Frankfurt/Main (29.2.16) – Gerhard Grandke hatte gut Lachen. Entgegen allen Unkenrufen und düsteren Vorhersagen leiden Sparkassen kaum unter den Folgen der extrem niedrigen Zinsen. Denn die Sparer wenden sich nicht, wie befürchtet, vom Sparbuch ab. Nein, ganz im Gegenteil. Sie sparen mehr und scheren sich kaum um die Mini-Zinsen, die jeder Spargroschen abwirft. Daher konnte der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen (SGVHT) sich heute vor Journalisten in Frankfurt freuen: „Insgesamt können wir mit dem 2015er-Ergebnis zufrieden sein.“ Welche Gründe für diese Zufriedenheit im Detail ausschlaggend gewesen waren, faßt die Pressemitteilung des SGVHT zusammen, die wir hier dokumentieren.

SGVHT-Präsident Gerhard Grandke – Foto:PK
Trotz der nicht einfachen Rahmenbedingungen haben die Sparkassen
in Hessen und Thüringen 2015 wieder ein sehr ordentliches
Geschäftsergebnis erzielt. „Auf der Bestandsseite sind unsere Einlagen
und Kredite dank eines starken Kundengeschäfts erneut deutlich nach
oben gegangen. Gleichzeitig haben wir einmal mehr unter Beweis
gestellt, dass unsere Erträge intakt sind und wir unsere Kosten im Griff
haben“, zog Gerhard Grandke, der Geschäftsführende Präsident des
Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, im Rahmen der
Jahrespressekonferenz des Verbandes in Frankfurt am Main bzw. Erfurt
ein positives Resümee über das Geschäftsjahr 2015.
Bilanzsumme wächst auf 116,7 Mrd. €
Die Bilanzsumme der 50 Mitgliedssparkassen wuchs 2015 insgesamt
um 2,6 Mrd. € bzw. 2,2% auf 116,7 Mrd. €. Als Wachstumstreiber wirkte
dabei das Kundengeschäft auf beiden Seiten der Bilanz: Die Bestände
bei den Krediten und Einlagen legten jeweils um fast 4% zu.
Kreditgeschäft zieht kräftig an
Insgesamt wuchs das Kreditgeschäft der Sparkassen mit Kunden 2015
um 2,5 Mrd. € bzw. 3,7% auf 68,7 Mrd. €. Den größten Sprung machten
dabei die Ausleihungen an Unternehmen und Selbständige, die um 1,3
Mrd. € bzw. 4,5% auf 30,5 Mrd. € stiegen. Mit dieser Zuwachsrate
konnten die Sparkassen den ohnehin schon respektablen Vorjahreswert
(+1,7%) noch einmal deutlich übertreffen. Auch das Kreditgeschäft
mit Privatkunden entwickelte sich positiv. Die Ausleihungen
verbesserten sich vor allem dank des unverändert starken Baufinanzierungsgeschäfts
um 892 Mio. € bzw. 3,1% auf 30,1 Mrd. €. Belebt
zeigte sich auch das Kreditgeschäft mit den öffentlichen Haushalten.
Die Ausleihungen legten um 117 Mio. € bzw. 1,9% auf 6,3 Mrd. € zu.
Neukreditgeschäft auf Rekordkurs
Auf Rekordkurs war 2015 das Neukreditgeschäft. Die Darlehenszusagen erhöhten sich über alle Kundensegmente hinweg um 12,8% auf insgesamt 12,6 Mrd. €. Im Privatkundengeschäft sagten die Sparkassen 15,2% mehr Darlehen zu als im Vorjahr. Gefragt waren vor allem Wohnungsbaukredite, bei denen sich die Zusagen um 18,4% verbesserten. Im Firmenkundengeschäft wuchsen die Darlehens-zusagen 2015 um 11,8%. „Hier hatten wir so etwas wie die perfekte Welle, die vom relativ schwachen Eurokurs, den niedrigen Zinsen und den deutlich gesunkenen Rohstoff- und Energiepreisen gespeist wurden. Diese Rekordwerte werden sich 2016 in den Kreditbeständen unserer Sparkassen positiv widerspiegeln“, erwartete Grandke.
Sparkassen wachsen deutlich bei Kundeneinlagen
Erfreulich haben sich auch die Kundeneinlagen entwickelt. Die Bestände gingen um 3,2 Mrd. € bzw. 3,7% auf 91,6 Mrd. € nach oben. „Das zeigt, dass wir bei den Einlagen zukunftsfähig aufgestellt sind. Vor ein paar Jahren hat man uns noch prognostiziert, dass wir im Wettbewerb um Einlagen gegen Direkt- und Autobanken, gegen Begrüßungsgelder und Kontowechselprämien kaum Chancen hätten. Das hat sich als falsch erwiesen. Die Auguren haben das Vertrauen und die Treue unserer Kunden unterschätzt. Darüber hinaus hat die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken die Zinswelt und die Angebote im Einlagenbereich faktisch einplaniert. Bei Renditeunterschieden im Nachkommabereich sind der Mobilität von Einlagegeldern fast schon natürliche Grenzen gesetzt. Davon profitieren unsere Sparkassen als Marktführer“, zeigte sich Grandke zufrieden.
Trend zu kurzfristigen Geldern hält an
Bei den Einlagen hat sich der Trend zur kurzfristigen Geldanlage auch 2015 ungebremst fortgesetzt. Die Täglich fälligen Gelder legten um gut 10% zu. Dagegen gingen die Spareinlagen (-3,3%), die Termingelder (-17,7%) und die Eigenemissionen (-20,1%) zurück.
Kunden der Sparkassen entdecken Wertpapieranlagen wieder
Deutlich mehr Bewegung war 2015 bei Kundenwertpapieranlagen zu spüren. Die Umsätze erhöhten sich um 9,1% auf 13 Mrd. €. Der Nettoabsatz als Saldo von Käufen und Verkäufen stieg insgesamt auf 602 Mio. €. Im Vorjahr hatte er nur bei 175 Mio. € gelegen. Besonders beliebt waren Fonds und Aktien. Bei den Festverzinslichen Wertpapieren dominierten dagegen die Verkäufe.
Trotz Dauerniedrigzinsphase sparten die Kunden der Sparkassen noch einmal deutlich mehr als im Vorjahr. Die Geldvermögensbildung lag mit 3,8 Mrd. € um 117% höher als 2014.
Kernkapitalquote: 17,8%
Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben auch 2015 wieder ihr Eigenkapital angereichert. Die Eigenmittel lagen Ende Dezember 2015 bei 11,1 Mrd. €, wobei gut 9,6 Mrd. € auf Kernkapital entfielen. Die Kernkapitalquote verbesserte sich auf 17,8%.
Betriebsergebnis vor Bewertung weitgehend stabil
Auch mit der Ertragsentwicklung können die Sparkassen in Hessen und Thüringen 2015 zufrieden sein. Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 1,1 Mrd. € ähnlich hoch wie im Vorjahr (-37 Mio. € bzw. -3,2%). Die Folgen der Dauerniedrigzinsphase wirkten sich beim Zinsüberschuss weniger aus als ursprünglich gedacht. So verringerte sich die wichtigste Ertragssäule der Sparkassen nur leicht um 31 Mio. €
Täglich Fällige legen um gut 10% zu
Geldvermögensbildung der Sparkassenkunden 2015 um 117% höher als im Vorjahr
Zinsüberschuss trotzt bzw. 1,3% auf 2,4 Mrd. €. Der Rückgang beim Zinsüberschuss konnte durch den gestiegenen Provisionsüberschuss mehr als kompensiert werden. Er verbesserte sich um 37 Mio. € bzw. 5,6% auf 694 Mio. €. Der Verwaltungsaufwand der Sparkassen stieg ebenfalls an, nämlich um 33 Mio. € bzw. 1,7% auf 2,0 Mrd. €. Damit fiel der Zuwachs etwas niedriger aus als im Vorjahr.
Swing beim Bewertungsergebnis
Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben 2015 ein Betriebsergebnis nach Bewertung von knapp 1,1 Mrd. € erreicht. Das waren 158 Mio. € bzw. 12,9% weniger als im Vorjahr, als die Sparkassen den Sonderfall eines positiven Bewertungsergebnisses von über 80 Mio. € verbucht hatten. 2015 lief das Bewertungsergebnis insgesamt bei -39 Mio. € aus.
Dieser Swing wurde fast ausschließlich durch den Wertpapierbereich verursacht. Aufgrund der Marktentwicklung verwandelten sich dort die Zuschreibungen des Vorjahres (+56 Mio. €) in Abschreibungen (-64 Mio. €). Dagegen konnten die Institute im Kreditgeschäft dank der robusten Lage der Wirtschaft in Hessen und Thüringen sogar wieder Wertberichtungen auflösen. Die Zuschreibungen fielen mit 36 Mio. € etwa dreimal so hoch aus wie im Vorjahr.
Nach Steuerzahlungen von 291 Mio. € und einer ordentlichen Zuführung zu den Reserven erzielten die Sparkassen ein Jahresergebnis nach Steuern, das mit 335 Mio. € um 18,1% über dem Vorjahreswert lag. Die Cost-Income-Ratio erhöhte sich von 63,4% auf 64,5%. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern sank von 11,5% auf 9,6%.
2016: Gute Zuwächse im Einlagen- und Kreditgeschäft erwartet
Für die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr zeigte sich Grandke optimistisch: „Bei den Beständen bin ich zuversichtlich, dass wir im Einlagen- und Kreditgeschäft wieder gute Zuwächse einfahren werden. Auf der Ertragsseite wird sich der Druck auf den Zinsüberschuss und das Betriebsergebnis weiter verstärken. Die nächsten Jahre werden für die gesamte Kreditwirtschaft nicht leicht werden. Im Vergleich zu anderen Bankengruppen sind unsere Sparkassen aber gut kapitalisiert. Wir haben genug Substanz, um die Niedrigzinsphase zu überstehen.“

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