Frankfurt/Main (16.9.15) – Wird die amerikanische Notenbank, die Fed, nun zum ersten Mal seit fast zehn Jahren die Leitzinsen erhöhen?
Über diese Frage grübeln seit Wochen, nein, seit Monaten viele Finanzmarktakteure. Auch Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft, Allianz Global Investors (AGI) . Für Franck Dixmier steht fest: die Fed wird die Leitzinsen erhöhen. Noch in diesem Jahr. Wir veröffentlichen hier seinen Kommentar.
„Die Federal Reserve hat sehr gute Gründe, vor dem Jahresende 2015 die Leitzinsen anzuheben:
- in den USA herrscht Vollbeschäftigung
- die Lage auf dem Immobilienmarkt ist gut
- das Konsumklima befindet sich auf dem höchsten Niveau seit langem.
In diesem Zusammenhang ergibt es keinen Sinn, die Nullzinspolitik noch lange beizubehalten. Erfahrungsgemäß dauert es etwa 12 bis 18 Monate, bis sich geldpolitische Maßnahmen auf die Realwirtschaft auswirken. Aus diesem Grund wäre es unseres Erachtens sogar ein Risiko, zu lange mit Zinserhöhungsschritten zu warten. Denn die Fed muss wachsenden Lohn-Preisdruck antizipieren und sich rechtzeitig Handlungsspielraum verschaffen, bevor der Konjunkturzyklus zu weit fortgeschritten ist.
Vor allem aber muss der Fed daran gelegen sein, dass keine Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen. Während die Notenbank großen Wert auf die sogenannte Forward Guidance legt, also auf eine transparente Kommunikation zur Steuerung der Markterwartungen, wurde deren Wirksamkeit zuletzt durch widersprüchliche öffentliche Stellungnahmen einiger Mitglieder unterminiert. Da die Zentralbank seit mehr als einem Jahr von einer Normalisierung der Geldpolitik spricht, stellen die Unsicherheiten im Zusammenhang mit ihrem Handeln ein Risiko für ihre Glaubwürdigkeit dar.
In diesem Zusammenhang würde es uns nicht überraschen, wenn die Fed bereits in ihrer dieswöchigen Sitzung die Zinsen anheben würde. Auf jeden Fall sollte ein erster Zinsschritt noch im laufenden Jahr erfolgen. Angesichts der aktuellen Markterwartungen einer späteren Zinserhöhung würde ein Agieren in dieser Woche sicherlich kurzfristig für erhöhte Volatilität an den Märkten sorgen. Mittelfristig wäre die damit verbundene Beendigung der Unsicherheit aber nur von Vorteil.“


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