Deutsche Bank liefert: Ausblick Deutschland –

Solides Wachstum, aber Probleme bei Export und Bau

Frankfurt/Main (5.4.16) – Die Strategen haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst. BIP: Vier Jahre stabil bei 1 ½% Wachstum, wirklich? Befürchtungen über eine drohende Konjunkturschwächung sind abgeklungen. Wie erwartet haben sich die Stimmungsindikatoren im März stabilisiert, nachdem ihr Einbruch zu Jahresbeginn Rezessionsängste geweckt hatte. Gemäß unseren und Konsensus-Erwartungen wird Deutschland voraussichtlich 4 Jahre (2014-2017) ein BIP-Wachstum über der Potentialrate und innerhalb einer extrem engen Bandbreite von 1,5% bis 1,7% verzeichnen. Falls doch eine Konjunkturwende ansteht, scheint eine Abwärtsbewegung wahrscheinlicher als eine Beschleunigung.

Ende der goldenen Zeit für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum. Der tiefe Ölpreiseinbruch setzt die Wirtschaft der Ölproduzenten unter erheblichen Druck, und der derzeit hohe Angebotsüberhang spricht auch 2016 für niedrige Ölpreise. Der Gesamteffekt niedriger Ölpreise für die deutsche Konjunktur ist zwar positiv, aber die deutschen Exporte in die Ölstaaten stehen weiter unter Druck. Der Ausblick auf das Jahr 2016 verspricht nur wenig Besserung. Um die Auswirkungen auf die deutschen Exporte abzuschätzen, haben wir einen Exportindikator für die Ölstaaten berechnet. Dieser deutet auf einen erneuten Rückgang der Exporte in die Ölstaaten von knapp 10% hin. Unter den deutschen Industriesektoren dürfte der Maschinebau überdurchschnittlich stark getroffen werden. Die Exporte von Flugzeugen könnten auch 2016 für Entlastung sorgen.

Wohnbau: Politik trägt nur allmählich zum Abbau des Nachfrageüberhangs bei. Die Wohnbauinvestitionen stiegen die letzten Jahre nur träge an. Die wichtigsten Gründe sind: ein Mangel an Bauland, gestiegene regulatorische Hürden in fast allen Baubereichen, hohe Baukosten und ein Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. Die Bundesregierung plant über die Einführung einer Sonderabschreibung und ein Maßnahmenpaket in den angespannten Wohnungsmärkten gegenzusteuern. Die Umsetzung dieser Vorschläge ist oftmals aufgrund der vielen Beteiligten, öffentlichen wie privaten Interessengruppen schwierig, was eine niedrige Effektivität zur Folge haben könnte. Trotz des wohl geringen Mengeneffekts könnten die anvisierten wohnungspolitischen Maßnahmen aber die Preisdynamik bremsen und damit zur Reduzierung potentieller makroprudentieller Risiken beitragen.

EZB legt sich ins Zeug – Wirkung beschränkt. Die EZB hat mit ihren Beschlüssen vom 10. März die Markterwartungen deutlich übertroffen. Der überarbeitete TLTRO2 zeigt, dass die EZB die sich abzeichnende Belebung der Kreditnachfrage unterstützen möchte. Die Aufnahme von Unternehmensanleihen in das QE-Programm zeigt, dass die EZB bereit ist, größere Risiken zu akzeptieren, was – falls nötig – den Weg für weitere Stimulusmaßnahmen bereitet. Dennoch benötigt die Geldpolitik Unterstützung, wobei die Möglichkeiten der Fiskalpolitik allerdings beschränkt sind.