Credimundi Risk Monthly: Kasachstan gibt Wechselkurs des Tenge frei

 

Wiesbaden (3.9.15) – „Die Auswirkungen des Ölpreisrückgangs – Öl macht rund 55 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen Kasachstans aus –, der Währungseinbrüche in Zentralasien sowie der schwachen Rohstoffpreise inmitten von Chinas Wirtschaftsabschwung zeigen sich immer deutlicher“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Direktor des belgischen Kreditversicherers Credimundi. Kasachstans Zentralbank hat sich daher dazu entschieden, eine neue inflationsgesteuerte Geldpolitik zu verfolgen. Kasachstan lässt den Kurs des Tenge floaten, anstatt ihn mit Deviseninterventionen in einem Währungskorridor zu halten. Der Tenge fiel daraufhin gegenüber dem US-Dollar um mehr als 25 Prozent und steht somit – ähnlich wie etwa die Türkische Lira, der Brasilianische Real oder der Südafrikanische Rand – unter Druck.

 

„Nichtsdestotrotz birgt dieser Schritt aber auch Chancen“ so Witte. „So kann sich der Tenge besser an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Kasachstans anpassen, womit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft verbessert wird.“ Darüber hinaus müssen die Behörden die Währung nicht mehr länger mithilfe der Devisenreserven stützen. Ein Risiko ist hingegen, dass der aktuell schwache Tenge das Geschäftsrisiko in Kasachstan erhöht. Er erschwert es den Unternehmen, die dem Währungsrisiko stark ausgesetzt sind, ihre Schulden in ausländischer Währung zurückzuzahlen. Zudem trifft der Währungseinbruch den stark dollarisierten Bankensektor, der sich noch immer von der schweren Bankenkrise 2008 erholt. „Der Zugang zu Krediten könnte somit versperrt werden“, sagt Witte. Ferner ist es wahrscheinlich, dass die Spannungen im Land zunehmen, da sich der Absturz des Tenge negativ auf die Inflation auswirkt. Während der letzten Abwertungsperiode im Februar vergangenen Jahres reagierte die Regierung mit einem zeitweiligen Preisstopp für Brot und Versorgungsdienste sowie einer Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Dienst, um soziale Unruhen zu verhindern.