Helaba analysiert „EZB Aktuell“: Schnellschüsse nicht zu erwarten
Frankfurt/Main (20.1.16) – In der Januar-Sitzung des Rats dürften keine Änderungen bei den Leitzinsen sowie den zentralen Parametern des Ankaufprogramms beschlossen werden, mutmaßt die Helaba. Im vergangenen Jahr setzte die Aussicht auf anhaltend niedrige Inflationsraten den EZB-Rat unter Druck. Jetzt ist aufgrund des fortgesetzten Ölpreisverfalls eine vergleichbare Situation eingetreten.
Mit Änderungen bei den Leitzinsen sowie den zentralen Parametern des Ankaufprogramms ist in der anstehenden Sitzung des EZB-Rats allerdings nicht zu rechnen. Im Vorfeld der ersten Sitzung des EZB-Rats im neuen Jahr scheint vieles beim alten geblieben zu sein. Der jüngste Ölpreisverfall stört die EZB bei ihrem mittlerweile verzweifelt wirkenden Versuch, die Teuerung auf ein aus ihrer Sicht akzeptables Niveau zu heben. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet legte sich am Jahresbeginn sofort wieder ins Zeug und warnte erneut vor einer gefährlichen Deflation.
Dabei ist es mehr als zweifelhaft, ob eine lang anhaltende Phase sinkender Energiepreise mit ihren konjunkturstützenden Effekten eine Gefahr für die Industrieländer darstellt. Praet sieht die Glaubwürdigkeit der EZB bedroht, wenn sie nicht eisern an ihrem 2 %-Inflationsziel fest hält und dafür alle Register zieht. Die Rahmenbedingungen für spürbar höhere Teuerungsraten sind momentan zwar nicht geben. Jedoch bergen die Versuche mit immer größerem geldpolitischen Einsatz dagegenzuhalten, erhebliche Risiken für die mittel- bis langfristige Finanzmarktstabilität.
Steigende Nachfrage nach Unternehmenskrediten
Schnellschüsse sind gleichwohl nicht zu erwarten. In der Januar-Sitzung des EZB-Rats dürften keine Änderungen bei den Leitzinsen sowie den zentralen Parametern des Ankaufprogramms erfolgen. Vielmehr sollte die EZB auf die Verbesserung bei der Kreditvergabe hinweisen. Die Vorjahresrate ist im November immerhin auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen, wenngleich die Rate mit +1,4 % relativ bescheiden ausgefallen ist. Deutlich positiver wird das Bild beim Blick auf die jüngsten Ergebnisse der EZB-Kreditumfrage. Hier zeigten sich aufgrund der üppigen Liquiditätslage und der damit einhergehenden verschärften Wettbewerbssituation für Finanzinstitute sinkende Kreditstandards im Euroraum. Insbesondere im Unternehmenssektor hat die Kreditnachfrage angezogen. Endlich hat diese zu den schon seit längerem auf Topniveau bewegenden Umfragewerten bei Konsumenten- und Hypothekenkrediten aufgeschlossen. Letztere sind zwar zum zweiten Mal in Folge gesunken, mit einem spürbaren Rückgang ist angesichts des Niedrigzinsniveaus nicht zu rechnen. Im Jahr 2006 lagen das letzte Mal alle drei Umfrageindikatoren über 20. Besonders Italien sticht aus dieser Umfrage hervor. Hier liegen alle Werte über 50. Dort scheinen die Kreditvergabestandards besonders locker zu sein, insbesondere im Immobilienbereich.
Gleichzeitig stellt sich aber die Frage nach der Stabilität des dortigen Bankensystems, da es jüngst heftige Turbulenzen bei italienischen Bankaktien gab, in deren Folge nach starken Verlusten sogar einige vom Handel ausgesetzt worden sind.
Ankaufprogramm aus Sicht der EZB noch nicht ausgereizt
Wenn die Europäische Zentralbank im Jahresverlauf weiter lockert, wird dies vermutlich in Form einer monatlichen Aufstockung des Anleiheankaufprogramms sein. Diese Maßnahme hatte sie im Dezember 2015 überraschend ausgeklammert. Aussagen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, dass Inflation sich schon einstelle, wenn nur genug Geld gedruckt würde, deuten ebenfalls in diese Richtung. Eine Ausweitung des Strafzinses für Einlagen macht vor dem Hintergrund der positiven Ergebnisse der Kreditumfrage bzw. der anhaltenden Unsicherheit im Euro-Bankensystem u. E. wenig Sinn.
Strafzins schwächt Bankensystem Ein bisschen Zinssenkungsfantasie
Angesichts der zunehmenden Kritik aus Deutschland und der heftigen negativen Marktreaktionen nach den letzten Entscheidungen dürfte die Europäische Zentralbank in diesem Jahr besonderen Wert auf die Kommunikationspolitik legen. Mario Draghi wird in seiner ersten Pressekonferenz daher bemüht sein, nur umsetzbare Vorgaben für die nächste Sitzung des EZB-Rats zu machen.
Am 10. März werden u.a. die neuen EZB-Inflationsprojektionen vorgestellt, was erfahrungsgemäß eine wichtige Argumentationsbasis für geldpolitische Entscheidungen darstellt.
Quelle: Helaba

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