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Lobt den Kurs des extrem billigen Geldes der Europäischen Zentralbank: KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner – Foto: PK

Frankfurt/Main (27.10.15)/PK – Den deutschen Mittelstands-Firmen geht’s gut. Sie investieren wieder mehr, stellen mehr Mitarbeiter ein und verbuchen auch noch höhere Gewinne. Dies ist die Kernbotschaft des Mittelstandspanels 2015 der bundeseigenen KfW-Bankengruppe. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner hielt den Ball dennoch flach und verfiel nicht in Überschwang. Stattdessen stellte Zeuner eher zurückhaltend und vorsichtig heute Vormittag vor der Presse fest: „Der Mittelstand kommt allmählich aus der Deckung“.

Weil der deutsche Mittelstand ein diffuses Gebilde mit Firmen ganz unterschiedlicher Größe ist, unterschiedet die KfW in ihrem Mittelstandspanel zwischen kleinen Firmen mit weniger als fünf Beschäftigten und großen Mittelstandsfirmen mit mehr als 50 Mitarbeitern. Dieser Unterschied ist deshalb von Bedeutung, weil die kleinen Mittelständler eher weniger investieren, die Großen dafür umso mehr, so dass unter dem Strich im vergangenen Jahr rund 202 Milliarden Euro für Investitionen ausgegeben wurden: 6 Prozent mehr als 2013. Für die Konjunktur ermutigend ist es, dass die untersuchten Firmen im Jahr 2014 etwa 10 Prozent mehr Geld für Neu-Investitionen ausgeben haben. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner wertet dies als Zeichen der wachsenden Zuversicht und des Vertrauens in die konjunkturelle Entwicklung. Vom wachsenden Flüchtlingsstrom erwartet Zeuner zunächst vor allem starke Impulse im Bildungsbereich.

Den Kurs der Europäsischen Zentralbank hält Jörg Zeuner für richtig. Er wüßte nicht, was EZB-Präsident Mario Draghi hätte anders machen sollen. Die Europäische Zentralbank hat nicht nur die Leitzinsen so tief gesenkt wie noch nie, sondern sie pumpt über den Kauf von Anleihen auch noch Monat für Monat Milliarden-Gelder in den Wirtschafts-Kreislauf, um auf diese Weise die Inflation auf das von ihr für sinnvoll erachtete Niveau von knapp zwei Prozent zu hieven. Seit langem liegt die Inflation weit darunter.

Dem deutschen Mittelstand kommen die niedrigen Zinsen freilich zugute. Seine Aufwendungen für Kreditzinsen sind erheblich gesunken. Und dank des extrem niedrigen Zinsniveaus finanziert der Mittelstand seine Investitionen vermehrt über Kredite. Die Nachfrage nach Investitionskrediten stieg daher 2014 um 8 % (9 Mrd. EUR). Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstands leidet darunter nicht. Im Gegenteil, die durchschnittliche Eigenkapitalquote ist 2014 noch einmal um 1,1 Prozentpunkte auf mittlerweile 29,7 % angestiegen. Das liegt auch daran, dass der Mittelstand sehr profitabel agiert. Die durchschnittliche Umsatzrendite steigt um 0,3 Prozentpunkte auf ein Allzeithoch von 7 % im Jahr 2014.

Dabei werden die Unternehmen kaum noch produktiver. Mit 509.000 neuen Arbeitsplätzen im Jahr 2014 beschäftigt der Mittelstand 68 % der Erwerbstätigen (29,1 Millionen). Das Umsatzwachstum (+3,3 % im Jahr 2014) bleibt zu schwach, um diese Entwicklung mitzutragen: Der Umsatz pro Mitarbeiter sinkt 2014 leicht um rund 1 %. Speziell die bisherigen Produktivitätstreiber verzeichnen Einbußen: Sowohl bei großen KMU mit 50 oder mehr Beschäftigten (-8 %) als auch bei KMU des forschungs- und entwicklungsintensiven – Verarbeitenden Gewerbes (-17 %) dreht die Entwicklung der Produktivität deutlich ins Minus.

Ein Grund dafür ist, dass der Auslandsumsatz der KMU 2014 im dritten Jahr in Folge auf aktuell 534 Mrd. EUR (-2 %) gesunken ist, während die Gesamtexporte deutscher Unternehmen gestiegen sind (+3,7 %). Das liegt hauptsächlich an der schwachen Konjunktur in Europa. Für KMU bleibt die Internationalisierung über die europäischen Grenzen hinaus eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist ein starkes Europa.
Erfreulich ist, dass die Unternehmen vor dem Gang ins Ausland keine Angst haben. 2014 waren mehr KMU auf internationalen Märkten aktiv als im Vorjahr (23 % ggü. 20 % im Jahr 2013).

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bilanzierte das Ergebnis des diesjährigen Mittelstandspanels: „Die Investitionslokomotive kommt in Schwung: Die Investitionen sind so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Die kleinen Unternehmen reagieren damit zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage, die anhalten sollte. Zugleich wirkt die Geldpolitik stimulierend. Für Euphorie gibt es aber keinen Anlass. Noch viel mehr Unternehmen müssten investieren, um langfristig in der Spur zu bleiben. Dafür braucht es neue Impulse. Der Staat spielt hier als größter Investor vor Ort durchaus eine Vorreiterrolle.“ Zudem gelte es noch immer den anstehenden Generationenwechsel im Mittelstand in den Griff zu bekommen: „Das Problem ungeklärter Nachfolgeregelungen wird immer drängender. Zuletzt waren bereits Chefs von 618.000 mittelständischen Unternehmen auf Nachfolgersuche“, so Zeuner weiter. „Nicht zuletzt braucht der Mittelstand ein dynamisches Europa, da der Weg ins weitere Ausland für viele Unternehmen erst beginnt.“