Bundesbank: Zur jüngeren Entwicklung der Buchkredite an nichtfinanzielle Unternehmen im Euro-Raum
Frankfurt/Main (21.9.15) – Im Gefolge der Finanz- und Staatsschuldenkrise kam es zu einem Einbruch der Buchkreditvergabe der Banken an nichtfinanzielle Unternehmen im Euro-Raum. Das Eurosystem reagierte darauf mit einer Reihe geldpolitischer Sondermaßnahmen. Ab Mitte 2013 stabilisierte sich die Kreditentwicklung, seit Herbst 2014 hat sie sich spürbar erholt. Allerdings verbergen sich hinter den aggregierten Daten nach wie vor größere länderspezifische Unterschiede. Der vorliegende Aufsatz beschreibt den länderübergreifenden Erholungsprozess und untersucht die Gründe für die bis zum aktuellen Rand anhaltenden Unterschiede im Kreditwachstum der vier großen Mitgliedsländer.
Allen vier Ländern ist gemein, dass eine – mehr oder weniger weit fortgeschrittene – konjunkturelle Erholung mittlerweile das Kreditwachstum treibt. Weitergehende Analysen deuten allerdings darauf hin, dass die Kreditvergabe in Spanien und möglicherweise auch in Italien bis zum aktuellen Rand gemessen an den historischen Regelmäßigkeiten schwächer ist, während die Kreditvergabe in Deutschland und Frankreich im Einklang mit bislang beobachteten Mustern verläuft. Zu den Ursachen für diese Unterschiede zählen insbesondere die Notwendigkeit für den nichtfinanziellen Privatsektor, vor der Krise aufgebaute Schuldenüberhänge abzubauen, sowie die Belastungen der Bankensysteme durch die Krise.
Während beide Faktoren für die schwache Kreditdynamik in den Peripherieländern in den letzten Jahren von Bedeutung waren, dürfte sich ihr Einfluss am aktuellen Rand jedoch spürbar abgeschwächt haben. So hat sich der Schuldenüberhang des spanischen Unternehmenssektors seit dem Jahr 2012 deutlich zurückgebildet, was am aktuellen Rand zusätzlich durch den kräftigen konjunkturellen Aufschwung unterstützt wird. Ferner deuten die verfügbaren Indikatoren in ihrer Gesamtheit darauf hin, dass der Einfluss negativer bankseitiger Faktoren auf die Kreditvergabe in Italien und Spanien mittlerweile deutlich zurückgegangen ist. Allerdings belastet der weiterhin hohe Bestand notleidender Kredite in beiden Ländern nach wie vor die Ertrags- und Eigenkapitalsituation der Bankensysteme. Der Abbau dieser Verwundbarkeiten fällt in die Verantwortung der Banken sowie der Bankenaufsicht und der Fiskalpolitik.
Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2014
Trotz des auch im Jahr 2014 andauernden Niedrigzinsumfeldes entwickelte sich die operative Ertragslage deutscher Banken erneut robust. Dabei wirkten sich die günstigen Refinanzierungsbedingungen und das realwirtschaftliche Umfeld positiv aus. Hingegen belasteten die Vorbereitungsarbeiten für den Eintritt in die EU-Bankenunion sowie für die Implementierung neuer Meldeanforderungen die Kostenseite. So hatte die EZB als zukünftige direkte Aufsichtsbehörde über die als systemrelevant eingestuften Kreditinstitute des Euro-Raums eine umfangreiche Prüfung der Werthaltigkeit der Aktivseite der Bankbilanzen und einen Stresstest durchgeführt. Den deutschen signifikanten Banken wurde im Ergebnis eine ausreichende regulatorische Eigenkapitalausstattung bescheinigt.
Insgesamt stieg das operative Ertragsniveau bei rückläufiger Bilanzsumme moderat auf 121,5 Mrd €. Dabei verbesserte sich vor allem der Zinsüberschuss, die wichtigste operative Ertragskomponente, deutlich. Eine erhöhte Fristentransformation, eine spürbare Volumenausweitung der Kreditvergabe sowie erheblich gesunkene Refinanzierungskosten trugen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Der Spielraum für zukünftige Margenstabilisierungen dürfte aber aufgrund des mittlerweile sehr niedrigen Niveaus der Zinsaufwendungen zunehmend begrenzt sein. So bieten die nahe an der Null-Prozent-Grenze liegenden Einlagenzinssätze nicht zuletzt aus geschäfts- und wettbewerbspolitischer Sicht für eine weitere Absenkung nur noch wenig Möglichkeiten. Insbesondere die weiterhin geringen Kosten für die Kreditrisikovorsorge haben sich als Stützpfeiler der Ertragslage gezeigt. Der Jahresüberschuss erhöhte sich erheblich auf 24,2 Mrd €. Bei gleichzeitig gestärkter Eigenkapitalbasis verbesserte sich die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern auf 5,7 %. Vor allem als Folge von Rücklagenauflösungen zur Kompensation hoher Verlustvorträge bei einzelnen Banken verblieb erstmals seit dem Jahr 2007 mit 1,8 Mrd € per saldo wieder ein Bilanzgewinn.

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