Ernst & Young: Starker Euro bremst DAX-Konzerne – trotzdem Rekordgewinn im ersten Quartal
Stuttgart ( 1.6.16) – Die DAX-Konzerne trotzem dem konjunkturellen Gegenwind und dem starken Euro: Im ersten Quartal dieses Jahres schrumpfte zwar der Umsatz der DAX-Unternehmen unterm Strich um gut drei Prozent – 15 Unternehmen konnten beim Umsatz zulegen, 13 verzeichneten einen Umsatzrückgang. Bei der Umsatzentwicklung fiel allerdings der Verkauf des BASF-Gashandelsgeschäfts an Gazprom stark ins Gewicht, der dazu beitrug, dass der Umsatz des DAX-Konzerns um etwa ein Viertel bzw. fast sechs Milliarden Euro sank.
Aber: Nachdem der Gewinn der DAX-Konzerne im Jahr 2015 noch stark – um 20 Prozent – gesunken war, konnten die Unternehmen im ersten Quartal ihren operativen Gewinn (EBIT) wieder steigern – um knapp sieben Prozent. Mit einem Gesamt-EBIT von 34,6 Milliarden Euro wurde ein neuer Rekordwert für ein erstes Quartal erreicht. Die Industrieunternehmen – also ohne Banken und Versicherungen – schafften sogar ein Gewinnwachstum von knapp 15 Prozent. Siebzehn DAX-Unternehmen verzeichneten einen Gewinnanstieg, bei neun Unternehmen war der Gewinn rückläufig.
Spitzenreiter beim Gewinn war im ersten Quartal die Deutsche Telekom, die dank des Verkaufs eines britischen Tochterunternehmens und guter US-Geschäfte ihren Gewinn auf 4,5 Milliarden Euro verdreifachen konnte. Auf den Plätzen zwei und drei der Gewinnrangliste folgen Volkswagen und Allianz mit EBITs von 3,4 bzw. 2,8 Milliarden Euro.
Trotz der angespannten konjunkturellen Situation in vielen wichtigen Auslandsmärkten stieg die Zahl der Beschäftigten weiter – um 2,0 Prozent auf knapp 3,7 Millionen. Nur acht Unternehmen haben die Zahl der Beschäftigten reduziert, bei der großen Mehrheit der Unternehmen wurden hingegen zusätzliche Stellen geschaffen. In einigen Fällen – etwa bei Merck, Vonovia und ProSiebenSat.1 – war der Beschäftigungszuwachs allerdings maßgeblich auf Übernahmen zurückzuführen.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.
Deutschlands Top-Konzerne befinden sich derzeit in schwierigem Fahrwasser, kommentiert Thomas Harms, Partner bei EY: „Die hohe Volatilität bei Währungen, Auslandsmärkten und Rohstoffpreisen macht den Unternehmen zu schaffen. Aber von einer Krise kann keine Rede sein: Auf dem deutschen Heimatmarkt, in einigen europäischen Ländern und in Nordamerika machen die Unternehmen überwiegend gute Geschäfte. Die Profitabilität steigt, die Kassen sind gut gefüllt.“
In Europa konnten die DAX-Unternehmen – ohne BASF – ihren Umsatz um 2,5 Prozent steigern (einschließlich BASF ging der Europa-Umsatz aufgrund der Gazprom-Transaktion um 2,2 Prozent zurück). Und in den USA stiegen die Umsätze trotz negativer Wechselkurseffekte sogar um 4,2 Prozent, was auf eine sehr starke Entwicklung des US-Markts schließen lässt. Rückläufig waren hingegen die Umsätze in Asien: dort sank der Gesamtumsatz um 4,4 Prozent.
Bremsend wirkte im ersten Quartal vor allem der starke Euro: Im vergangenen Jahr hatte die Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung den Unternehmen noch kräftige Wechselkursgewinne beschert, was etwa dazu führte, dass die Nordamerika-Umsätze der DAX-Konzerne um fast ein Viertel stiegen. In diesem Jahr zeigt der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Zahlreiche DAX-Konzerne berichten über Umsatzeinbußen aufgrund des gestiegenen Eurokurses.
Ebenfalls belastend wirken sich für einige Unternehmen die niedrigen Energie- und Rohstoffpreise aus – etwa für Unternehmen aus den Bereichen Chemie und Anlagenbau. Vor allem aber fallen die Schwellenländer weitgehend als Motoren der Weltwirtschaft aus, betont Harms: „Es wird immer schwieriger, Wachstum zu generieren. Wichtige Märkte wie Brasilien und Russland befinden sich in der Krise, und in China wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. Politische und wirtschaftliche Risiken gepaart mit Währungsschwankungen sorgen für erhebliche Unsicherheit. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung der DAX-Konzerne im ersten Quartal durchaus beachtlich“.
Die Risiken bleiben in den kommenden Monaten groß, erwartet Harms: „Europa driftet politisch auseinander, und bei einem möglichen „Brexit“ könnte sich die Situation noch einmal zuspitzen. Eine spürbare Besserung der Weltkonjunktur ist nicht zu erwarten. In dieser Situation dürften die Unternehmen auf Sicht fahren, Großinvestitionen meiden und weiter an ihrer Flexibilität und Kostenstruktur arbeiten.“ Die positive Gewinnentwicklung deute darauf hin, dass die Sparanstrengungen der Vergangenheit bereits Früchte tragen, so Harms. „Immerhin konnten die DAX-Konzerne insgesamt ihre Profitabilität erhöhen. Die Marge stieg – ohne Banken und Versicherungen – im Jahresvergleich von 8,9 auf 10,4 Prozent. Dabei spielen zwar auch Sondereffekte eine Rolle. Insgesamt aber zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung: Statt Wachstum um jeden Preis geht es jetzt um eine Steigerung der Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Dank stark gestiegener flüssiger Mittel dürften die Unternehmen zudem auch für schwierige Zeiten – oder für Zukäufe – gerüstet sein: Zum Quartalsende verfügten die DAX-Konzerne über flüssige Mittel von 100,6 Milliarden Euro – 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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