Credimundi:

Nigeria – Anhaltend sinkender Ölpreis fördert politisches Risiko

 

Wiesbaden (9.2.16) – Der seit Mitte 2014 andauernde Ölpreisverfall hat Nigeria stark getroffen: Da der Anteil der Ölexporte an den nigerianischen Gesamtausfuhren rund 75 Prozent beträgt, rutschte die Leistungsbilanz 2015 ins Defizit – nachdem sie mehr als zehn Jahre einen Überschuss aufwies. „Seit 2013 sind die nigerianischen Devisenreserven um rund 30 Prozent geschrumpft, derzeit decken sie lediglich den Einfuhrbedarf von vier Monaten ab“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi. Um diesen Puffer zu erhalten, erschwert die nigerianische Zentralbank den Zugang zu Devisen, insbesondere durch Kapitalverkehrskontrollen, Einfuhrbeschränkungen und durch Schließung von Wechselstuben. Gleichzeitig ringt das Land um kurzfristige Kapitalspritzen. Berichten der internationalen Presse zufolge beantragte Nigeria bei der Weltbank ein Notkreditpaket in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar. Zudem gab die nigerianische Finanzministerin bekannt, dass sich das Land – zum ersten Mal seit 2013 – dem internationalen Anleihenmarkt öffnen werde.

 

Durch die Senkung der Investitionen und öffentlichen Ausgaben sowie der rückläufigen Binnennachfrage ist für 2015 lediglich mit einem gebremsten Wirtschaftswachstum von drei Prozent zu rechnen. Gleichzeitig nimmt mit den schwindenden Devisenreserven auch der Druck auf die nigerianische Währung, die Naira, zu. Diese wurde 2015 bereits in zwei Stufen um 20 Prozent abgewertet. „Doch obwohl all diese Maßnahmen der Zentralbank die Wirtschaft langfristig fördern sollen, bewirken diese derzeit eher das Gegenteil“, so Witte. Der begrenzte Zugang zu Importwaren durch die eingeführten Kapitalverkehrskontrollen führt zu einer Angebotsverknappung, insbesondere bei Kraftstoffen. Dies wiederum löst Störungen in Betrieben und im Handel aus, steigert die Betriebskosten und schürt soziale Unruhen.

 

Aufgrund dieser beschriebenen Faktoren stuft Credimundi das politische Risiko Nigerias als hoch ein (6 auf einer Skala von 1 bis 7).