiets gegenüber der übrigen Welt gemessen am verfügbaren Einkommen (netto) auf 3,1 % (nach 2,5 % im ersten Jahresviertel 2014). Der Finanzierungsüberschuss der privaten Haushalte im Euroraum als prozentualer Anteil am verfügbaren Einkommen (netto) blieb im Wesentlichen gleich (3,5 % im Berichtsquartal, verglichen mit zuvor 3,4 %), während sich der Finanzierungsüberschuss der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften verringerte (von 1,4 % auf 1,0 %). Unterdessen erhöhte sich der Finanzierungsüberschuss der finanziellen Kapitalgesellschaften, wohingegen das Finanzierungsdefizit des Staates abnahm.
Private Haushalte
Die Jahreswachstumsrate des verfügbaren Einkommens (brutto) der privaten Haushalte war im ersten Jahresviertel 2015 höher als im Schlussquartal 2014 (2,0 % nach 1,5 %). Auch die jährliche Zuwachsrate des Bruttobetriebsüberschusses und des Selbstständigeneinkommens legte zu (1,4 % nach 0,0 %). Die Jahresänderungsrate des Arbeitnehmerentgelts blieb unverändert (2,3 %).
Die jährliche Änderungsrate der Konsumausgaben der privaten Haushalte fiel mit 1,7 % gegenüber dem vorangegangenen Dreimonatszeitraum (1,5 %) höher aus. Die Bruttosparquote des Sektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 12,7 % und blieb damit auf dem Stand des entsprechenden Vorjahrsquartals. Der Rückgang der Bruttosachvermögensbildung der privaten Haushalte verlangsamte sich von -0,5 % auf -0,1 %. Die Finanzierung der privaten Haushalte wies eine höhere Jahresänderungsrate auf als zuvor (0,7 % gegenüber 0,5 %), wobei die Rate der Kreditfinanzierung, der diesbezüglich wichtigsten Komponente, im Wesentlichen gleich blieb (0,0 %, verglichen mit 0,1 %).
Die Vorjahrsrate der Geldvermögensbildung der privaten Haushalte fiel höher aus als im Vorquartal (1,9 % nach 1,7 %). Bei den Komponenten war die jährliche Zuwachsrate von Bargeld und Einlagen weitgehend unverändert (2,8 % gegenüber 2,7 %). Die Jahresänderungsrate der Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen und Alterssicherungssystemen blieb mit 3,6 % auf dem Stand des Vorquartals. Das jährliche Wachstum der Anlagen in Anteilsrechten beschleunigte sich von 3,3 % auf 3,7 %. Die Anlagen in Schuldverschreibungen wiesen nach wie vor eine negative Jahreswachstumsrate auf (-20,1 % gegenüber -17,0 %), die darauf zurückzuführen war, dass Tilgungen und Verkäufe den Erwerb dieser Papiere überstiegen.
Die Zuwachsrate des Reinvermögens der privaten Haushalte erhöhte sich von 2,3 % auf 3,8 %, wobei das anhaltende Wachstum durch die Geld- und Sachvermögensbildung sowie die per saldo verzeichneten Bewertungsgewinne zu erklären ist, die höher als die Finanzierung ausfielen. Der Wert des Immobilienvermögens nahm stärker zu als im Vorquartal (1,3 % nach 0,7 %). Die Verschuldung der privaten Haushalte im Verhältnis zum BIP sowie im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen verringerte sich im ersten Jahresviertel 2015 auf 61,0 % nach 61,6 % im entsprechenden Vorjahrsquartal bzw. auf 94,7 % nach 95,5 %.
| Sparen der privaten Haushalte, Reinvermögensänderung und Verschuldung | |||||||||
| (in % des verfügbaren Einkommens, brutto (Verbrauchskonzept), auf Basis von über vier Quartale kumulierten Veränderungen) | |||||||||
| Q2 2013 | Q3 2013 | Q4 2013 | Q1 2014 | Q2 2014 | Q3 2014 | Q4 2014 | Q1 2015 | ||
| Sparquote (brutto) | 12,5 | 12,5 | 12,7 | 12,7 | 12,6 | 12,7 | 12,7 | 12,7 | |
| Reinvermögensveränderung | 12,0 | 11,1 | 11,4 | 14,2 | 17,6 | 15,3 | 11,6 | 19,2 | |
| Sachvermögensbildung (netto) | 1,4 | 1,4 | 1,2 | 1,3 | 1,3 | 1,2 | 1,2 | 1,1 | |
| Sachvermögensbildung (brutto) | 8,5 | 8,4 | 8,3 | 8,4 | 8,3 | 8,3 | 8,2 | 8,2 | |
| Abschreibungen (-) | 7,1 | 7,1 | 7,0 | 7,1 | 7,1 | 7,1 | 7,1 | 7,1 | |
| Geldvermögensbildung | 4,7 | 3,6 | 4,2 | 3,6 | 4,5 | 5,2 | 5,2 | 5,8 | |
| Finanzierung (-) | 0,5 | -0,2 | 0,0 | -0,3 | 0,4 | 0,8 | 0,5 | 0,8 | |
| Umbewertungen von Vermögenswerten und sonstige Veränderungen | 6,4 | 5,9 | 6,0 | 8,9 | 12,3 | 9,7 | 5,7 | 13,0 | |
| Verschuldung (Kredite, Bestand) | 97,2 | 96,8 | 96,0 | 95,5 | 95,5 | 95,0 | 95,1 | 94,7 | |
Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften
Die jährliche Zuwachsrate des Unternehmensgewinns (netto) der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften lag im positiven Bereich, nachdem sie im Vorquartal noch negativ gewesen war (0,8 % nach -0,3 %), und bei der Nettowertschöpfung war eine höhere Wachstumsrate zu verzeichnen (2,8 % nach 2,1 %). Die Sachvermögensbildung (netto) sank, da der Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen von den rückläufigen Vorräten und den zunehmenden Abschreibungen mehr als ausgeglichen wurde.
Die Finanzierung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften wies ein höheres jährliches Wachstum auf (1,5 % nach 1,1 %). Die jährliche Änderungsrate der Kreditfinanzierung war ebenfalls gestiegen (1,0 % gegenüber 0,8 %), da sich die Kreditvergabe durch MFIs ins Plus drehte, während die Kreditvergabe durch Nicht-MFIs eine niedrigere Wachstumsrate aufwies.1 Die Emission von Schuldverschreibungen nahm indessen stärker zu (4,0 % nach 3,3 %), ebenso wie die Finanzierung über Handelskredite (2,4 % nach 0,8 %). Die Verschuldungsquote erhöhte sich auf 135,3 %, verglichen mit 131,5 % im ersten Quartal 2014. Die Eigenkapitalfinanzierung wies eine höhere Wachstumsrate auf (1,7 % nach 1,2 %).
| Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften | |||||||||
| (in % der Nettowertschöpfung auf Basis von über vier Quartale kumulierten Veränderungen) | |||||||||
| Q2 2013 | Q3 2013 | Q4 2013 | Q1 2014 | Q2 2014 | Q3 2014 | Q4 2014 | Q1 2015 | ||
| Unternehmensgewinn∗ (netto)(gewöhnliche Geschäftstätigkeit) | 32,9 | 32,8 | 32,8 | 33,2 | 33,1 | 33,4 | 32,9 | 32,7 | |
| Sparen (netto) (einbehaltene Gewinne) | 1,8 | 2,7 | 3,1 | 3,5 | 3,2 | 3,2 | 2,6 | 2,7 | |
| Sachvermögensbildung (netto) | 2,0 | 2,2 | 2,3 | 2,5 | 2,5 | 2,5 | 2,5 | 2,4 | |
| Sachvermögensbildung (brutto) | 26,3 | 26,5 | 26,5 | 26,6 | 26,7 | 26,7 | 26,6 | 26,5 | |
| Abschreibungen (-) | 24,3 | 24,2 | 24,4 | 24,1 | 24,1 | 24,1 | 24,1 | 24,1 | |
| Geldvermögensbildung | 7,9 | 10,3 | 9,5 | 8,9 | 10,5 | 8,8 | 8,6 | 11,1 | |
| Finanzierung | 6,7 | 7,7 | 6,8 | 5,7 | 7,9 | 6,5 | 7,2 | 10,1 | |
| Verschuldung (Bestandgemessen am BIP) | 133,6 | 132,7 | 131,9 | 131,5 | 132,4 | 132,1 | 133,1 | 135,3 | |
* EZB-Schätzung.

Stay In Touch