Frankfurt/Main (27.1.16)/PK – Nun hat auch der Bundesverband deutscher Banken zum Neujahrsempfang eingeladen. Ihr Cheflobbyist, Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer, schüttete bei dieser Gelegenheit all‘ die Sorgen aus, die die privaten deutschen Geschäftsbanken derzeit  plagen. Die größten Sorgen sind, oh Wunder, nicht einmal branchentypisch. Am meisten wühlt die Privatbanken-Branche nämlich derzeit die Lage in Europa auf. „Die EU steht vor ihrem schwierigsten Jahr in ihrer Geschichte“, klagte Michael Kemmer heute mittag in Frankfurt. Wenn wegen der Flüchtlingskrise wieder dauerhaft Grenzkontrollen eingeführt werden würden, wie dies von immer mehr Politikern gefordert werde, wenn dies geschehe, wäre dies für Deutschland als starke Exportnation ökonomisch nicht verkraftbar. „Das wäre Gift“, lamentierte Kemmer.

Oberster Banken-Lobyist, Michael Kemmer vom Bundesband deutscher Banken - Foto:PK

Oberster Banken-Lobbyist, Michael Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken – Foto:PK

Auch die Gefahr, dass sich Großbritannien von der Europäischen Union abwendete, dass es zu einem sogenannten „Brexit“, also einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU käme, auch dies würde zu einem riesigen volkswirtschaftlichen Schaden führen. Unter dem vor allem Großbritannien selber leiden würde.

Weniger brisant hält Kemmer die Gefahr, die für seine Branche von den FinTechs, den auf bestimmte Finanzdienstleistungen spezialisierten Anbietern, ausgehe. Im Gegenteil. Hier steuert der Bundesverband deutscher Banken einen Schmusekurs und bietet den FinTechs eine außerordentliche Mitgliedschaft im Verband an. Die traditionellen Geschäftsbanken scheuten keinen Wettbewerb.

Nicht gefährlich, aber nervig hält Kemmer den immensen bürokratischen Aufwand, der Banken wegen der Regulierung aufgebürdet werde. Die Arbeit der EZB, die die 130 größten Banken in der Euro-Zone unter ihren Fittichen hat, beurteilte Kemmer im Prinzip als professionell, belächelte sie aber dann doch. „Große Zahlen werden in kleine Kästchen verteilt“.

Fast staatsmännisch wurde Kemmer als er den Dauerniedrigzins-Kurs der Europäischen Zentralbank brandmarkte und als sehr schädlich kritisierte. Für Banken, Sparkassen, Versicherungen und Sparer.