Nürnberg (20.4.16) – Der Syrienkrieg als anhaltende Ursache für die Flüchtlingskrise, die Terrorgefahr in Europa, das mögliche Austre-ten Großbritanniens aus der EU sowie die anhaltende Flaute in großen Schwellenländern schwächten das Konsumklima und vor allem die Konjunktur- und Einkommenserwartung der europäischen Verbraucher im ersten Quartal. Das Konsumklima für die EU28 ist von Dezember 2015 bis März 2016 um 3,2 Punkte auf 9 Zähler gesunken.

Im ersten Quartal beherrschten viele verschiedene Themen die Diskussio-nen in den Medien sowie unter den Menschen. Der Islamische Staat verlor zwar erobertes Territorium. Von einem Ende des Krieges ist Syrien aber noch weit entfernt, so dass auch die Ursache für den großen Flüchtlings-strom weiter bestehen blieb. Zunächst strömten die Menschen ungebrochen weiter nach Mittel- und Westeuropa, bis die Visegrad-Länder Anfang März beschlossen, ihre Landesgrenzen und somit die Balkanroute zu schließen. Daraufhin brach zwar der durch Europa wandernde Flüchtlings-strom ab. Die Hilfe suchenden Menschen stauten sich daraufhin aber in Auffanglagern in Griechenland. In Frankreich räumten Soldaten im Auftrag des Staates das illegale Flüchtlingscamp in Calais – genannt „Der Dschungel“. Dort kampierten Menschen, die nach Großbritannien weiterreisen wollten. Währenddessen gingen auch die Dis-kussionen auf politischer Ebene weiter, wie die Menge der Flüchtlinge in Europa aufgenommen und angemessen auf die Mitgliedsländer verteilt werden könnten.

Wie sich Mitte März bei den Anschlägen in Brüssel zeigte, war auch in den ersten drei Monaten des Jahres die Terrorgefahr in Europa weiterhin enorm hoch. Allerdings fanden die Explosionen in Belgien nach Ende der März-Erhebung zum Konsumklima statt, sodass sie in den Ergebnissen noch nicht berücksichtigt sind.

Vor allem in Großbritannien wirft die Volksabstimmung im Juni über einen eventuellen Austritt des Landes aus der Europäischen Union ihre Schatten voraus. Viele Wirtschaftsexperten, aber auch viele britische Verbraucher rechnen mit starken negativen wirtschaftlichen Folgen, sollte es zum so genannten Brexit kommen.

Zudem wurde im ersten Quartal deutlich, dass sich die großen Schwellen-länder wie China, Brasilien und Russland weiterhin in einer konjunkturellen Schwächephase befinden. Das verschlechtert die Exportaussichten der Europäischen Wirtschaft und kann die Konjunktur negativ beeinflussen.

Diese vielen verschiedenen Themen haben zu einer deutlichen Verunsicherung der europäischen Verbraucher geführt. Vor allem die Konjunk-turerwartung sackte seit Dezember in fast allen betrachteten Ländern deutlich ab. In Griechenland beispielsweise fiel sie auf das gleiche Niveau wie zu den härtesten Zeiten der Schuldenkrise zurück. Das Abrutschen der Konjunkturerwartung wirkte sich auch auf die Einkommenserwartung der Menschen aus. Sie musste in den meisten Ländern ebenfalls sehr deutliche Verluste hinnehmen. Das GfK Konsumklima für die EU 28 ist im ersten Quartal ebenfalls deutlich gesunken – von 12,2 Punkten im Dezember auf 9 Zähler im März.

Deutsche geben trotz stagnierender Konjunkturerwartung weiterhin Geld aus

Trotz der guten wirtschaftlichen Lage stagniert die Konjunkturerwartung in Deutschland im ersten Quartal 2016. Der Indikator lag im März bei 0,5 Punkten und somit nur knapp über seinem langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten. Das bedeutet ein geringes Minus von 1,4 Zählern seit De-zember letzten Jahres. Wie stark der Indikator in den letzten Monaten an Wert verloren hat, zeigt der Vergleich mit März 2015. Damals lag die Konjunkturerwartung bei 36,8 Punkten.

Im Gegensatz dazu verharrt die Einkommenserwartung nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Im März lag der Indikator bei 50,5 Punkten und somit nur 0,3 Zähler unter seinem Dezemberwert. Auch vor einem Jahr lag er mit 53,1 Punkten nur wenig höher. Die Deutschen gehen also weiterhin von deutlich steigenden Löhnen und Gehältern in diesem Jahr aus. Inwieweit diese Hoffnungen berechtigt sind, werden die anstehenden Tarifver-handlungen wie beispielsweise im Öffentlichen Dienst zeigen.

Auch die Anschaffungsneigung war mit genau 50 Punkten im März nach wie vor sehr hoch. Die Deutschen halten den Moment für günstig, Geld für hochwertige Produkte und Dienstleistungen auszugeben. Im Dezember letzten Jahres lag der Indikator nur 1 Punkt niedriger. Seit März 2015 ist er allerdings um 13 Zähler gefallen.

Franzosen gehen von sinkenden Löhnen und Gehältern aus

In Frankreich ist die Konjunkturerwartung im ersten Quartal wieder in den negativen Bereich gerutscht. Im März lag der Indikator bei -3,7 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2015. Im Dezember wies er noch 7,2 Zähler auf. Der Konjunkturoptimismus der Franzosen, der im November letzten Jahres mit 16,6 Punkten einen zwischenzeitlichen Höchststand erreichte, ist somit im neuen Jahr völlig zum Erliegen gekommen.

Auch für ihre persönlichen Finanzen erwarten die Franzosen in den kommenden Monaten nichts Gutes. Die Einkommenserwartung lag im März bei -22 Punkten. Das sind über 17 Zähler weniger als noch Ende letzten Jahres. Ein Grund dafür dürfte die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit von 10,2 Prozent sein. Vor einem Jahr lag der Indikator mit -19 Punkten nur wenig höher.

So verwundert es nicht, dass auch die Anschaffungsneigung mit 0,4 Punk-ten weiterhin ein schwaches Niveau aufweist. Insgesamt ist jedoch ein klarer Aufwärtstrend zu beobachten. Von Dezember 2015 bis März 2016 stieg der Indikator insgesamt um 5 Zähler. Im Januar erreichte er mit 9,5 Punkten sogar den höchsten Stand seit Dezember 2001 (17,2 Punkte).

Großbritannien: drohender Brexit drückt Konjunkturerwartung

Die Konjunkturerwartung der Briten ist im ersten Quartal weiter gesunken. Der Indikator lag im März bei 2,1 Punkten und somit nur noch wenig über seinem langjährigen Durchschnittswert von 0 Zählern. Das bedeutet ein Minus von 14,5 Punkten seit Dezember. Betrachtet man den Verlauf der Konjunkturerwartung seit März 2015, steht sogar ein Rückgang von 25,8 Punkten zu Buche. Diese Entwicklung steht in deutlichem Gegensatz zum tatsächlichen Wirtschaftswachstum des Landes, das im letzten Jahr zwischen 1,8 Prozent und 3,0 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal stieg. Ein Grund für diese eher pessimistische Grundstimmung der Verbraucher liegt in der im Juni stattfindenden Abstimmung über einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Viele Verbraucher sind verunsichert und befürchten offenbar negative Folgen für die heimische Wirtschaft, sollte die Abstimmung zu dem so genannten Brexit führen.

Im Gegensatz dazu rechnen die britischen Verbraucher in den nächsten Monaten mit moderat steigenden Löhnen und Gehältern. Die Einkom-menserwartung lag im März bei 17,7 Punkten. Das sind zwar mehr als 5 Punkte weniger als noch im Dezember, aber annähernd das gleiche Niveau wie im März letzten Jahres (15,8 Zähler).

Kostspielige Anschaffungen möchten derzeit nach wie vor nur wenige Briten tätigen. Der entsprechende Indikator lag im März bei 11,1 Punkten. Das sind 0,5 Zähler mehr als im Dezember und 2,3 Punkte mehr als vor genau einem Jahr.

Anschaffungsneigung der Italiener auf Rekordhoch

Die positiven Tendenzen, die die Konjunkturerwartung der Italiener im November letzten Jahres erstmals seit März 2010 mit 1,9 Punkten wieder in den positiven Bereich steigen ließen, gehören der Vergangenheit an. Bis März rutschte der Indikator wieder auf -21,4 Zähler ab. Das bedeutet ein Minus von 20 Punkten seit Dezember. Die italienischen Verbraucher gehen offensichtlich nicht davon aus, dass sich die positiven Wirtschaftszahlen des vergangenen Jahres auch in diesem Jahr fortsetzen werden.

Die Einkommenserwartung ist im März auf -3 Punkte gesunken. Allerdings erreichte sie im Januar mit 8,4 Zählern den höchsten Wert seit Mai 2002 (8,5 Punkte). Im Vergleich zu März 2015 liegt der Indikator um 0,8 Punkte höher. Hauptursache für dieses sehr niedrige Niveau ist sicherlich die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit. Zwar ist sie im vergangenen Jahr um 0,7 Prozentpunkte gesunken. Im Februar lag sie aber noch immer bei 11,7 Prozent.

Im Gegensatz dazu ist die Anschaffungsneigung weiter gestiegen. Der Indikator lag im März bei 26,4 Punkten und somit 2 Zähler höher als im Dezember. Im Januar erreichte er mit 27,8 Punkten sogar den höchsten Wert seit Juni 1992, als 30,1 Punkte zu Buche standen. Die Italiener scheinen es derzeit als günstigen Zeitpunkt anzusehen, größere Anschaffungen bzw. Ausgaben zu tätigen. Ob sie sich das auch leisten können und somit tatsächlich Geld für hochwertige Produkte und Dienstleistungen ausgeben, bleibt jedoch aufgrund der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Verbraucher abzuwarten.

Spanien: Einkommenserwartung rutscht deutlich ab

In Spanien ist die Konjunkturerwartung – wie in den meisten anderen Län-dern ebenfalls – im ersten Quartal deutlich zurückgegangen. Mit 22,4 Punkten wies sie im März zwar noch ein gutes Niveau auf. Von seinem historischen Höchststand im Dezember (51,4 Punkte) ist der Indikator jedoch wieder deutlich entfernt.

Ähnlich zeigt sich das Bild bei der Einkommenserwartung. Im März lag der Indikator bei 14,5 Punkten. Das sind fast 17 Punkte weniger als noch Ende letzten Jahres. Die spanischen Verbraucher rechnen in den kommenden Monaten somit nur mit leicht steigenden Löhnen und Gehältern. Die Hoffnungen ruhen hier sicherlich vor allem auf einer weiter sinkenden Arbeitslosenquote. Von März 2015 (23,0 Prozent) ist sie bis Februar 2016 immer-hin um 2,6 Prozentpunkte auf jetzt 20,4 Prozent zurückgegangen.

Wie nicht anders zu erwarten, verharrt die Anschaffungsneigung auch auf-grund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit nach wie vor im negativen Be-reich. Die spanischen Verbraucher sehen derzeit noch keine Chance, sich werthaltige Produkte oder Dienstleistungen zu leisten. Der Indikator lag im März bei -8,9 Punkten. Das ist 1 Punkt weniger als im Dezember.

Portugiesen rechnen mit steigenden Löhnen und Gehältern

Die portugiesischen Verbraucher gehen weiterhin davon aus, dass ihre Wirtschaft moderat wachsen wird. Die Konjunkturerwartung sank im ersten Quartal allerdings um 7 Punkte auf 16,5 Zähler im März. Vor einem Jahr lag der Indikator auf dem gleichen Niveau (15,8 Punkte).

Auch die Einkommen werden nach Meinung der Portugiesen in den nächs-ten Monaten etwas steigen. Der zugehörige Indikator lag im März bei 20 Punkten. Das sind 4,4 Zähler weniger als im Dezember. Im Januar erreichte er mit 25,2 Punkten zwischenzeitlich den höchsten Wert seit Oktober 1995. Damals wurden 26,3 Punkte gemessen.

Aufgrund der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und der hohen Arbeitslosigkeit sehen sich die Verbraucher nicht in der Lage, größere Anschaffungen bzw. Ausgaben zu tätigen. Die Anschaffungsneigung lag im März bei -24,4 Punkten. Das sind immerhin 6 Zähler mehr als im Dezember. Dieses niedrige Niveau des Indikators zeigt, dass die Men-schen noch weit davon entfernt sind, ihre Ausgaben so stark zu erhöhen, dass die heimische Wirtschaft davon profitieren kann.

Niederlande: Konjunkturerwartung rutscht trotz guter Wirtschaftsdaten ins Negative

Die Konjunkturerwartung in den Niederlanden ist im ersten Quartal deutlich abgerutscht. Im März lag sie bei -4,1 Punkten und somit unter dem langjäh-rigen Durchschnittswert von 0 Zählern. Im Dezember verzeichnete sie noch 19,5 Punkte, vor genau einem Jahr im März 2015 sogar 28,1 Zähler. Der Indikator spiegelt damit derzeit nicht die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Landes wieder. Das Bruttosozialprodukt wuchs in den vergangenen Quartalen zwischen 2,5 Prozent und 1,6 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal.

In Bezug auf ihre Einkommen sehen die holländischen Verbraucher noch pessimistischer in die Zukunft. Die Einkommenserwartung lag im März bei -14,7 Zählern. Das bedeutet ein Minus von fast 13 Punkten seit Dezember. Im Vergleich zu März 2015 ist der Indikator jedoch lediglich um gut 1 Punkt gesunken.

Im Gegensatz dazu verzeichnet die Anschaffungsneigung ein deutlich besseres Niveau. So lag der Indikator im März bei 13,1 Punkten. Das bedeutet zwar einen Rückgang von 4,4 Zählern seit Dezember, aber auch ein Plus von 12,1 Punkten im Vergleich zum letztjährigen Märzwert.

Belgien: Optimismus der Verbraucher erhält Dämpfer

Der vorsichtige Optimismus, der sich Ende letzten Jahres bei den belgi-schen Verbrauchern langsam durchgesetzt hatte, erhielt im ersten Quartal einen Dämpfer. Trotz passabler Wachstumsraten der Wirtschaft in den letzten Monaten sank die Konjunkturerwartung im März auf -0,5 Punkte und damit unter ihren langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten. Im Dezember lag der Indikator noch bei 15,6 Zählern.

Die Belgier rechnen auch weiterhin nicht mit steigenden Löhnen und Ge-hältern. Die Einkommenserwartung lag am Ende des ersten Quartals bei -22,9 Punkten. Das bedeutet ein Minus von 6,7 Zählern gegenüber De-zember letzten Jahres.

Betrachtet man diese beiden Indikatoren, ist es erstaunlich, dass die Verbraucher aktuell aber offensichtlich durchaus bereit sind, Geld für hochwertige Produkte und Dienstleistungen auszugeben. Dies könnte auch daran liegen, dass aufgrund der Nullzinspolitik der EZB Sparen keine wirkliche Alternative ist. Die Anschaffungsneigung lag im März bei 23,5 Punkten. Das ist der höchste Wert seit November 2010. Im Vergleich zu Dezember stieg der Indikator um 9,7 Punkte, seit März 2015 sogar um 15,5 Zähler.

Griechenland: Flüchtlingskrise lässt Konjunktur- und Einkommenserwartung abstürzen

Die Zuspitzung der Flüchtlingskrise sowie das Wiederaufflackern der Schuldenkrise lassen in Griechenland die Verbraucherstimmung in den Keller stürzen. Die Konjunkturerwartung ist im ersten Quartal stark zurückgegangen. Im März lag der Indikator bei -50,6 Punkten. Das war der nied-rigste Wert seit April 2012. Seit Dezember verlor er 17 Zähler, seit März 2015 sogar fast 65 Punkte.

Auch die Einkommenserwartung musste deutliche Einbußen hinnehmen. Der Indikator sackte seit Ende letzten Jahres um mehr als 27 Punkte auf -45,2 Zähler am Ende des ersten Quartals ab. Zuletzt stand die Einkommenserwartung im September 2013 schlechter. Seit März letzten Jahres steht ein Minus von 52,1 Punkten zu Buche.

Lediglich die Anschaffungsneigung konnte ihr Niveau in den ersten drei Monaten des Jahres halten. Mit -36,1 Punkten im Dezember stand der Indikator lediglich 1,5 Punkte höher. Im März lag er bei -37,6 Zählern. Bei diesem niedrigen Niveau kann jedoch keine Rede davon sein, dass die griechischen Verbraucher auch nur daran denken können, mehr Geld für werthaltige Produkte oder Dienstleistungen ausgeben zu können. Das verfügbare Einkommen reicht bei den meisten nicht einmal, um die Dinge des täglichen Lebens bezahlen zu können.

Österreich: Einkommenserwartung trotz Konjunkturpessimismus auf Rekordhoch

Die Mehrheit der Österreicher glaubt weiterhin nicht an ein spürbares Anziehen der Konjunktur. Die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts gehören zu den niedrigsten in Europa. Dementsprechend lag die Konjunk-turerwartung deutlich im negativen Bereich – bei -18,2 Punkten. Seit De-zember hat sie somit leicht abgenommen.

In Bezug auf ihre Einkommen zeigen sich die österreichischen Verbraucher jedoch optimistisch. Die Einkommenserwartung stieg im ersten Quartal um 14,8 Punkte auf gute 36,5 Zähler im März. Seit dem Vorjahresmonat hat der Indikator somit um gut 28 Punkte zugelegt und einen historischen Höchststand erreicht. Seit Beginn der Erhebungen im Oktober 1995 wurde kein besserer Wert gemessen.

Im Zuge der gestiegenen Einkommenserwartung hat auch die Anschaffungsneigung bis März leicht zugelegt. Sie lag im März bei 6,1 Punkten und damit um 5,8 Zähler höher als noch Ende letzten Jahres. Im Laufe des vergangenen Jahres ist der Indikator jedoch deutlich gefallen. Im März 2015 stand er noch bei 24,5 Zählern.

Gute Wirtschaftsdaten lassen Polen mit steigenden Einkommen rechnen

Die polnische Wirtschaft wächst kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenen Jahr zwischen 3,4 Prozent und 3,9 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal. Die Verbraucher gehen davon aus, dass es sich auch weiterhin robust entwickeln wird. Die Konjunkturerwartung lag daher im März mit 22,9 Zählern auf einem guten Niveau.

Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung sank in den vergangenen Monaten auch die Arbeitslosigkeit – von 7,8 Prozent im März 2015 auf 6,8 Prozent im Februar 2016. Dementsprechend rechnen die Polen auch in den kommenden Monaten mit höheren Löhnen und Gehältern. Die Einkommenserwartung lag im März bei 33,9 Zählern. Das ist nur gut 1 Punkt weniger als im Dezember. Seit dem Vorjahresmonat ist der Indikator somit um 19 Zähler gestiegen.

Trotz der guten Voraussetzungen ist die Anschaffungsneigung noch sehr verhalten. Im März lag sie bei 7,3 Punkten und somit nur wenig höher als im Dezember. Die Verbraucher sind noch nicht davon überzeugt, dass es aktuell ein guter Zeitpunkt ist, größere Anschaffungen bzw. Ausgaben zu tätigen.

Tschechen rechnen mit deutlich steigenden Einkommen

Die tschechischen Verbraucher gehen weiterhin davon aus, dass sich ihre Wirtschaft positiv entwickeln wird. Die Konjunkturerwartung lag im März mit 22,8 Punkten auf einem guten Niveau. Allerdings ist sie seit Dezember um 4,6 Zähler gesunken. Im Januar erreichte sie mit 39,4 Punkten den höchsten Stand seit Dezember 2014.

Aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent sowie der hohen Wachstumsraten der Wirtschaft von konstant über 4 Prozent rechnen die Tschechen mit deutlich steigenden Einkommen in den nächsten Monaten. Den Rekordwert von 56,5 Punkten aus dem Dezember konnte die Ein-kommenserwartung zwar nicht halten, mit 52,4 Punkten zeigte der Indikator im März aber nach wie vor ein sehr hohes Niveau.

Die gute Grundstimmung zeigt sich auch bei der Anschaffungsneigung. Sie stieg im ersten Quartal um 3,3 Punkte auf 25,7 Zähler. Das ist der höchste Wert seit November 2007. Im Laufe der letzten zwölf Monate stieg der Indikator sogar um 21,8 Punkte.

Slowaken gehen von weiter sinkender Arbeitslosigkeit aus

Die slowakische Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr deutlich – im vierten Quartal um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dennoch scheinen die Verbraucher nicht davon auszugehen, dass diese gute Entwicklung auch weiter anhalten wird. So lag die Konjunkturerwartung mit 16,3 Punkten im März lediglich auf einem mittleren Niveau. Seit Dezember sank sie insgesamt um knapp 7 Zähler.

Die Arbeitslosigkeit sank im vergangenen Jahr deutlich von 11,9 Prozent im März 2015 auf 10,3 Prozent im Februar 2016. Die Verbraucher rechnen auch in den kommenden Monaten mit steigenden Löhnen und Gehältern – sei es durch tatsächliche Lohnzuwächse oder auch, weil mehr Menschen wieder einen Job finden. Dennoch ging auch die Einkommenserwartung der Slowaken im ersten Quartal leicht zurück – um 4,5 Punkte auf 22,9 Zähler.

Die sinkende Arbeitslosigkeit sowie die gute wirtschaftliche Entwicklung führen dazu, dass die Verbraucher offensichtlich beginnen, auch werthaltige Anschaffungen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, wieder stärker in Erwägung zu ziehen. Die Anschaffungsneigung verzeichnete im März 11,9 Punkte. Das waren 7,5 Zähler mehr als noch im Dezember.

Bulgarien: positiver Trend bei Konjunkturerwartung

Mit Raten zwischen 2,8 Prozent und 3,3 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal wuchs die bulgarische Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich. Dennoch trauen die Verbraucher dieser positiven Entwicklung noch nicht so recht. So lag die Konjunkturerwartung im März bei -5,9 Punkten, nur 1 Zähler über ihrem Dezemberwert. Über die letzten eineinhalb Jahre beobachtet, zeigt sich aber ein deutlich positiver Trend. Seit März 2015 stieg der Indikator um 8,5 Punkte, seit seinem zwischenzeitlichen Tiefststand im Oktober 2014 sogar um fast 25 Zähler.

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch bei der Einkommenserwartung feststellen. Nach einem leichten Einbruch Anfang des Jahres stieg der Indikator wieder exakt auf den Dezemberwert von 3,9 Zählern. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnete er jedoch ein Plus von 18,8 Punkten.

Im Gegensatz dazu sank die Anschaffungsneigung im neuen Jahr um insgesamt 5,4 Zähler auf 1 Punkt im März. Im gleichen Monat des vergange-nen Jahres verzeichnete der Indikator 8,9 Zähler. Kostenintensive Anschaffungen bleiben damit für die bulgarischen Verbraucher meist dennoch unerreichbar.

Rumänien: Anschaffungsneigung auf höchstem Stand seit September 2008

Wie auch in den meisten anderen europäischen Ländern ist die Konjunk-turerwartung im ersten Quartal dieses Jahres auch in Rumänien gesunken. Der Indikator lag im März bei 3,3 Punkten. Das sind 7,3 Zähler weniger als im Dezember und über 19 Punkte weniger als vor genau einem Jahr. Diese Entwicklung ist erstaunlich, da die Wirtschaft in den vier Quartalen 2015 zwischen 4,3 Prozent und 3,4 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal wuchs. Im März 2016 waren die rumänischen Verbraucher demnach so pessimistisch in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung wie seit Oktober 2014 nicht mehr.

Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Jahr nur leicht zurückgegangen. Dennoch stieg die Einkommenserwartung im ersten Quartal dieses Jahres um 6,6 Punkte auf 21,5 Zähler im März. Die Verbraucher rechnen also in den kommenden Monaten mit steigenden Einkommen – sei es durch tat-sächliche Lohnzuwächse oder auch, weil die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen wird und mehr Menschen wieder einen Job finden.

Die Anschaffungsneigung der Rumänen verzeichnete ein deutliches Plus. Von Dezember bis März stieg der Indikator um 11,1 Punkte und lag damit wieder im positiven Bereich bei 3,5 Zählern. Das ist der höchste Wert seit September 2008. Vermutlich hat auch die Senkung der Mehrwertsteuer zum 1.1.2016 um vier Prozentpunkte dazu beigetragen. Allerdings sind
die Verbraucher noch weit davon entfernt, mehr Geld für hochwertige Produkte und Dienstleistungen ausgeben zu können. Bisher reicht es weiterhin ledig-lich gerade so für das tägliche Leben.