BaFin untersucht Bonitätsanleihen
im Retailvertrieb
Bonn/Frankfurt/Main (4.3.16) – Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) untersucht, inwieweit Bonitätsanleihen aktiv auch an Privatkunden vertrieben werden und ob diese ausreichend über die Risiken aufgeklärt werden. Dazu hat die Aufsicht heute marktweit einen Fragebogen an Emittenten von Bonitätsanleihen versandt. In diesem geht es beispielsweise um den Umfang der emittierten Bonitätsanleihen, die Höhe des durchschnittlichen Kupons sowie die Herkunft der bei der Strukturierung verwendeten Kreditrisiken.
Dazu hat die BaFin außerdem zunächst rund 100 stichprobenhaft ausgewählte Unternehmen angeschrieben und zum Vertrieb dieser Produkte befragt. Bei diesen ist vor allem von Interesse, wie hoch der Anteil der Privatkunden ist, an die – im Wege der
Anlageberatung oder beratungsfrei – Bonitätsanleihen vertrieben
werden. Nachgefragt wird auch, ob die eingesetzten Anlageberater dafür
besonders geschult sind.
„Um Anleger zu schützen, müssen wir als Aufsicht wissen: Wie werden
Privatkunden über die Risiken von Bonitätsanleihen informiert?“,
erläutert Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele, die auch die neu
gegründete BaFin-Verbraucherschutzabteilung verantwortet. Die
Aufsicht richtet einen besonderen Fokus auf Bonitätsanleihen, da sie sich
von anderen Anlagezertifikaten insoweit unterscheiden, als sie auf der
Verbriefung von Kreditrisiken beruhen. Zins- und Rückzahlung erfolgen
dabei in Abhängigkeit von Kreditereignissen. Als Kreditereignisse
kommen etwa Insolvenzen, Nichtzahlungen oder Restrukturierungen in
Betracht. Anlass der Untersuchung der Aufsicht ist zum einen das
aktuelle Niedrigzinsumfeld, das risikoarme Renditen nicht zulässt und renditeorientierte Kunden zwingt, ihre Risikobereitschaft zu erhöhen und
verstärkt beispielsweise auch in Kreditverbriefungen zu investieren. So
ist etwa ein kontinuierliches Wachstum des Marktanteils von
Bonitätsanleihen zu verzeichnen. Darüber hinaus ist die Produktstruktur
von Bonitätsanleihen komplex. Anders als bei Anlagezertifikaten, deren
Wertentwicklung von Basiswerten wie beispielsweise Aktien oder Indizes
abhängt, ist Privatanlegern die Bewertung von Kreditrisiken bei
Bonitätsanleihen nur schwer möglich.
Die BaFin rechnet damit, ihre Untersuchung voraussichtlich bis Ende des
Jahres 2016 abzuschließen.

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