Nieding + Barth:

Deutsche Bank vor weiterer dramatischer Hauptversammlung

Frankfurt/Main (18.5.16) – Am morgigen Donnerstag findet die mit Spannung erwartete Hauptversammlung der Deutsche Bank AG statt. Das Unternehmen wird sich einer ganzen Reihe unangenehmer Fragen stellen müssen. „Für die Aktionäre der Bank waren die letzten Jahre eine einzige Tortur, die sich mehr als deutlich im Verfall des Aktienkurses widerspiegelt. Entsprechend kritisch wird die Diskussion ausfallen. Das wenig professionelle Bild, das der Aufsichtsrat rund um den Rücktritt von Georg Thoma geboten hat, hat nicht gerade zur Beruhigung beigetragen“, sagt Klaus Nieding, Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft und Vizepräsident der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz). „Das Management muss jetzt endlich zeigen, dass den vielen Worten auch Taten folgen“, fordert Nieding, der die DSW bereits seit 20 Jahren auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank vertritt. 

Ein Thema des Aktionärstreffens werden unter anderem die Anträge auf Sonderprüfung sein, die von Seiten einiger Anteilseigner eingebracht wurde. Hier positioniert sich Nieding ganz klar: „Wir werden gegen die Anträge stimmen, da die aus unserer Sicht wesentlichen Punkte im Rahmen der zwischen DSW und Deutscher Bank im Rahmen eines Vergleiches vereinbarten freiwilligen Sonderprüfung abgedeckt werden. Eine weitere Sonderprüfung würde nur Management-Ressourcen binden, die derzeit besser anderweitig eingesetzt werden sollten“, erklärt Nieding, der die Anlegerschützer im Laufe des Verfahrens rechtlich vertreten und mit der Deutsche Bank AG verhandelt hatte.

Zudem wünschen sich die Aktionäre, nach den Skandalen der letzten Jahre, dringend mehr Ruhe. Nieding: „Die Bank muss endlich im operativen Geschäft vorankommen. Der Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat zwar sehr geschmerzt, die Anteilseigner wollen jetzt aber vor allem eine Perspektive sehen. Derzeit ist die nicht klar zu erkennen.“ Stattdessen sei im Augenblick vom Vorstand nichts anderes zu hören als Kostensenkung, Abbau von Geschäftsbereichen, Schließung von Filialen, Risikoreduzierung. „Eine klare Strategie, damit der Kapitalmarkt erkennen kann, wohin die Bank in den nächsten fünf Jahren steuert, sieht anders aus“, ist Nieding überzeugt.

Was den Punkt „Entlastung des Aufsichtsrats“ angeht, will der DSW-Vertreter die Äußerungen des Chefkontrolleurs Paul Achleitner abwarten. „Die jüngsten Ereignisse rund um den Aufsichtsrat werden zu hinterfragen sein, insbesondere vor dem Hintergrund des zukünftig angemessenen Maßes an Aufklärung bei der Aufarbeitung der Skandale aus der Vergangenheit“, so Nieding.

Ende April hatte sich AR-Chef Achleitner mit Georg Thoma überworfen. Der renommierte Wirtschaftsanwalt war eigens in das Kontrollgremium geholt worden, um an der Spitze des „Integritätsausschusses“ die zahlreichen Skandale des Instituts aufzuarbeiten. Das aber tat Thoma offenbar mit solcher Akribie, dass es den anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats zu viel wurde. Unter dem Druck seiner Kollegen trat Thoma zum 28. Mai zurück. „Ich werde auf der Hauptversammlung natürlich hinterfragen, ob man da etwas übertrieben hat, um das Rad wieder zurückzudrehen, oder ob tatsächlich Herr Thoma den Vorstand der Bank operativ behindert hat“, sagt Nieding.