Stuttgart (27.12.15) – Deutschlands Top-Unternehmen sind auf Wachstumskurs: Die 100 umsatzstärksten deutschen börsennotierten Konzerne konnten ihren Gesamtumsatz in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um 8,2 Prozent auf 1.178 Milliarden Euro erhöhen. Die große Mehrheit der Unternehmen (81 Prozent) verzeichnete ein Umsatzwachstum, nur knapp jedes fünfte Unternehmen setzte weniger um als im Vorjahreszeitraum.
Beherrscht wird das Umsatzranking von den Autobauern: Vier der zehn umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands sind Autokonzerne, mit Volkswagen und Daimler führen zwei Unternehmen dieser Branche das Ranking an.
Während die Umsatzkurve steil nach oben geht, zeigt die Gewinnentwicklung der deutschen Top 100 ebenso deutlich nach unten: Der Gesamtgewinn (EBIT) der 100 Unternehmen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,8 Prozent von 82,5 auf 74,4 Milliarden Euro – vor allem als Folge des Gewinneinbruchs der drei DAX-Schwergewichte Deutsche Bank, Eon und Volkswagen, die im dritten Quartal hohe Abschreibungen bzw. Rückstellungen vornahmen und Milliarden-Verluste auswiesen. Die Mehrheit der Unternehmen – 65 Prozent – verzeichnete hingegen einen Gewinnanstieg.
Die höchsten Gewinne fuhren ebenfalls zwei Automobilkonzerne ein: Daimler und BMW führen mit 10,3 bzw. 7,4 Milliarden Euro das Gewinnranking an. Mit Audi (4,0 Milliarden Euro), Volkswagen (3,3 Milliarden Euro) und Continental (3,2 Milliarden Euro) können sich noch drei weitere Automobilunternehmen unter den Top 10 der gewinnstärksten Unternehmen Deutschlands platzieren.
Mehr als die Hälfte der 100 größten börsennotierten Unternehmen nach Umsatz kommen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen; dort haben 27 bzw. 26 Konzerne ihren Hauptsitz. Stark vertreten unter den Top 100 ist außerdem Baden-Württemberg mit 15 Unternehmen. Die Umsatzentwicklung der Unternehmen aus dem Südwesten (plus 13 Prozent) war dabei besser als die der Unternehmen aus Bayern (plus 11 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (plus 5 Prozent).
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Entwicklung der 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen Deutschlands im Zeitraum Januar bis September 2015 durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young).
„Deutschlands Top Konzerne sind derzeit mehrheitlich gut aufgestellt und profitieren von der Konjunkturerholung in Europa und der starken Nachfrage aus den USA“, stellt Thomas Harms, Partner bei EY, fest. „Massiven Rückenwind bekommen sie dabei allerdings von der Währungsentwicklung. Der schwache Euro lässt deutsche Produkte im Ausland günstiger werden, und im Ausland erzielte Umsätze werden bei der Umrechnung in die Gemeinschaftswährung deutlich aufgewertet. Diese Entwicklung dürfte auch im kommenden Jahr anhalten: Eine Zinswende in den USA und Großbritannien ist wahrscheinlich und wird den Euro weiter unter Druck setzen und gerade der exportstarken deutschen Industrie auf den Weltmärkten zugutekommen.“
Offenbar konnten die meisten Unternehmen die schwache Entwicklung in den Schwellenländern – auch in China – bislang gut verkraften. Allerdings rechnet Harms für das kommende Jahr mit erheblichen Risiken für die deutschen Unternehmen: „Die massiven Schwankungen bei Aktienkursen, Währungen und Rohstoffpreisen zeigen, dass die Weltwirtschaft von einer stabil positiven Entwicklung derzeit noch weit entfernt ist. Die erwartete Zinswende in den USA könnte gerade in den Schwellenländern für zusätzliche Probleme sorgen. Fest steht: Die aktuelle konjunkturelle Situation ist fragil. Und Deutschlands Top-Konzerne tun gut daran, weiter an ihrer Flexibilität und Effizienz zu arbeiten und sich auf Gegenwind einzustellen“.
IT-Branche weiter nur schwach vertreten
Auffallend ist, dass das Ranking der umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands nach wie vor von Unternehmen der „Old Economy“ dominiert wird: Insgesamt 28 der 100 Unternehmen stammen aus der Industrie – etwa dem Maschinenbau –, hinzu kommt der Automobilsektor mit elf Unternehmen. Der IT-Branche sind hingegen nur sechs Unternehmen zuzurechnen.
Zum Vergleich: In den USA sind unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen gleich 14 IT-Konzerne. Der iPhone Hersteller Apple liegt im US-Umsatzranking sogar auf dem zweiten Platz – hinter dem Handelskonzern Wal-Mart. Auf der anderen Seite finden sich unter den 100 umsatzstärksten US-Konzernen gerade einmal drei Unternehmen aus der Automobilindustrie.
„Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht nach wie vor auf dem industriellen Sektor, vor allem der Autobranche und dem Maschinenbau“, sagt Harms. „Die Industrie hat mit ihren Produkten ‚Made in Germany‘ zum weltweit bekannten und geschätzten Gütesiegel gemacht. Im Bereich Informationstechnologie oder Kommunikation konnten sich hingegen nur wenige Unternehmen etablieren, die in der internationalen Liga mitspielen können.“ Deutschland müsse dringend mehr Anstrengungen unternehmen, um gezielt innovative Unternehmen aus der zu fördern“, fordert Harms. „Je weiter die Digitalisierung der Wirtschaft fortschreitet, desto größer wird die Relevanz des IT-Sektors für die Weltwirtschaft. Die Anbieter der entsprechenden IT-Lösungen kommen allerdings derzeit in erster Linie aus den USA – Deutschland spielt in der weltweiten IT-Industrie nur eine untergeordnete Rolle. Das könnte noch zum Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland werden“.
Beschäftigung bei den deutschen Top-Unternehmen steigt
Die Mehrzahl der deutschen Top-Unternehmen – 70 Prozent – stockte im bisherigen Jahresverlauf die Belegschaft auf: Insgesamt beschäftigten sie zum 30. September 2015 rund 4,8 Millionen Menschen – das waren 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. „Das starke Umsatzwachstum, eine robuste Binnennachfrage und gute Geschäfte mit den USA, Großbritannien und der Eurozone führten bei vielen deutschen Großunternehmen zu einem spürbaren Beschäftigungszuwachs“, beobachtet Harms. Zahlreiche Unternehmen führen aktuell aber auch ambitionierte Kostensenkungsmaßnahmen durch, um – etwa die Energieversorger.
Insgesamt aber zeigt sich, dass die deutschen Top-Unternehmen – auch dank ihrer starken internationalen Aufstellung – wichtige Jobmotoren sind. Angesichts der aktuell guten Geschäftslage werden die großen deutschen Unternehmen vermutlich auch im neuen Jahr zusätzliche Jobs schaffen“, sagt Harms.
Das Unternehmen mit den meisten Mitarbeitern ist nach wie vor Volkswagen: Bei dem Wolfsburger Autobauer waren zum 30. September 2015 insgesamt knapp 589.000 Menschen beschäftigt. Auf den Rängen zwei und drei folgen die Deutsche Post mit etwa 448.000 und Siemens mit 348.000 Beschäftigten. Ein besonders starkes Beschäftigungswachstum verzeichnete die Autobranche mit einem Plus von fünf Prozent.
Quelle: Ernst & Young

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