Stuttgart (15.4.16) – Trotz eines fehlenden Verkaufstags – Ostern fiel in diesem Jahr in den März, im Vorjahr in den April – legte der europäische Neuwagenmarkt im März um immerhin fünf Prozent zu. EU-weit lag die Zahl der Neuzulassungen damit auf dem höchsten Stand der vergangenen neun Jahre – zuletzt waren im Jahr 2007 in einem März mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden.
Einmal mehr waren es vor allem die ehemaligen Krisenländer, die die höchsten Zuwachsraten verzeichneten: In Irland, Portugal und Italien stieg der Absatz jeweils um mehr als zehn Prozent. Ebenfalls hohe Wachstumsraten verzeichneten einige osteuropäische Länder, wo die Zulassungszahlen teils um mehr als 20 Prozent stiegen. Aber auch die drei größten Absatzmärkten Deutschland, Großbritannien und Frankreich entwickelten sich auf hohem Niveau zufriedenstellend – vor allem, wenn man den fehlenden Verkaufstag berücksichtigt.
Peter Fuß, Partner bei EY: „Im ersten Quartal des Jahres ist der Neuwagenmarkt in der EU um acht Prozent gewachsen – ein starker Jahresauftakt. Der Aufwärtstrend bleibt dank der stabilen Konjunkturentwicklung, vor allem aber dank niedriger Zinsen, hoher Rabatte und einem günstigen Konsumklima weiter intakt. Hinzu kommen die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen Sprit- und Energiekosten. Zudem besteht vor allem in den Ländern, in denen der Absatz in den Krisenjahren 2012 und 2013 massiv eingebrochen war, nach wie vor ein erheblicher Nachholbedarf.“
Fuß bleibt daher für den europäischen Markt optimistisch: „Die Konjunktur entwickelt sich trotz einer gewissen Eintrübung derzeit noch positiv, und niedrige Finanzierungskosten und eine weiter sinkenden Arbeitslosigkeit werden den europäische Neuwagenmarkt wohl auch im weiteren Jahresverlauf auf Wachstumskurs halten.“ Für das Gesamtjahr rechnet Fuß mit einem Absatzwachstum von sechs Prozent.
Volkswagen verliert weiter Marktanteile in der EU
Die deutschen Autokonzerne (Volkswagen, Daimler und BMW) verzeichneten im März zusammen EU-weit ein Plus von 6,4 Prozent zu und entwickelten sich damit etwas besser als der Gesamtmarkt. Ihr Marktanteil legte im März im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht von 34,8 auf 34,9 Prozent zu.
Während allerdings Daimler und BMW im März überdurchschnittlich stark zulegten (plus 11,6 bzw. 15,3 Prozent), entwickelte sich der Absatz des Volkswagen-Konzerns (plus 2,6 Prozent) weniger stark als der Gesamtmarkt. Im März sank daher der Volkswagen-Marktanteil von 23,0 auf 22,2 Prozent. Damit setzt sich für den Konzern die rückläufige Entwicklung der Vormonate fort.
Von der anhaltenden Schwäche des europäischen Marktführers Volkswagen profitierte – neben BMW und Daimler – vor allem der Fiat Konzern, dessen EU-Absatz im März um 14 Prozent stieg.
Deutsche Autobauer legen in China zu – und verlieren in den USA
Erfreulich entwickelte sich im vergangenen Monat vor allem der chinesische Absatzmarkt, der im März um 12,4 Prozent und im ersten Quartal immerhin um 9,4 Prozent zulegte – nicht zuletzt, weil die Regierung mit Steuervorteilen für kleinere Neuwagen den Absatz ankurbelt. Daimler und BMW – von Volkswagen liegen noch keine Zahlen vor – profitierten vom neuen Schwung in China und wuchsen im ersten Quartal überdurchschnittlich stark: um 10,5 Prozent (BMW) bzw. sogar um 34,2 Prozent (Daimler).
In die entgegengesetzte Richtung zeigt der Trend für die deutschen Autobauer in den USA: Der Gesamtmarkt legte im März um 3,2 und im ersten Quartal um 3,4 Prozent zu, die beiden deutschen Premiumanbieter Daimler und BMW verzeichneten im ersten Quartal hingegen Absatzeinbußen von 3,3 Prozent bzw. sogar 10,8 Prozent. Im März fiel das Minus mit 6,0 Prozent (Daimler) bzw. 13,3 Prozent (BMW) sogar noch deutlicher aus.
„In den USA hält der Negativtrend für die deutschen Autokonzerne an“, kommentiert Fuß. „Die Absatzzahlen und Marktanteile sinken, vom starken Aufschwung der letzten Jahre konnten sie kaum profitieren, da sie mit ihren Produkten offenbar derzeit kaum den Geschmack der Amerikaner treffen. Zudem steht ihre Diesel-Strategie dort auf dem Prüfstand“.

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