Deutsche Bank bringt ihren Ausblick Deutschland
Frankfurt/Main (4.6.16) – In Q1 wurde das BIP-Wachstum (+0,7% gg. Vq. nach +0,3% zuvor) ausschließlich von einem stabilen Wachstum der Binnennachfrage angetrieben, die 0,8%-Punkte zum Gesamtwachstum beitrug. Wir korrigieren unsere BIP-Wachstumsprognose für Q2 von 0,3% auf 0,1% nach unten, da wir mit einer erheblichen Gegenbewegung nach dem starken Q1 rechnen.
Während wir im Hinblick auf den Arbeitsmarkt optimistisch bleiben, glauben wir, dass der Einfluss der niedrigen Ölpreise auf das Realeinkommen langsam abklingt. Weiterhin hat der milde Winter in der Bauindustrie zu Vorzieheffekten geführt, wobei die Stärke der zugrunde liegenden Nachfrage nach Bauleistungen die Q2-Gegenbewegung begrenzen könnte. Unsere BIP-Prognose für 2016 lassen wir unverändert bei 1,7%. Wir glauben weiterhin, dass das diesjährige Wachstum von der Binnennachfrage getrieben sein wird, insbesondere vom Konsum. Dagegen dürften die Nettoexporte das Wachstum dämpfen, da die schwache Weltwirtschaft und der stärkere Euro das Exportwachstum bremsen und das Importwachstum hoch bleiben dürfte.
Guter mittelfristiger Fiskalausblick entschärft demographische Belastung kaum. Trotz Flüchtlingsausgaben erzielte der Staatshaushalt 2015 ein Plus von 0,7% des BIPs und damit den höchsten Überschuss seit dem Jahr 2000. Der öffentliche Schuldenstand verbesserte sich abermals und liegt nun bei 71,2%. Bei anhaltend guter Wirtschaftsdynamik wird er weiter schrumpfen und könnte am Ende des Jahrzehnts sogar auf 60% – die im Vertrag von Maastricht verankerte Obergrenze – fallen. Dagegen ist in den anderen bevölkerungsreichen Euroländern in den nächsten Jahren ein Schuldenrückgang kaum zu erwarten. Der gute kurz- und mittelfristige Fiskalausblick reduziert allerdings die Reformnotwendigkeit der öffentlichen Haushalte nur geringfügig. Deutschlands im internationalen Vergleich besonders schnell alternde Bevölkerung dürfte die Sozialversicherungen massiv belasten und deutliche Reformen notwendig machen. Leider läuft die aktuelle politische Diskussion – gut ein Jahr vor den Bundestagswahlen – eher in die entgegengesetzte Richtung.
EZB spielt auf Zeit. Die EZB dürfte wohl bis September warten, bevor sie auf Basis einer ersten Analyse der Wirkungen ihres am 8. Juni startenden Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen und des TLTRO2 (erste Zuteilung am 23. Juni) über weitere Lockerungsschritte entscheiden wird. Wir erwarten, dass sie dabei wohl auf Nummer sicher geht und im Zweifel ihr QE-Programm über den März 2017 hinaus verlängert. Sollte es am 23. Juni zum Brexit kommen, erwarten wir, dass die EZB relativ zügig weitere Lockerungsschritte einleitet, um negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der Eurozone zu begrenzen.

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