MFS Investment: Es könnte an der Zeit sein, einen Schritt zurückzutreten

 

Boston/Frankfurt (10.5.16) – Während die enttäuschende Berichtssaison für das erste Quartal weitergeht, werde ich vorsichtiger, was die Märkte in den kommenden Monaten anbelangt. Wir befinden uns inmitten des dritten Quartals in Folge, mit schwachen Gewinnen und Cashflows. Doch was am meisten beunruhigt, ist die Schwäche, die sich über Energieunternehmen und Exporteure hinaus auf eine breitere Zahl von Unternehmen im S&P 500 Index ausweitet.   Für mich ist dies ein Signal, Risiken im Portfolio zu reduzieren.

 

Warum diese zunehmende Besorgnis? Die letzten drei Phasen von Gewinnrezessionen, die in den vergangenen 50 Jahre durch die Kombination aus taumelnden Ölpreisen und einem starken Dollar ausgelöst wurden, dauerten zwei Quartale an. Doch der aktuell ausgeprägte Rückgang der Gewinne zieht sich nun in das dritte Quartal. Mittlerweile hätten sich die Verkäufe und Gewinne wieder erholt haben müssen, aufgrund der Reaktion der Verbraucher auf die „Energiedividende“, die mit den gesunkenen Ölpreisen einherging. Dieses durchreichen der geringeren Inputkosten hätte eine Steigerung der gesamten Wirtschaftsaktivitäten aufgrund höherer realer Verbrauchereinkommen ankurbeln müssen. Doch das ist bislang nicht passiert. Dies ist sowohl enttäuschend als auch ein verhängnisvolles Zeichen für Risiko-Assets.

 

Asset-Mix neu bewerten

 

Für Investoren mit frischem Geld ist es eine Überlegung Wert, zunächst abzuwarten. Für bestehende diversifizierte Portfolios dagegen kann es angemessen sein, den Asset Mix neu zu bewerten und Aktien mit nachhaltiger Dividendenrendite und qualitativ hochwertige Anleihen, wie zum Beispiel US-Unternehmensanleihen, zu favorisieren.

 

Auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass das aktuelle Umfeld auf eine beginnende US-Rezession hinweist, befinden wir uns in einer anhaltenden Rezession der Gewinne. Um Risiken wieder zu favorisieren, müssten folgende Gegebenheiten vorliegen:

– Erholung der Investitionsausgaben

– Bessere Verkaufserlöse für US-amerikanische Konzerne

– Nachhaltige Erholung der Emerging Markets

– Verbesserte Preismacht auf Basis wachsende globaler Inflation

 

Zusätzliche Bedenken

 

Neben den bereits genannten Bedenken, gibt es eine Reihe von Themen, denen die Märkte ins Auge sehen müssen. Aufgrund der wachsenden Gewinnschwäche, ist das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 16,3x im S&P 500 zu hoch.

 

Saisonale Trends sind in den kommenden Monaten nicht besonders vorteilhaft. Die Periode zwischen Mai und Oktober ist historisch betrachtet typischerweise durch eine Seitwärtsbewegung der Märkte und indifferente Rückflüsse für Investoren gekennzeichnet. Wie das bekannte Sprichwort sagt: „Sell in May and go away“. Besonders in diesem Jahr können Investoren es verkraften, auf mehr Klarheit durch die kommenden Kennzahlen zu warten.

 

In den Monaten vor einer wichtigen Wahl tendieren Marktteilnehmer grundsätzlich zu mehr Vorsicht. Und mit der diesjährigen US-Wahl, die durchaus umstritten werden könnte, dürfte diese Zurückhaltung auch berechtigt sein. Weitere Risiken die zur Vorsicht mahnen, sind das Brexit-Referendum am 23. Juni, die Parlamentswahlen in Spanien einige Tage danach sowie die Sorgen um die Fähigkeit Griechenlands, seinen Zahlungsverpflichtungen in den kommenden Monaten nachkommen zu können.

 

Das makroökonomische Umfeld hat sich als weniger dynamisch herausgestellt, als es in den vergangenen Monaten erwartet wurde. Das US-Einkommenssteueraufkommen hat sich trotz nach wie vor robuster Beschäftigungszahlen verlangsamt. Die neuen Eigenheimverkäufe haben – auch wenn sie solide sind – nicht meine Erwartungen getroffen. Die Automobilverkäufe verlieren nach einem starken Jahr 2015 an Dynamik. Und am Wichtigsten: der Gewinnanteil des Bruttoinlandsprodukts – einer der wichtigsten Frühindikatoren – beginnt abzurutschen.

 

Während der aktuelle US-Konjunkturzyklus anhand vieler Maßstäbe – wie der Beschäftigung, dem Lohnwachstum und der Unternehmensgewinne – stark bleibt, mühen sich die Aktienmärkte damit ab, die Gewinne und Margen zu produzieren, die wir in den letzten Jahren gewohnt waren.

 

Unsere Aufgabe ist es, den Veränderungen an den Märkten und in der Wirtschaft zu folgen. Unsere Hoffnungen liegen darin, dass die aktuellen Sorgen nur vorübergehender Natur sind. Für den Moment kann es sich jedoch als sinnvoll erweisen, einen Schritt zurückzutreten.

Von James Swanson, MFS Chief Investment Strategist