Frankfurt/Main (19.5.16)/PK – Hauptversammlungen der Deutschen Bank arten seit langem zu einem großen Spektakel aus. Kritische Aktionäre münzen die Hauptversammlung zu einem Forum der Kapitalismus-Kritik um. Daher hingen – wie in den vergangenen Jahren schon – Plakate vor der Frankfurter Festhalle, wohin die Deutsche Bank ihre Aktionäre eingeladen hatte. Plakate, die beispielsweise mit dem Slogan „Der Kapitalismus geht über Leichen“ ihre Kritik an der Deutschen Bank entluden.

Drinnen, in der Vorhalle der Festhalle, mußten Aktionäre wie alle anderen Besucher auch zunächst die Sicherheitsschleusen passieren, ehe sie sich drinnen in der gut Tausend Plätze fassenden Festhalle niederließen, um den Worten von Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Peter Achleitner, dem Noch-Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und dem seit einem Jahr amtierenden Co-Vorstandschef John Cryan zu lauschen. Für John Cryan war es die erste HV an der Spitze der Deutschen Bank, für Jürgen Fitschen die letzte in seiner bisherigen Rolle. Das Interregnum mit der Deutschen-Bank-Doppelspitze ging mit der HV zu Ende. . Für’s erste jedenfalls. Verlassen wird Jürgen Fitschen die Deutsche Bank freilich nicht. Am Morgen pressemeldete die Deutsche Bank „Jürgen Fitschen bleibt für die Deutsche Bank in Deutschland und Asien tätig“ .

Vor dem Eingang zur HV demonstrierten Kritiker gegen die Deutsche Bank - Fotos: PK

Vor dem Eingang zur HV demonstrierten Kritiker gegen die Deutsche Bank – Fotos: PK

Paul Achleitner versprach den Aktionären anfangs, alles zu geben. Alles zu geben: Mit diesem Versprechen versuchte der umstrittene Aufsichtsratschef der Deutschen Bank die Kritik an ihm zu entkräften. Gemessen am Pegel des Applaus wirkte Achleitners Versprechen offenbar wenig überzeugend.

Achtleitner:  „Weitgehend neuer Vorstand“ soll neuen Kurs der Bank versinnbildlichen

Während Jürgen Fitschen der Deutschen Bank treu bleibt, freilich an neuer Stelle und in einer neuen Rolle, versuchte AR-Achtleitner in seiner Eröffnungsrede nachzuweisen, dass bei der Deutschen Bank sowohl im Vorstand als auch in der darunterliegenden Führungsebene das große Stühlerücken stattgefunden hat. Für Achtleitner ein Beleg dafür, dass die Deutsche Bank auch personell einen neuen Kurs eingeschlagen hat. Doch wohin dieser Kurs die Bank führen wird, darüber rätseln Beobachter und Kritiker seit langem.

Jürgen Fitschen, der noch Co-Vorstandschef und künftige Asien-Mann, wies in seiner Rede zunächst daraufhin, dass die Bank mit der „Strategie 2020“ begonnen habe. An Dividende sei für’s erste nicht zu denken. Weder für 2015 noch für 2016 werde die Deutsche Bank Dividende zahlen.

Sondereffekte in Höhe von 13 Milliarden Euro hatten nach den Worten von Jürgen Fitschen das vergangenen Jahr vermasselt und zu dem bereits bekannten Riesen-Milliarden-Verlust in Höhe von 6,6 Milliarden Euro geführt. Wenn Jürgen Fitschen von Sondereffekte spricht meint er vor allem die extrem hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten, für Streitigkeiten, die die Deutsche Bank aus der Sicht ihrer Kritiker selbst angezettelt oder sich selbst eingebrockt hatte.

John Cryan sprach deutsch. Dem künftigen Allein-Vorstandschef der Deutschen Bank blieb es überlassen, die nebulöse „Strategie 2020“ zu erläutern. Vereinfacht gesagt zielt die Strategie 2020 der Deutschen Bank darauf, die Kosten zu kappen, die Risiken zu mindern, das Kapital zu stärken und dies alles mit „großer Disziplin“ umzusetzen. Für Chryan steht fest: „Die Deutsche Bank ist besser als ihr Ruf“.

Chryan: „In uns allen steckt viel Aufbruchstimmung“