Bad Orb( 12./13.9.15)/PK – Ich könnte es kurz machen: bei den 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen läuft’s rund. Es wird mehr gespart, mehr investiert. Und zwar erheblich mehr. In der Sprache des obersten Sparkassen-Chefs in Hessen-Thüringen, in der Sprache von Gerhard Grandke heißt dies: „Unsere Institute konnten sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten zum Teil deutlich zulegen.“ Und zwar in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Gerhard Grandke ist übrigens geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, kurz SGVHT.  – Deutlich mehr Sparen, deutlich mehr Kredite: darin spiegelt sich die gute Verfassung der Wirtschaft in Hessen und Thüringen wider. Denn die Sparkassen sind seit jeher so eng mit der heimischen Wirtschaft verwoben und mit ihr eine Symbiose eingegangen, dass der Zustand der Sparkassen ein unverfälschtes Bild der regionalen Zustände liefert. Ganz makellos ist dieses Bild freilich nicht.

 

Es hapert bei den Zinsen. Das notorisch niedrige Zinsniveau zehrt am Zinsüberschuss der hessisch-thüringischen Sparkassen. Daher erwartet Gerhard Grandke in diesem Jahr „ein leichtes Minus beim Zinsüberschuss“ von 1,7 Prozent.  Aber das sind lediglich kleine Schönheitsfehler. Denn, so Grandke auf der Pressefahrt am Wochenende in Bad Orb: „Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben im ersten Halbjahr 2015 ein ordentliches Ergebnis eingefahren.“

Wortkarg gab sich der ansonsten so redselige und eloquente Sparkassen-Präsident bei der Frage, welche Entwicklung sich bei den deutschen Landesbanken anbahnt. Seit langem wird über eine Fusion oder eine wie auch immer geartete engere Zusammenarbeit oder Verschmelzung mehrerer Landesbanken spekuliert. Viele Beobachter glauben nämlich, dass sich die bisherige Struktur der Landesbanken überholt habe. Grandke blieb an dieser Stelle zugeknöpft: „Zu Fusionen unter Landesbanken oder von Landesbanken mit der DekaBank habe ich nichts gesagt, weil es nichts zu sagen gibt.“ Natürlich gäbe es etwas zu sagen, doch das mochte Grandke eben nicht.

Dazu muss man wissen, dass der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen zu einem Gutteil an der Landesbank Hessen-Thüringen beteiligt ist, der Verband also dort das Gras wachsen hört.

Welches Bild der SGVHT von seinen Sparkassen und der regionalen Wirtschaft gezeichnet hat, steht in seiner jüngsten Pressemitteilung. Wir dokumentieren sie hier:

Sparkassen in Hessen und Thüringen: Geschäftliche Entwicklung im ersten Halbjahr 2015

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind gut ins Jahr 2015
gestartet. „In den ersten sechs Monaten haben wir im Kundengeschäft
sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten zum Teil deutlich
zugelegt. Richtig gut entwickelt hat sich auch das Neukreditgeschäft,
bei dem wir Rekordzuwächse verbuchen konnten. Auf der Ertragsseite
werden die Betriebsergebnisse 2015 laut Prognoserechnung zwar
sinken. Sie werden uns aber wieder genügend Raum lassen, um unsere
Kapitalreserven wie gewohnt aufzustocken“, zog Gerhard Grandke,
Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes
Hessen-Thüringen, eine positive Halbjahresbilanz.

Bilanzsumme wächst mit Kundengeschäft

Die Bilanzsumme der 50 Mitgliedsinstitute ist zum 30. Juni 2015
insgesamt um 521 Mio. € bzw. 0,5% auf 114,7 Mrd. € gestiegen.
Wachstumsimpulse gingen dabei aktivseitig vom Kundenkreditgeschäft
und den Wertpapiereigenanlagen aus, passivseitig von den
Kundeneinlagen. Dagegen haben die Sparkassen das Interbankengeschäft
auf beiden Seiten der Bilanz zurückgefahren.

Einen richtigen Sprung hat das Kundenkreditgeschäft der Sparkassen
gemacht. Die Ausleihungen an Kunden stiegen im ersten Halbjahr
2015 über alle Segmente hinweg um insgesamt 1,1 Mrd. € bzw. 1,7%
auf 67,4 Mrd. €. Im Vorjahreszeitraum war lediglich ein Plus von 0,3%
angefallen. Auch für das Gesamtjahr 2015 stehen die Zeichen für ein
ordentliches Bestandswachstum gut. „Unser Neugeschäft ist förmlich
nach oben geschossen. Die Darlehensauszahlungen haben sich im
Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um 13,6%, die Darlehenszusagen
sogar um 21,7% verbessert. Die Frühindikatoren sehen also richtig gut
aus“, zeigte sich Grandke für die Zukunft optimistisch.“

Zusagen bei Firmenkundenkrediten mit Rekordzuwachs

Besonders hoch fiel der Bestandszuwachs wieder bei den
Ausleihungen an Unternehmen und Selbständige aus, die in den ersten
sechs Monaten des Jahres 2015 mit 657 Mio. € bzw. 2,3% fast doppelt
so stark zulegten wie im Vorjahreszeitraum. Auch bei den Neuabschlüssen
war das Firmenkundenkreditgeschäft ein klarer
Wachstumstreiber. Die Darlehensauszahlungen und die Darlehenszusagen
stiegen um 16,7% bzw. 23,3%. „Solche Steigerungsraten –
und zwar von einem ohnehin sehr hohen absoluten Niveau aus – hatten
wir schon lange nicht mehr. Sie sind einmal das Resultat der stabilen
konjunkturellen Lage, die wir derzeit haben. Gleichzeitig kommt in
ihnen die große Zuversicht zum Ausdruck, mit der die Unternehmen
hierzulande in die Zukunft blicken – ungeachtet aller geopolitischen
Krisen, dem Drama um Griechenland und der sich offensichtlich
eintrübenden Weltwirtschaft“, betonte Grandke.

Auch mit dem Kreditgeschäft mit Privatkunden können die Sparkassenin Hessen und Thüringen im ersten Halbjahr 2015 zufrieden sein. Die
Ausleihungen gingen hier dank eines starken Baufinanzierungsgeschäfts
insgesamt um 315 Mio. € bzw. 1,1% nach oben. Ein Ende
dieses Trends ist nicht in Sicht. So verbesserten sich die Zusagen bei
den Wohnungsbaukrediten im selben Zeitraum um fast 31%. Ein
Bestandsplus war auch bei den Ausleihungen an die öffentlichen
Haushalte zu verbuchen. Sie stiegen um 65 Mio. € bzw. 1,0%.

Sparkassen werben mehr Einlagen ein

Auf Wachstumskurs waren im ersten Halbjahr 2015 auch die
Verbindlichkeiten gegenüber Kunden. Sie verbesserten sich um
568 Mio. € bzw. 0,6% auf 88,9 Mrd. €. Im Vorjahreszeitraum war noch
ein Minus von 0,4% zu Buche geschlagen. „Diese Entwicklung zeigt,
dass wir im Einlagengeschäft konkurrenzfähig aufgestellt sind. Im Niedrigzinsumfeld wachsen auch bei unseren Wettbewerbern die
Bäume nicht mehr in den Himmel. Unsere Sparkassen haben bei ihren
Einlagenkonditionen immer betriebswirtschaftlich sauber kalkuliert. Es
ist gut, dass die Dauerniedrigzinsphase nun auch die anderen zur
Räson bringt, die das bisher nicht gemacht haben“, hob Grandke
hervor.

Klare Strukturverschiebung zugunsten kurzfristiger Einlagen

Das seit der Finanzkrise deutlich gesunkene Zinsniveau hat auch bei
den Sparkassen in Hessen-Thüringen zu einer deutlichen Strukturverschiebung
zwischen den einzelnen Einlagenarten geführt.
Nutznießer dieser Entwicklung sind die Täglich fälligen Gelder, die sich
seit Mitte 2007 von gut 28 Mrd. € auf über 56 Mrd. € verdoppelt haben.
Dieser Trend hält ungebremst an. Zwischen Januar und Juni 2015
haben bei den Sparkassen im Verbandsgebiet einzig die Täglich
Fälligen zugelegt (+3,7%), während Spareinlagen (-1,8%),
Eigenemissionen (-13,1%) und Termingelder (-14,4%) zurückgingen.

Wertpapierumsätze im Kundengeschäft steigen deutlich

Vor der Kulisse der Dauerniedrigzinsphase gewannen im Kundenwertpapiergeschäft
Anlagen mit größeren Renditechancen deutlich an
Attraktivität. Die Aktienkäufe der Sparkassenkunden legten im ersten
Halbjahr 2015 um knapp ein Drittel zu, die Käufe von Investmentfonds
sogar um fast zwei Drittel. Wenig gefragt waren dagegen
festverzinsliche Wertpapiere, bei denen die Käufe um ein Viertel
zurückgingen und die Verkäufe um über 40% zunahmen. Vor allem
wegen dieser Entwicklung bei den Festverzinslichen fiel der gesamte
Nettoabsatz als Saldo von Käufen und Verkäufen zur Jahresmitte 2015
mit 76 Mio. € leicht negativ aus. Die Umsätze im Kundenwertpapiergeschäft
zogen dagegen insgesamt um fast 28% an. Gewohnt solide hat sich die Eigenkapitalausstattung der Sparkassen in Hessen und Thüringen entwickelt. Die anrechenbaren Eigenmittel
stiegen bis Ende Juni 2015 um 3,8% auf insgesamt 11,1 Mrd. €. Die
Kernkapitalquote der Institute verbesserte sich auf 18,1%.

Ertragsprognose 2015: Betriebsergebnisse unter Vorjahreswert

Laut Prognosesystem wird das Betriebsergebnis vor Bewertung der
Sparkassen in Hessen und Thüringen 2015 niedriger ausfallen als im
Vorjahr. Beim Zinsüberschuss wird mit einem leichten Rückgang
gerechnet, beim Provisionsüberschuss und beim Verwaltungsaufwand
mit einem Zuwachs.

Grandke: Auskömmliches Betriebsergebnis nach Bewertung

Auch das Betriebsergebnis nach Bewertung wird 2015 wohl unter dem
Vorjahresniveau liegen, da sich die damalige Sondersituation eines
positiven Bewertungsergebnisses nicht wiederholen wird. „Die
Belastung beim Bewertungsergebnis dürfte sich aber in Grenzen
halten. Es gibt derzeit keinen Grund, warum die Risikovorsorge im
Kreditgeschäft angesichts der robusten Verfassung des Mittelstandes
im laufenden Jahr signifikant höher ausfallen sollte. Und auch der
Abschreibungsbedarf bei den Wertpapieren wird nicht übermäßig
höher sein, zumal der leichte Zinsanstieg vom Frühsommer schon
wieder der Vergangenheit angehört. Wir rechnen deshalb für 2015 mit
einem niedrigeren, gleichwohl aber immer noch sehr auskömmlichen
Betriebsergebnis nach Bewertung“, schloss Grandke.