Wirtschaftsweise Professorin Dr. Isabel Schnabel zu Gast im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten - Foto:PK

Wirtschaftsweise Professorin Dr. Isabel Schnabel zu Gast im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten – Foto:PK

Frankfurt/Main (22.9.15)/PK – Wann wird die amerikanische Notenbank, die Fed, die Leitzinsen nun endlich erhöhen? Welche Auswirkungen hat das umstrittene Quantitative Easing-Programm der Europäischen Zentralbank? Und: welche volkswirtschaftlichen Folgen erwachsen aus dem Flüchtlingsdrama? — Die Fragen, um die es am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) ging, lagen auf der Hand. Zu Gast war Professorin Dr. Isabel Schnabel, eine ausgewiesene Finanzmarktspezialistin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bankenregulierung und Finanzkrisen. Seit vergangenem Jahr fließt ihr volkswirtschaftliches Wissen in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein, seitdem ist die Mutter dreier Kinder also  Mitglied der Wirtschaftsweisen. Überraschendes hatte sie am Montagabend dennoch kaum zu bieten.

Beim Blick auf das Vorgehen der US-Notenbank etwa stellte Schnabel ledigtlich fest, dass es falsch gewesen sei, die Leitzinsen jetzt noch nicht zu erhöhen. Das haben viele andere Finanzmarktbeobachter längst auch schon gesagt. Der Zins-Schritt nach oben sei, so Schnabel,  nur mit Rücksicht auf die Lage in den Schwellenländern unterlassen worden. Nun bestehe die Gefahr, dass eine zu lange herausgezögerte Zinserhöhung zu massiven Problemen bei Banken führe. Nicht nur in den USA, sondern auch in der Euro-Zone. Die sei freilich noch weit davon entfernt, zu einem normalen Zinsniveau zurückzukehren. Tja, was aber ein normales Zinsniveau sei, wo das „natürliche Zinsniveau“ liege, das sei unter Volkswirtschaftlern umstritten. Man stochere im Nebel.

Als ausgemacht gilt für die in Mainz lehrende Professorin Isabel Schnabel, dass der Extrem-Niedrig-Zins-Kurs der Europäischen Zentralbank die Zinsmargen der Banken schmälere. Daher gerieten über kurz oder lang jene Kredithäuser in die Bredouille, deren Geschäft in erster Linie auf Zins-Erträgen basiere. Isabel Schnabel sieht vor allem Sparkassen und Volksbanken gefährdet. — Auch dies keine neue Erkenntnis. — Nicht neu auch der professorale Hinweis, dass Lebensversicherungen durch die Extrem-Niedrig-Zins-Politik der EZB in Schwierigkeiten gerieten. Ihr Geschäftsmodell wanke. Und schließlich die Feststellung: Die Extrem-Niedrig-Zins-Phase führe zu sozialer Umverteilung. Sparer zögen den Kürzeren. Ach!

Und wie steht’s mit den Folgen des Flüchtlingsdramas aus? (Vielleicht sollte man besser von Vertriebenendrama sprechen?) — Diese Frage sei wissenschaftlich seriös noch nicht zu beantworten. Die meisten Flüchtlinge seien jung und  männlich. „Also genau das, was die Wirtschaft braucht.“ Aber, so schränkte Isabel Schnabel ein: „Nicht alle syrischen Flüchtlinge sind Ärzte.“ Nicht alle seien hochqualifiziert.

Die Wirtschaftsweise Schnabel riet, alle Flüchtlinge, die gute Chancen hätten, Asyl zu erhalten, so schnell wie möglich zu qualifizieren und damit zu integrieren. „Hier darf keine Zeit verschenkt werden.“  Im übrigen sei sie „extrem enttäuscht“ darüber, dass Europa das Flüchtlingsproblem nicht hinkriegt. Es habe offenbart, „dass Europa noch längst nicht soweit ist, wie erhofft.“