Der Renminbi verdient mehr Aufmerksamkeit als der Yen, der Euro oder der Dollar

Von John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank

(5.5.16) – Das letztwöchige Meeting der japanischen Zentralbank (BoJ) jagte eine Schockwelle durch den Markt. Die Zentralbank verzichtete nicht nur auf zus tzliche Wertpapierkäufe, mit denen viele gerechnet hatten, sondern hat sogar den voraussichtlichen Zeitrahmen, in dem das Inflationsziel von 2 Prozent erreicht werden soll, nach hinten verschoben. Der Yen wurde im Vergleich zu allen anderen Währungen am stärksten ersch ttert, und der USD/JPY-Wechselkurs stürzte nach dem h chsten Eintagesverlust seit der globalen Finanzkrise auf ein neues 18-Monats-Tief. Mit diesem Schachzug der BoJ hat sich am Markt endgültig die Vorstellung etabliert, dass die Zentralbanken das Ende der geldpolitischen Fahnenstange im aktuellen Paradigma erreicht haben   negative Zinss tze sind kontraproduktiv, und die Wertpapierk ufe per quantitativer Lockerung (QE) sind an ihre praktischen Grenzen gesto en. Am Freitag schloss der Euro im Vergleich zum US-Dollar mit dem h chsten Stand zum Ende der Woche seit Januar 2015, weil allgemein vermutet wird, dass sich die Europäische Zentralbank im Großen und Ganzen in derselben Zwangslage befindet wie die japanische Zentralbank: Sie hackt mit enormen QE-Käufen und negativen Zinss tzen auf den geldpolitischen Fels ein, sieht jedoch die resultierende W hrungsschw che nicht als Grund an, um von Deflationsrisiken wegzusteuern.

 

Inzwischen schlottern dem US-Dollar sprichw rtlich die Knie, weil die US-Notenbank mit ihrem extrem gem  igten FOMC-Meeting im M rz ank ndigte, eher die US-Wirtschaft hei laufen lassen zu wollen als das Risiko einzugehen, die Weltwirtschaft durch weitere Zinssenkungen und durch die St rkung des US-Dollars zu destabilisieren. Ein Gro teil des Destabilisierungsrisikos konzentriert sich auf China, wo die drohende drastische Abwertung der Landesw hrung gegen ber dem US-Dollar die M rkte in den letzten neun Monaten gleich zweimal ins Trudeln brachte. Ein Gl ck f r die Fed, dass die US-Wirtschaft im 1. Quartal sehr schwach war.

 

Die chinesische W hrung wird weiterhin schnell schw cher, nur nicht gegen ber dem US-Dollar. Dies hat eine ganze Armee von Spekulanten (sowohl in China als auch andernorts) frustriert, weil die meisten auf eine Renminbi-Abwertung gesetzt hatten. Stattdessen hat sich der Renminbi gegen ber einem  u erst schwachen US-Dollar geringf gig st rker gehalten, obwohl er dieses Jahr gegen ber anderen W hrungen insbesondere in Asien deutlich schw cher abschneidet. Der malaysische Ringgit hat dieses Jahr beispielsweise um nahezu 10 Prozent gegen ber dem Renminbi zugelegt, etwa ebenso stark wie der japanische Yen, weil die gem  igt auftretende Fed eine kr ftige Erleichterungsphase f r die W hrungen nahezu aller Wachstumsm rkte ausgel st hat (au er f r den chinesischen Renminbi).

 

Statt jedoch diese Atempause an geldpolitischer Front zu nutzen, die Struktur neu aufzustellen und die erschreckende Verschuldung produktiver anzugehen, greift China kurzerhand auf seine alten Methoden zur ck, ein BIP-Wachstum anzuregen, wenn das Land in die Enge getrieben ist: massive neue Konjunkturpakete und Geldspritzen in die Wirtschaft. Die australische Macquarie-Bank sch tzt die Gesamtschulden Chinas derzeit auf erschreckende 350 Prozent des BIP (http://www.businessinsider.com.au/china-1-trillion-in-bad-debt-2016-5)   eine bet ubende und beispiellose Beschleunigung der BIP-Schulden um 100  Prozent seit 2008, gr  tenteils durch Staatsunternehmen angeh uft. Das sind umgerechnet etwa 35 Billionen US-Dollar oder 30,5 Billionen Euro. Wie in einem Kreditzyklus  blich, bei dem rund 10 Prozent der Kredite als notleidend enden, bedeutet dies 3,5 Billionen USD in faulen Darlehen   mehr als China im gesamten Fremdw hrungs-Reservepool vorh lt. Chinas  berflutung des Systems mit Liquidit t erh ht den Schw chungsdruck auf den Renminbi, und Chinas W hrung sollte in den kommenden Monaten unsere volle Aufmerksamkeit erhalten, weil die schwache Wirkung des FOMC-Meetings im M rz auf den US-Dollar und das Leitmotiv der geldpolitischen Sinnlosigkeit seitens der Europ ischen und der japanischen Zentralbank schon bald an Schwung verlieren werden.

Quelle: Saxo Bank