Frankfurt/Main (18.9.15) – Wie werden kleinere und mittilgroße Banken und Sparkassen mit den extrem niedrigen Zinsen auf Dauer fertig? – Diese Frage haben die deutsche Finanzaufsicht Bafin und Deutsche Bundesbank mit einem Streßtest beantwortet. Beide,  Bafin und Deutsche Bundesbank beaufsichtigen kleinere und mittelere Banken unmittelbar. Die 120 größten Institute in der Euro-Zone stehen hingegen unter der Aufsicht der EZB. – Das Ergebnis des Bafin-Bundesbank-Stresstests klingt nicht gerade ermutigend. Bei der Bafin heißt es: “ Die Umfrage hat gezeigt, dass die anhaltend niedrigen Zinsen die deutschen Kreditinstitute in allen abgefragten Szenarien über einen Zeitraum von fünf Jahren deutlich belasten. Die meisten Institute sind jedoch angesichts des vorhandenen Überschusskapitals und verfügbarer stiller Reserven widerstandsfähig gegenüber den Belastungen aus dem Niedrigzinsumfeld. Zu diesem Ergebnis kommt die bisher umfangreichste Umfrage von Deutscher Bundesbank und BaFin unter rund 1.500 kleineren und mittelgroßen deutschen Kreditinstituten, auch Less Significant Institutions genannt.“ Die 21 großen deutschen Institute, die unter der direkten Aufsicht der Europä-ischen Zentralbank stehen, waren nicht Gegenstand der Umfrage.

In der im Anschluss an die Pressekonferenz von Bafin und Deutscher Bundesbank am Mittag verbreiteten Pressemitteilung warnt der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Andreas Dombret : „Wir beurteilen die Ergebnisse in allen abgefragten Zinsszenarien als durchaus besorgniserregend“. Das gelte besonders bei konstanten oder sinkenden Zinsen und sogar beim Szenario eines Zinsanstiegs. „Angesichts dieser Ergebnisse wäre ein Aussitzen der derzeitigen Lage für die befragten Kreditinstitute verantwortungslos, für manche davon ja sogar gefährlich“, sagte Dombret weiter. Daher gelte es, auf Seiten der Banken früh-zeitig Gegensteuerungsmaßnahmen zu ergreifen. Dennoch gibt es auch einen beruhigenden Aspekt: „Die meisten Banken haben mittlerweile genügend Speck angelegt, um die Niedrigzinsphase überstehen zu können“, erklärte Raimund Röseler, BaFin-Exekutivdirektor Bankenaufsicht. „Wir werden dafür sorgen, dass die Reserven für den Krisenfall auch zur Verfügung stehen. Wenn es im Einzelfall notwendig ist, werden wir dazu geeignete Maßnahmen ergreifen“, führte Röseler weiter aus.

Die Aufseher haben mit den Ergebnissen der Umfrage einen umfassenden Einblick in die Ertragsaussichten deutscher Kreditinstitute gewonnen. So las-sen sich potenzielle Risiken bei einzelnen Kreditinstituten frühzeitig erkennen. Die Erhebung basiert auf fünf Zinsszenarien: Zum einen wurden institutseige-ne Plan- und Prognosedaten erhoben. Zum anderen mussten die Kreditinstitu-te für vier vorgegebene Zinsszenarien Ergebnis-Simulationen durchführen.
Mit Blick auf die zunehmenden Belastungen durch das Niedrigzinsumfeld rechnen die Kreditinstitute bis 2019 im Aggregat damit, dass die Ergebnisse vor Steuern um rund 25 % sinken werden – und das trotz derzeit günstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie geplanter Kostensenkungen. Bei zwei von vier der vorgegebenen Zinsszenarien gehen die Ergebnisse im Ag-gregat um mehr als 50 % zurück, bei einem davon sogar um 75 %.
Das Ergebnis zeigt außerdem, dass mit einem deutlichen Rückgang der Er-gebnisse zu rechnen ist, wenn das Niedrigzinsumfeld weiter anhält. Dies ist im Wesentlichen auf den Rückgang der Margen auf der Passivseite zurückzufüh-ren, zum Beispiel bei den Spar- und Sichteinlagen.
Um die Auswirkung einer Verschlechterung der Kreditqualität auf die Kapital-ausstattung der Kreditinstitute abzuschätzen, wurde die Umfrage zudem um Kredit- und Marktrisiko-Stresstests ergänzt . Dabei wurde deutlich, dass die Institute seit 2011 in geringem Umfang risikoreichere Anla-gen im Bestand haben und ihre durchschnittliche Restlaufzeit im Eigenge-schäft ausweiten. Dadurch kommt es zu höheren Kreditausfall- und Marktrisi-ken. Bei den meisten Kreditinstituten sind jedoch ausreichend stille Reserven vorhanden, um die Stresseffekte sowohl beim Kreditausfall- als auch beim Marktrisiko abfedern zu können.
Die deutsche Aufsicht wird besonders anfällige Kreditinstitute einem intensi-ven Monitoring unterziehen und – wenn notwendig – Maßnahmen ergreifen, um deren Widerstandsfähigkeit zu stärken. Für die Institute gilt: Sie müssen mittel- bis langfristig ihre Strategien auf den Prüfstand stellen, vor allem Häu-ser mit zinslastigen Geschäftsmodellen.